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Wer Haltbarmilch kauft schadet den Bauern, betonen Ennstalmilch Obmann Hermann Schachner, Präsident Franz Titschenbacher, Krieglacher Milchbäueren Monika Täubel, Berglandmilch-Vorstand Johann Pretterhofer und Obersteirische Molkerei-Obmann Jakob Karner (v.l.)

Präsident Franz Titschenbacher und die Krieglacher Milchbäuerin Monika Täubel: „Gegen Lockangebote in den Handelsketten!“ Fotos: LK/Danner

Präsident Franz Titschenbacher und die Krieglacher Milchbäuerin Monika Täubel: „Gegen Lockangebote in den Handelsketten!“ Fotos: LK/Danner

Titschenbacher: Handelsketten verschleudern Haltbarmilch. Hier spielt der Lebensmittel Handel mit Haus und Hof der Milchbauern.

Titschenbacher: Handelsketten verschleudern Haltbarmilch. Hier spielt der Lebensmittel Handel mit Haus und Hof der Milchbauern.

Berglandmilch-Vorstand Johann Pretterhofer: „Wir setzen auf starke Herstellermarken in den Geschäften.“

Berglandmilch-Vorstand Johann Pretterhofer: „Wir setzen auf starke Herstellermarken in den Geschäften.“

Milchpreis: Bauern leiden

Mittwoch, 24. Mai 2017

Für eine im Billigverfahren hergestellte Limonade (0,5 Liter) zahlt der Konsument im Lebensmittelmarkt ohne Wimpernzucken von 1,20 Euro aufwärts. Beim Preis von 1 Euro plus oder minus einige Cent für 1 Liter genfreie, frische Bauernmilch greift er weit zögerlicher zu. So unverständlich reagiert der Konsument. Das ist der Tenor in den Aussagen von Bauern(-Vertretern) in Graz anlässlich des kommenden Welt-Milch-Tages am 1. Juni.

Auch die steirischen Milchbauern leiden unter den ruinösen Wettbewerb, den die großen Handelsketten mit der Milch führen. Knapp 33 Cent erhalten die Bauern im Schnitt derzeit als Produzenten für einen Liter Frischmilch, bei der Haltbar- und Billigstmilch sind es nur noch 19,5 Cent. „Obwohl die Erzeugermilchpreise in den vergangenen Monaten etwas angezogen haben, liegen sie trotzdem noch deutlich unter den Herstellungskosten, was die Milchbauern sehr, sehr schmerzt und an den Rand ihrer Existenz drängt“, so Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher. Dabei wären zumindest 40 Cent für die Bauern nötig, um ohne Verluste weiter produzieren zu können. „Mit unserem Einkommen aus der Milch haben wir leider kein Auskommen“, so Monika Täubl, Milchbäuerin aus Krieglach. 55 Kühe stehen bei ihr im Stall. Nur mit Einkünften aus der Forstwirtschaft und dem Kälberverkauf ist sie mit ihrer Familie in der Lage, den Hof weiter zu bewirtschaften.

50 Prozent der Milch-Produktion in Österreich müssen – in Form von Käse und Butter veredelt – exportiert werden, können aufgrund der Importe (der EU-Binnenmarkt ist liberalisiert) im Inland nicht abgesetzt werden. Die Tendenz dabei ist noch immer steigend. Insgesamt erzeugten die knapp 4.800 steirischen Milchbauern im letzten Jahr 569.000 Tonnen Rohmilch. Die Zahl der Milchkühe in der Steiermark beträgt knapp 82.000. Der Anteil der Veredelung in Form von Käse und Butter nimmt zu, der Anteil der Trinkmilch geht eher zurück. Für 1 kg Butter benötigt man 22,5 Liter Milch, für 1 kg Hartkäse 13 Liter und 11 Liter sind es für Schnittkäse. Der Milchkonsum pro Kopf und Jahr liegt bei 77 kg. Eine Kuh gibt in der Steiermark durchschnittlich pro Jahr 7.400 kg Milch.

In der Steiermark verarbeiten den größten Teil der Milchproduktion die drei Molkereien Berglandmilch, Obersteirische Molkerei und die Landgenossenschaft Ennstal. Sie bemühen sich seit Jahren, mit starken Herstellermarken ihren Marktanteil zu erhöhen. Dazu werden regelmäßig neue Produkte kreiert und Jahr für Jahr Millionen in die Erneuerung der Produktion investiert. Jakob Karner, Obmann der Obersteirischen Molkerei, Bergland-Vorstand Johann Pretterhofer und Hermann Schachner, Obmann der Landgenossenschaft Ennstal sind sich in einem einig: „Die einzige Chance für die heimische Milchwirtschaft besteht darin, Spezialitäten auf den Markt zu bringen, die dann auch im Export entsprechenden Geschäftserfolg ermöglichen.“ Ohne diese Nischen-Strategie wäre die heimische Milchwirtschaft überhaupt nicht zukunftsfähig. Das lässt sich auch an zwei Gegebenheiten darstellen: Die größte deutsche Molkerei erzeugt drei Mal so viel an Milchprodukten wie der gesamte österreichische Markt verbraucht. Und: Nur ein Prozent mehr oder weniger Milch-Produktion in Europa hat für die heimischen Milchbauern dramatische Auswirkungen beim Preis.