konsumapfel

Fotos: Land schafft Leben

Obmann Hannes Royer bei der Vorstellung des Vereins Land schafft Leben (Foto: Land schafft Leben/APA-Fotoservice/Rasegar)

Obmann Hannes Royer bei der Vorstellung des Vereins Land schafft Leben (Foto: Land schafft Leben/APA-Fotoservice/Rasegar)

Vor der Ernte kontrollieren der Bauer und seine Mitarbeiter, ob die Äpfel die optimale Reife erreicht haben.

Vor der Ernte kontrollieren der Bauer und seine Mitarbeiter, ob die Äpfel die optimale Reife erreicht haben.

Die Äpfel werden vor dem Sortieren gewaschen. Eine Wasserstraße transportiert sie zur Sortierung.

Die Äpfel werden vor dem Sortieren gewaschen. Eine Wasserstraße transportiert sie zur Sortierung.

Österreichischen Äpfeln auf der Spur

Freitag, 27. Mai 2016

Etwa 20 kg Äpfel konsumiert der Österreicher pro Jahr, mengenmäßig ist der Apfel damit Österreichs Obstsorte Nummer Eins. Bezüglich des Verkaufswerts im Lebensmitteleinzelhandel ist allerdings die Banane dem Apfel überlegen und auf der Überholspur. Neben dem leicht sinkenden Konsum erschweren der zunehmend globalisierte Markt und das Russland-Handelsembargo die Situation der heimischen Apfelbauern und -branche.

Auf die Spur des österreichischen Apfels begab sich ein Jahr lang der Verein Land schafft Leben. Das Filmteam besuchte neben Apfelbauern auch eine Baumschule, eine Forschungseinrichtung, einen Sortier- und Lagerbetrieb sowie eine Organisation, die sich für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt einsetzt.

Österreichische Äpfel stammen wie im professionellen Anbau weltweit üblich von internationalen Züchtern. Nur auf Kronprinz Rudolf als eine der zwölf beliebtesten Sorten aus heimischem Anbau trifft das nicht zu. Für die restlichen Sorten bezieht die Baumschule den für die Sorte entscheidenden Teil der Pflanze aus dem EU-Ausland, etwa aus den Niederlanden. Dann wird die Pflanze veredelt, also zu einem für den professionellen Anbau geeigneten Baum zusammengefügt. „Die Apfelbauern müssen gut überlegen, in welche Sorte sie investieren“, so Hannes Royer, Obmann des Vereins Land schafft Leben. „Anlagen, also Flächen mit Apfelbaumreihen, sollen über mehrere Jahre Bestand haben.“ Nach der Ernte werden die Äpfel in einem Verarbeitungsbetrieb sortiert und je nach Bedarf eingelagert. Die Lagerdauer beträgt bis zu einem Jahr.

Sozialstandards machen Anbau teurer
Ähnlich wie heimisches Hühnerfleisch haben österreichische Äpfel vor allem bei verarbeiteten Produkten das Nachsehen, wo Konsumenten keine Herkunftsangabe erhalten. Heimische Äpfel können mit den Weltmarktpreisen nicht mithalten. Hauptgrund dafür sind die höheren Sozialstandards. Erntehelfer kommen hauptsächlich aus dem Ausland und erhalten mit dem Mindestlohn ein vielfach höheres Gehalt als in den EU-Ländern Osteuropas. Die klimatischen Bedingungen in Österreich sind für den Apfelanbau sehr gut geeignet. Nur ein Teil der Bauern bewässert zusätzlich zum natürlichen Niederschlag. Mit elf Prozent hat Österreich im Apfelanbau den höchsten Bio-Anteil in der EU. Der so genannte „Apfelgürtel“ in Europa verläuft durch Österreich, etwa mitten durch die Südoststeiermark. Drei Viertel der österreichischen Äpfel sind steirisch. Wetterextreme sind auch im klimatisch begünstigten Österreich nicht ausgeschlossen. Ende April haben Schneefall und Frost große Teile der späteren Ernte und ganze Apfelanlagen zerstört.

Golden Delicious oder Gala
Laut dem Grünen Bericht des Lebensministeriums gehören 28 Prozent der heimischen Apfelbäume zur Sorte Golden Delicious und 23 Prozent zur Sorte Gala. Bei der Züchtung von Gala, Jonagold, Elstar, Pinova, Arlet und Fuji, die zu den Top 10 Sorten im Anbau zählen, wurde Golden Delicious eingekreuzt. 2.000 Sorten gäbe es, aber nur wenige landen in den Regalen des Lebensmitteleinzelhandels. Warum das so ist, hat mehrere Gründe: Eine große Rolle spielen Faktoren wie Optik, Größe, Lager- und Ertragfähigkeit, die Anpassung an bestimmte Anbausysteme und beschränktes Platzangebot im Supermarktregal. Apfelbauern haben auch rein optische Schäden zu vermeiden, ausgelöst etwa durch Pflanzenschutzmittel oder mechanische Methoden. Auf österreichischen Äpfeln liegen die Rückstände an Pflanzenschutzmitteln weit unter den gesetzlichen Höchstwerten. Bio-Bauern dürfen keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel einsetzen.

Weitere Infos:
www.landschafftleben.at