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Fotos: Heimo Ruschitz

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Ein zuversichtlicher Wolfgang Erber beim  Lokalaugenschein im Jahr 2015

Ein zuversichtlicher Wolfgang Erber beim Lokalaugenschein im Jahr 2015

Es droht ihm Millionenverlust

Montag, 17. Juli 2017

Stadt Graz lässt Wolfgang Erber, den ersten, größten Reininghaus-Investor, im Regen stehen. Ein Schildbürgerstück – gewollt?

Die in den letzten knapp zehn Jahren immer und immer wieder bejubelte Vision Bürgermeister Siegfried Nagls von einem neuen Stadtteil Reininghaus, einer Jahrhundertchance für Graz, hat alle Voraussetzung für ein Schmierentheater auf Schildbürgerniveau. In den Hauptrollen ein engagierter, aber offensichtlich schlecht informierter Bürgermeister und mit dem Baudirektor und dem Stadtplanungschef zwei hochrangige, informierte Beamte.

Man schreibt das Jahr 2012. Unter großem Trommelwirbel – Gemeinderatswahlen und Bürgermeisterwahlen stehen bevor – verkündet Siegfried Nagl, dass es auf den ehemaligen Reininghaus-Gründen mit dem Bau bald losgehen werde. Viel Beifall von vielen Seiten dafür. Investor der ersten Stunde ist der Grazer Immobilienentwickler Wolfgang Erber. Ihn begeistert die Idee Reininghaus. 1.800 Wohnungen samt Infrastruktur (Ärzte, Apotheken, Einkaufszentrum, Schule usw.) sollen dort entstehen, 300 Millionen Euro verbaut werden.

Es folgt auf Initiative der Stadt ein internationaler Architektenwettbewerb für das Projekt. In der Jury sitzen mit dem Baudirektor und dem Chef des Stadtplanungsamtes die zwei ranghöchsten Experten der Landeshauptstadt. Auch sie stimmen für das Siegerprojekt – da schreibt man das Jahr 2014.

Und jetzt kommt’s: Noch vor der Ausschreibung des Wettbewerbs, noch vor dem Ankauf weiterer Grundstücke durch Wolfgang Erber, erhält die Stadt Graz bereits am 10. Februar 2012 einen eingeschriebenen Brief mit brisantem Inhalt. Absender ist das Unternehmen Stamag, der Eigentümer der Mälzerei und Anrainer bei den ehemaligen Reininghaus-Gründen. Sie erklärt ihren aktiven Einspruch gegen das Entwicklungskonzept der Stadt Graz, dass die Reininghaus-Gründe für ein Wohnungs- und Siedlungsprojekt umgewidmet werden. Das Gebiet soll auch künftig nur als Gewerbe- und Industrieflächen ausgewiesen werden. Die Antwort der Stadt bzw. der verantwortlichen Beamtenschaft sinngemäß: Man werde diesen Einspruch natürlich berücksichtigen. Keine Information darüber bekommen allerdings Investor Wolfgang Erber und sein Team, die eben mit vollem Engagement an der Vorbereitung für den Wettbewerb arbeiteten und die Unterlagen dafür aufbereiteten.

Auch in den Sitzungen der Jury, an der der Baudirektor und der Chef der Stadtplanung teilnehmen, erfolgt von den beiden Beamten kein Hinweis auf den aktiven Widerspruch gegen die geplante Umwidmung. „Eine solche Information hätte aber partiell völlig andere Planungsüberlegungen bewirkt“, so Wolfgang Erber. „Das wäre noch keine Katastrophe gewesen, aber kein Wort darüber.“ Thema wäre nur die Luftbelastung durch die Mälzerei gewesen. „Dieses Problem ist aber technisch lösbar.“

Das Team Erber reicht im April 2015 die Pläne für das Reininghaus-Projekt ein. Diese werden vom Gemeinderat abgesegnet und damit rechtskräftig.

Bei der Bauverhandlung am 23. März 2016 dann der große Knall. Erstmals erfahren der Investor und seine Mitarbeiter, dass die Stamag als Anrainer dem Projekt in dieser Form nicht zustimmt. Erstmals erfährt Wolfgang Erber, dass die Stamag bereits im Jahr 2012 per Schreiben einen aktiven Einspruch gegen das Projekt erhoben hat. Keine Chance mehr also auf den geplanten Baubeginn. Es kommt zum totalen Stopp. Das finanzielle Risiko war plötzlich nicht mehr abzuschätzen. Jeder Tag Bauverzögerung verursacht Kosten von 5.000 bis 7.000 Euro. „Ich war im Sinne der Gebarung eines ordentlichen Kaufmanns gezwungen, den Grund-Kauf von der Asset One, dem vormaligen Eigentümer, rückabzuwickeln“, so Wolfgang Erber.

Die Stadt, so Christian Köberl, Sprecher von Bürgermeister Nagl, habe – nicht überraschend – kein Versäumnis zu verantworten. Wolfgang Erber droht ein Millionen-Verlust. Er überlegt eine Amtshaftungsklage gegen die Stadt. „Die Art, wie in Graz mit Investoren und deren Projekten umgegangen wird, gehört endlich unter die Lupe genommen“, so Erber. Auf den Reininghaus-Gründen gibt es bis jetzt keine Bautätigkeit, nur einen Fahrradweg.