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Hans Höllwart: Hans Höllwart selbst glaubt nicht an die Überglobalisierung. „Wir sind – was die Energie betrifft und damit auch die Produktionschancen für Produkte – in einer ganz klaren Gegenbewegung. Es heißt nicht think local, act global, sondern think local and act local.” Dieses Denken wird er auch beim Betrieb seines Bauernhofs in der Umgebung von Graz umsetzen. „Meine neue Leidenschaft.“

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Mario Müller (SFL, Wissenschaftlicher Leiter): "Der Science Tower wird auch eine Verbesserung der Lebensqualität in diesem Stadtteil bringen. Er ist in seiner Gesamtheit das Musterhaus für neue, alternative Energieformen – weltweit einzigartig. Damit wird Graz sichtbar zum Green Tech Valley, bekommt Graz einen Wiedererkennungswert. Es ist ein Leitprojekt Österreichs für alternative Energien."

Mario Müller (SFL, Wissenschaftlicher Leiter): "Der Science Tower wird auch eine Verbesserung der Lebensqualität in diesem Stadtteil bringen. Er ist in seiner Gesamtheit das Musterhaus für neue, alternative Energieformen – weltweit einzigartig. Damit wird Graz sichtbar zum Green Tech Valley, bekommt Graz einen Wiedererkennungswert. Es ist ein Leitprojekt Österreichs für alternative Energien."

Der Visionär und sein Zauberturm

Montag, 27. März 2017

Hans Höllwart und das größte Musterhaus der Welt

Geht nicht, gibt’s nicht“ – das ist die Grundeinstellung von SFL-Chef Hans Höllwart, 57. Er ist der Erbauer des Science Tower nördlich des Hauptbahnhofs in der Waagner-Biro-Straße in Graz. Vor knapp drei Jahren sprach er davon, einen einzigartigen Turm für Graz bauen zu wollen. Kaum jemand glaubte, dass dies gelingen würde. Nun steht er und wird noch in diesem Jahr feierlich eröffnet. Dabei will man sogar eine direkte Verbindung zu einer Weltraumstation aufbauen. Der Zauberturm ist das größte „Musterhaus“ der Welt, mit den neuesten Technologien zur Energiegewinnung. Ganz oben, in 60 Metern Höhe, gibt es ein riesiges Glashaus mit 16 Hochbeeten, wo alles wachsen kann – gespeist von alternativen Energien. Ganz unten gibt es eisfreie Plätze – durch Erdwärme.

Ein Bauernkind …

Als 5-Jähriger musste Hans Höllwart schon vor der Schule täglich am elterlichen Bauernhof in St. Johann im Pongau die Kühe melken – und war damals stolz auf seine Arbeit. „Der Antrieb, große Dinge zu machen, ist der, dass du für eine Sache brennen musst“, schildert Hans Höllwart seinen Werdegang. „Mein Vater wollte, dass ich Landwirt werde und als Ältester von fünf Kindern – darunter sind drei Mädchen – den Hof übernehme.“ Vorher sollte Sohn Hans aber noch eine ordentliche Ausbildung erfahren. „Der beste Freund meines Vaters war Baumeister und der hat ihm geraten, mich nach Mödling auf die HTL zu schicken. Ich hab gar nicht gewusst, was ich dort lernen werde und was das ist. Ich gehe nach Graz studieren“, schockierte er nach der Schule seinen Vater. Dieser: „Von mir kriegst du aber nichts.“ Dennoch begann Hans Höllwart sein Maschinenbaustudium an der TU Graz im Herbst 1978 und schloss es als Diplomingenieur ab. „Ich hab mit null begonnen, damals gelernt, sehr bescheiden leben zu müssen, hab aber bald viel Geld verdienen können, weil ich praktisch jede Stunde dafür genützt habe. Den Fleiß und die Fähigkeit zu arbeiten habe ich ja von zu Hause mitgekriegt, wo ich sieben Tage die Woche arbeiten hab müssen. Du kannst erst was geben, wenn du was hast, oder anders gesagt, du kannst nix geben, wenn du nix hast“, philosophiert er beim Klipp-Gespräch.

Was war nun der wirkliche Auslöser für den Bau des Science Towers? Hans Höllwart: „Der Markus Pern-
thaler, unser Architekt, hat die Idee von einer Smart City gehabt. Wir haben bei uns im Unternehmen verschiedenste Technologien entwickelt gehabt und haben uns dann in dieses Projekt hinein gekniet. Vor einer internationalen Jury hat Graz dann den Zuschlag bekommen. Das 16-Mio.-Euro-Projekt wird damit auch wissenschaftlich gefördert. Es hätte genauso gut nach Wien oder woanders hin kommen können. Eine dieser völlig neuen und bis vor kurzem noch nicht marktfähigen Schlüsseltechnologien ist die so genannte Grätzel Zelle, ein Energieglas.“ Das ist eine Solarzelle mit lichtempfindlichen Farbstoffen, die im Glas eingeschlossen sind. Diese Fenster sind nur in den oberen Stockwerken eingebaut.

Revolutionäres Dünnglas

„Zur Grätzel-Zelle kommt noch eine weitere völlig neue Technologie dazu: und zwar die Außenhaut aus Dünnglas. Das Glas hat eine Stärke von nur zwei Millimetern. Die Außenhaut sorgt am Turm für eine Sogwirkung, wie bei einem Kamin. Mit der daraus gewonnenen Energie werden wir den obersten Bereich versorgen – nämlich den urbanen Garten, der die drei obersten Stockwerke einnimmt.“

Zurück zum Dünnglas. Dieses lässt Hans Höllwart im firmeneigenen Glaswerk in St. Marein im Mürztal herstellten. Dort wird das Glas in der weltweit größten Wanne, die es für diese Technologie gibt, in flüssigem Salz auf 460 Grad erhitzt. Die Dauer dieses Prozesses beträgt 18 bis 34 Stunden. Die Erhitzung ist wichtig für die Beständigkeit, die Festigkeit des Glases. „Das Dünnglas war ursprünglich nicht vorgesehen. Es wird als Außenhülle nun die Innenhülle schützen. Diese neue Glas-Technologie wird die Bauwirtschaft revolutionieren“, zeigt sich Hans Höllwart überzeugt.

Das neue Dünnglas ist nicht nur elastisch, wie eine Folie, sondern auch wesentlich leichter als traditionelles Glas. Seine Verwendung wird auch helfen, Kosten zu sparen – schon beim Transport. Aber auch weil Fundamente, Verankerungen für Bauten anders berechnet werden können. Man braucht sich ja nur vorstellen, welche riesigen Mengen und Gewichte an Glas bisher transportiert werden. Bei Dünnglas wird das nur noch ein Bruchteil sein. Bereits jetzt wird Dünnglas in der Raumforschung, im Flugzeugbereich oder auch bei hochwertigen Handys verwendet. Natürlich benötigt man dann in der Folge große Mengen, damit das Glas auch preislich konkurrenzfähig wird.

„Die Glaserzeugung kann völlig neu gedacht und konzipiert werden“, so Hans Höllwart. „Dünnglas kann dann als Isolierglas und Energieglas zum Einsatz kommen. Damit erreicht man gleich zwei Ziele: Zum einen schützt es und zum anderen erzeugt es Energie. Was das wiederum für die Erzeugung von Lebensmitteln, Pflanzen und Grünzeug bedeutet, ist erkennbar. Ich muss Bananen nicht irgendwo grün ernten und sie dann 5.000 Kilometer weit her führen, sondern sie können auch bei uns reifen. Vor zehn Jahren dachte man, das sei alles Spinnerei, Blödsinn. Vor fünf Jahren begann man, daran zu arbeiten und ich denke, es wird schneller gehen, als man heute überhaupt annehmen kann.“

Ein weiteres Highlight

Der Zauberturm hat eine Photovoltaik-Anlage, die sonnengesteuert gleichsam auch als Blendschutz in jedem Stockwerk dient. Ein Drittel der Anlage wird beweglich sein. Dieser Teil fährt sonnengesteuert mit und damit kann man die Energie bestmöglich nützen. In den zwei Tiefgeschossen des Towers wird es möglich sein, die Wasserstoff-Technologie zu implementieren. Wasserstoff wird in Stallhofen am Hauptsitz von SFL mit rund 380 bar produziert. „Damit können wir eine Brennstoffzelle betreiben. Bei der Wasserstoffproduktion wird Sauerstoff frei und es ist geplant, diesen dann für die Luftgüteverbesserung im Gebäude einzusetzen.“

Der Science Tower ist der erste sichtbare Teil der Smart City. „Der 60 Meter hohe Turm wird viel mehr Energie erzeugen, als er braucht“, so Mario Müller, wissenschaftlicher Leiter von SFL. Es kommt zur Verkoppelung, zur Abgabe von Energie, nach Stallhofen in der Weststeiermark, dem Hauptsitz von SFL, und in die Glasfabrik nach St. Marein im Mürztal. Später dann wird die Energie an die Partner in der Smart City abgegeben, die aber noch nicht  so weit mit ihren Projekten sind.

Das Umfeld folgt noch

„Es ist gar nicht so gescheit, dass unser Turm so viele Technologien hat. Es wäre auch vernünftiger gewesen, wenn man die Technologien aufteilen könnte und die Häuser untereinander kommunizieren. Aber dafür fehlt das gesamte Umfeld und wir haben uns entschieden, irgendwer muss einmal anfangen“, so Hans Höllwart. „Und wir wollen den Menschen begreifbar machen, wie die Zusammenhänge bei der Energienutzung optimiert werden können. Wenn der Mensch es nicht sieht, dann begreift er das auch nicht. Die Sachen sind zu komplex.“