Vom Hubschrauber geborgen - Für uns war schnell klar, dass es da kein Durchkommen gibt!

Augenzeuge schildert Unwetter-Dramatik

Freitag, 11. August 2017

Günther Rauch, Landwirtschaftskammer-Obmann der Südoststeiermark, wurde in der 1.500 Meter hochgelegenen Dorferhütte am Sölkpass während seines Urlaubs durch Unwetter von der Umwelt abgeschnitten. Er und seine Familie mussten mit dem Hubschrauber ausgeflogen werden. Die Familie Rauch kommt aus St. Peter am Ottersbach und führt dort den bekannten Weinhof Rauch. Im Interview mit Bernd Chibici von der Bauernbundzeitung „Neues Land“ schildert er die dramatischen Stunden. Günther Rauch: Wir waren – und tun das schon seit 36 Jahren – auf der Dorferhütte auf Urlaub. An diesem Samstag ist es gegen 19:45 Uhr plötzlich stockfinster geworden und es brach ein schweres Unwetter los.

Dessen Folgen konnten wir zunächst nur dadurch erahnen, dass der nahe liegende Katschbach von normalerweise rund 1 ½ Metern auf 10 bis 12 Meter Breite anschwoll. Erst in der Früh, bei Tageslicht, wurde für uns sichtbar, was die Regenmassen angerichtet haben. In Abständen von etwa 30 bis 40 Metern waren offensichtlich mächtige Steinlawinen niedergegangen und hatten schwerste Schäden angerichtet. Auf dem Weg zu unserer Hütte ist beispielsweise eine Brücke weggerissen und ein Kleinkraftwerk zerstört worden. Riesige Fichten lagen herum und überall türmten sich bis auf eine Höhe von rund zwei Metern Schotter und Schlammmassen. Ein unfassbarer Anblick.

NL: Wann haben Sie realisiert, dass Sie eingeschlossen sind?

Rauch: Für uns war schnell klar, dass es da kein Durchkommen mehr gibt. Wie wir später gehört haben, brauchten Einheimische ein paar Stunden, um sich zu Fuß durch die Schotter und Schlammmassen zu kämpfen. Sie sind dabei bis zu den Hüften eingesunken.

NL: Wie ist es schließlich zu Ihrer Bergung gekommen?

Rauch: Auf der Hütte selbst gibt es keinen Handy –Empfang, aber nur 30 Meter entfernt einen Platz, von dem aus zumindest eine Möglichkeit besteht, SMS zu verschicken. Damit haben wir einen Bekannten über unsere Situation informiert. Er verständigte schließlich die Polizei. Am Montag in der Früh wurden wir dann von einem Polizeihubschrauber abgeholt, der unsere Bergung auch gleich mit einem Besichtigungsflug zur Einschätzung der Lage verbunden hat.

NL: Was haben Sie dabei gesehen?

Rauch: Bilder von unglaublichen Zerstörungen. Und wir wurden Zeugen eines glücklichen Zufalls. Fünf bis sechs Leute, die zu einem eingeschlossenen Wohnmobil gehörten, signalisierten uns, dass sie Hilfe brauchen. Daher brach der Hubschrauber, gleich nachdem wir in Schöder abgesetzt worden sind, zu deren Bergung auf. Insgesamt waren wir fassungslos über all das, was wir da zu Gesicht bekamen. Zerstörungen in einem solchen Ausmaß habe ich noch nie gesehen.

NL: All das nun im Blick zurück zusammengefasst?

Rauch: Man denkt einfach, das gibt’s gar nicht. Vor allem in einer doch relativ geringen Höhe von 1.500 Metern.

NL: Wie tief sitzt der Schock? Werden Sie sich jetzt ein neues Urlaubsziel suchen?

Rauch: Auf keinen Fall, die Dorferhütte ist längst so etwas wie unsere zweite Heimat geworden. Wir freuen uns schon auf den nächsten Urlaub und auf eine bis dahin hoffentlich wieder intakte Infrastruktur.

Quelle: „Neues Land“, 10. August 2017