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CBmed-Forschungschef Thomas Pieber

Fotos (4): Heimo Ruschitz

Fotos (4): Heimo Ruschitz

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CBmed-Geschäftsführer Robert Fasching (li) und Thomas Pieber.

CBmed-Geschäftsführer Robert Fasching (li) und Thomas Pieber.

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„Wollen in Europa zur Nummer 1 werden“

Mittwoch, 19. Juli 2017

Dieses ambitionierte, ehrgeizige Ziel setzen sich die beiden Geschäftsführer des Grazer Foschungslabors Zentrum für Biomarker Forschung in der Medizin – CBmed Thomas R. Pieber und Robert Fasching mit ihrem Team. Das Headquarter mit den Labors befindet sich auf dem LKH-Gelände in der Stiftingtalstraße. Von dort exportiert CBmed seine „geistigen Produkte“, so genannte Biomarker, in alle Welt. Es handelt sich dabei um Daten-Know-How für eine möglicherweise lebensrettende Therapie und Behandlung – eine maßgeschneiderte, personalisierte Medizin für Patienten.

Was sind Biomarker?
Etliche Medikamente und Therapien wirken bei einigen Patienten sehr gut, bei anderen nur eingeschränkt oder auch gar nicht. Von so genannten Biomarkern verspricht man sich eine genauere Diagnostik. „Die Biomarker-Datenbank, die wir dabei sind, in Graz zu schaffen, soll in Europa führend werden“, erklärt Forschungschef Prof. Thomas Pieber ohne Koketterie, der sich seit Jahren intensivst damit auseinander setzt. Das Fundament dazu sind biologische Proben und Daten von Patienten, die in Graz seit 30 Jahren gesammelt werden. Die Vision von CBmed sei es, im Bereich der personalisierten Medizin für Krebs, Stoffwechsel und Entzündungen als Institut bis 2030 überhaupt weltweit führend zu werden.

Aktuell habe man die 20 Forschungsprojekte in Arbeit, so Robert Fasching, wirtschaftlicher Geschäftsführer von CBmed. Bei der jüngsten internationalen Biomarker-Experten-Tagung in Graz im Februar 2017.

„Biomarker-Forschung machen wir dort, wo es einen medizinischen Bedarf gibt“, erklärt Prof. Thomas Pieber. Er ist auch Vorstand der Univ.-Klinik für Innere Medizin und Leiter der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie. Die personalisierte Medizin ziele darauf ab, die Wirksamkeit medizinischer Behandlungen zu verbessern. Als Beispiel nennt Pieber eine einfache bakterielle Infektion. Sie sei leicht zu diagnostizieren, mit einem Antibiotikum zu behandeln und man brauche nur Ärzte, die das können. „Dafür brauche ich keinen neuen Biomarker. Aber einen Biomarker zu finden, für Keime, die nicht auf Antibiotika reagieren, wäre wichtig.“ Mit Hilfe eines solchen Biomarkers – es ist ein „messbarer Indikator“ – könne man sich näher an die molekularen und biochemischen Ursachen von Erkrankungen herantasten.

Auf knapp 20 Millionen Euro beläuft sich das Fördervolumen für CBmed in der ersten Forschungsperiode, die 2018 ausläuft. Der Start von CBmed und seine Forschungsprojekte erfolgte vor zwei Jahren mit 20 wissenschaftlichen und 30 Indus-
triepartnern. Allein im vergangen Jahr sind sieben Partner dazu gekommen. Das mittlerweile 50-köpfige Team arbeitet damit international noch stärker vernetzt und erhielt bereits eine Auszeichnung. CBmed wurde zum ersten Expert Center der europäischen Biobanken ernannt. Als Biobank bezeichnet man eine Sammlung von Stoffen, wie Körperflüssigkeiten oder Gewebeproben, mit assoziierten, in Datenbanken verwalteten Daten. In Biobanken werden große Mengen von biologischem Material, wie beispielsweise DNA-, Blut- oder Gewebeproben zusammen mit Hintergrundinformationen (z.B. Krankengeschichte usw.) der Spender bzw. Organismen gespeichert. Bereits nach zwei Jahren, habe laut Fasching, die Biobank Graz erste Ergebnisse und drei neue Patente angemeldet.

Zu den Partnern zählen unter anderem B. Braun, Melsunge, Eli Lilly, Mercks Sharp Dohme, aber auch IT-Unternehmen wie Infineon und Kapsch BusinessCom. 2017 wird vor allem die Internationalisierung in Richtung Japan und den USA ein Schwerpunkt sein. Ende des Vorjahres wurde bereits ein Consultant für Japan eingesetzt, der die Pläne für ein künftiges Entwicklungszentrum dort vorantreiben soll. Ähnliche Pläne schmiedet man auch für den nordamerikanischen Bereich.

Die Medizin-Universität Graz ist mit 43,5 Prozent der größte Eigentümer von CBmed, weitere 20 Prozent hält die Medizinische Universität Wien und jeweils 9,5 Prozent halten die Universität Graz und die Technische Universität Graz. Das Joanneum Research ist mit 12,5 Prozent beteiligt, das Austrian Institut für Technology hält die restlichen 5 Prozent. Die Forschungs-Budgets kommen zu 33 Prozent von der FFG (Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft), 17 Prozent von der SFG (Land Steiermark), aber bereits 45 Prozent von der Industrie.

Biobanken in Europa und weltweit stellen ihre Daten auf Anfrage Partnern in Forschung und Medizin zur Verfügung, um neue Biomarker zuverlässig identifizieren. Mit der Einführung von Qualitätskriterien komme es auch zu einer Standardisierung der Analyseverfahren, werden die gewonnenen Daten einer Biobank international vergleichbar, heißt es bei CBmed. Damit werde das Verschicken von Proben – „es gestaltet sich schwierig“ (Pieber) – überflüssig. Sondern es kommt einfach zur Weitergabe der Daten eines Expert Centers zum anderen.

„Wir sind in Graz mit dem CBmed auf einem sehr guten Weg“, so Forschungschef Thomas Pieber. „Eines unserer Leitprojekte besteht darin: Wir wollen Biomarker finden, dass wir zum Zeitpunkt der Diagnose bereits sagen können, in welche Gruppe der Patient gehört. Damit wird die Behandlung für die Patienten sicherer und für die Gesundheitsträger auch billiger, weil die Trefferquote mit Biomarkern besser wird.“