Krümel (Pudel-Dackel-Collie) gesellte sich zu Elvis SO2, 2015, Bronze in Kampfstellung.

Herbert Brandl und Gerhard Roth bei der Katalogpräsentation mit Lesung und Gespräch.

Herbert Brandl und Gerhard Roth bei der Katalogpräsentation mit Lesung und Gespräch.

Hyänenbär, 2012, Bronze, 64 x 104 x 63 cm

Hyänenbär, 2012, Bronze, 64 x 104 x 63 cm

Herbert Brandl setzt sich für die Rettung des - von einem Kraftwerk bedrohten - Naturjuwels

Herbert Brandl setzt sich für die Rettung des - von einem Kraftwerk bedrohten - Naturjuwels

Brandls imposante Bühnen-Kulisse

Brandls imposante Bühnen-Kulisse

Idylle und Chimären

Montag, 20. Juli 2015

Seit Jahrzehnten „wandern“ Brandls Werke zu den bedeutendsten „Spielorten“ der Kunst. In zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen beeindruckte er ob seiner Virtuosität, von der nun auch das Greith-Haus beseelt wird.

Eine imposante Kulisse fesselt im Hauptraum: Die Bühne fungiert als Ort des Dialogs von Malerei und Fotografie;- dicht und farbkräftig thronen die beiden kolossalen Bilder hintereinander, fordern den Gast heraus, die üppigen Darbietungen zu durchforsten. Im Vordergrund herrscht ein abstraktes Ölgemälde mit einem „Hauch“ von Gegenständlichkeit,-„Wolkengebilde“ sehen die einen, „Wasserfall“ die anderen, aber so viele Augen, so viele Interpretationen. Der Hintergrund wird dominiert von einem gigantischen Foto seines Elternhauses mit blühendem Garten. „Mein Zimmer war der erste Ausstellungsraum“, erzählt Brandl während des Gesprächs mit dem Schriftsteller Gerhard Roth im Zuge der Katalogpräsentation, „ich habe Bilder aus dem Fenster gehängt“, zur Verwunderung der Einwohner seiner Heimatgemeinde.

Davor und im Zuschauerraum verteilt laden heugefüllte Kissen – gefertigt aus Leinwandvon der Textilkünstlerin Edelgard Gerngross–zum Niederlassen ein. Auf jenen duftenden Elementen, welche auch als Felsbrocken aus der gefährdeten Schwarzen Sulmzu sehen sind, kann man sich entspannt den Kreationen hingeben. „Ein Ambiente zu gestalten, das mehrere Sinne anspricht und das Publikum gleichsam einbindet, ist ein Ziel dieser Ausstellung, die Herbert Brandl eigens für das Greith-Haus konzipiert hat“, so Kurator Günther Holler-Schuster. „Dabei spannt sich der inhaltliche Bogen von der Architektur des Hauses bis zur landschaftlichen Umgebung und verdichtet sich in der Ausstellung zu einem multimedialen Erinnerungs- und Erlebnisraum.“

Hinter dem originellen Bühnen-Arrangement trifft man auf bedrohliche Mischwesen aus Bronze: Bei durchscheinendem rosaroten Blütenteppich kämpfen zwei Bestien, lauert ein Hyänenbär, verteidigt ein Säbelzahnhyänentigerhund-Trio sein Revier.

Unweit davon kann man sich beim Anblick eines strammen Herrenpilzes von der Begegnung mit dem zehnköpfigen Fabelwesen-Ensemble erholen. Er wiederum weist den Weg zur heimischen Folklore: In einem eigenen Raum wirken die „Bauernmonos“, – großformatige Monotypien auf Lana Bütten. In Anlehnung an die bäuerliche Malereilässt Brandl die frühe Beschäftigung mit jener Kunstform aufleben, unterzieht das ornamentale Motiv des Lebensbaumes jedoch innerhalb von 13 Teilen einer Variation.

Die Ausstellung noch einmal durchstreifend, stechen die drei Hyänen-Bilder auf der ersten Ebene des Hauptraums hervor, die aufgrund der magischen Anziehungskraft der Bühnenkulisse im Augenblick des Eintritts der Aufmerksamkeit entbehren. Die Tüpfelhyänen – als Paare in unterschiedlichen Jahreszeiten auftretend – zeigen sich teilswohltuend friedlich, teils beunruhigend angreifend.

Auch bei diesen Werken sind abweichende Interpretationen möglich: Aufruf zum Schutz der Tiere, die in der Roten Liste der gefährdeten Arten zu finden sind oder lassen die geschickten Jäger, welche ihre Beute oftmals bei lebendigem Leibe zerreißen, das Bild des Menschen als „seelenloses“ Raubtier auftauchen?

Bei Herbert Brandls „Heimspiel“ im Greith-Haus ist jedenfalls ein vielschichtiges Gesamtkunstwerk zu bewundern, das den Besucher innerhalb der einzelnen visuellen Abenteuer zum Nachsinnen inspiriert und zahlreiche Perspektiven zulässt.

„Betracht` ich Brandls Bilder, denk` ich an was Neues. Denk` ich an was Neues, möcht` ich wieder Bilder sehen“, schreibt Gerhard Roth in seinem Essay unter dem Titel „Herbert Brandls Paralleluniversum“…„Sehe ich die Bilder, fällt mir etwas Andres ein….“

Zu bewundern ist die Ausstellung bis 16.August 2015; www.greith-haus.at

Text und Fotos: Michaela Vretscher

  • Herbert Brandl und Gerhard Roth bei der Katalogpräsentation mit Lesung und Gespräch.