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Foto: Strohecker Architekten

Foto: Stadt Graz/Foto Fischer

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Foto: Strohecker Architekten

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Neue Tiefgaragen in Graz: Gut für die Innenstadt

Mittwoch, 30. August 2017

Die großen Einkaufszentren am Rande oder außerhalb der Landeshauptstadt sind nicht zuletzt deshalb so erfolgreich, weil sie zu jeder Zeit genügend Parkraum für Besucher bereitstellen. In der Grazer Innenstadt fehlte bis jetzt eine großzügige Parkraumlösung. Auch das ist ein Grund, dass die Geschäftsleute in der Innenstadt nicht rundum zufrieden sind. Mit den neuen Tiefgaragen am Eisernen Tor und neben dem Opern-Pavillon wird die Innenstadt auch für Besucher, die mit dem Auto quasi bis vor die Haustüre fahren wollen, attraktiver. An den Standorten sollen 2019 zwei Tiefgaragen mit jeweils 300 Stellplätzen realisiert werden. Großes Plus des „Bienenstock“-Parksystems: Die Grazer gewinnen Raum zum Leben zurück. Es werden weniger Emissionen als in Tiefgaragen ausgestoßen. Ein neuer E-Mobility-Stützpunkt entsteht. Die Innenstadt als Einkaufszentrum wird gestärkt.

Wer kennt das nicht? Man hat sich auf einen Kaffee verabredet und kreist und kreist … Gerade rund um das Eiserne Tor ist es jedes Mal dasselbe mit den Parkplätzen: kein einziger in Sicht. Mühsam. Das könnte sich in Zukunft völlig ändern. Wenn es nach den Ideen der Strohecker Architekten geht, von denen Bürgermeister Siegfried Nagl und Bürgermeister-Stellvertreter Mario Eustacchio begeistert sind. „Smart Urban Parking System“, kurz SUP, soll das Parken revolutionieren und könnte direkt unter dem Brunnen sowie gegenüber, neben dem Opernpavillon realisiert werden. „Ich bin wirklich sehr stolz auf unsere Grazer Architekten, die mit so viel Innovationskraft und Kreativität Graz einmal in die Poleposition katapultieren. Wir wären hiermit weltweit die Allerersten“, streute Nagl zu Eingang einer Pressekonferenz, bei der das Smart Parken heute präsentiert wurde, Blumen. Und auch Eustacchio betonte: „Ein höchst spannendes Thema, ein System, das ich aus dem Film ‚Mission Impossible‘ kenne. Wir machen es hier in Graz zur Mission Possible.“

Im Zuge der Arbeiten an einem Projekt am Eisernen Tor ist Guido R. Strohecker gemeinsam mit seinem „Chief Leader“ Alexander Feuchter am Thema Parkraum nicht vorbeigekommen. Rasch war klar, dass hier nur ein innovatives System Abhilfe schaffen kann, um einerseits Anreiz zu bieten, in die Innenstadt zu kommen und gleichzeitig die Autos von der Oberfläche wegzuschaffen. „Tiefgaragen sind technisch aufwendig, teuer und haben unangenehme Nebenwirkungen wie den hohen Ausstoß von Emissionen“, erklärte Strohecker. Insgesamt seien sie maßgeblich an der Verteuerung des Wohnraums im urbanen Gebiet verantwortlich. „Ein Stellplatz kostet rund 55.000 Euro“, rechnet der Architekt vor. Mit SUP, könnte man die Kosten auf 25.000 bis 30.000 Euro verringern, wenn nicht noch günstiger kriegen. Die 600 neuen Stellplätze kämen demnach auf 7,5 Millionen Euro Gesamtinvestionskosten. Projekt 1 unter dem Brunnen, der dann übrigens einen Glasboden zum Durchschauen auf den „Auto-Bienenstock“ bekäme, sei bereits durch Investoren finanziert. Bei jenem neben dem Opernpavillion denkt Strohecker an Crowdfunding.

Von den 300 Stellplätzen sind 150 für Carsharing vorgesehen und in Zusammenarbeit mit einem Start-up-Unternehmen wurde auch an die E-Mobility gedacht. Ein völlig neuartiges Ladesystem soll während der Parkzeit das Fahrzeug „unter Strom setzen“. Die Abwicklung läuft direkt über Smartphone und -watch. So weiß man auch punktgenau, wann das Auto wieder aus der Tiefe auftaucht. Was die Gebühren betrifft, so werden diese vom jeweiligen Betreiber abhängen. Die Stadt könnte hier durchaus auch in diese Rolle schlüpfen, schließen Nagl und Eustacchio nicht aus. Und die beiden Koalitionspartner denken auch schon über weitere Standorte für das SUP-Parken nach: „Smart City, Reininghaus aber auch im Herz-Jesu-Viertel. Dieses zukunftsweisende System kann die Park- und Verkehrssituation an vielen Stellen der Stadt verbessern.“

Entscheidend für die Akzeptanz werden die Parktarife sein. Diese sind in Graz unverhältnismäßig hoch im Vergleich zu anderen Städten in Österreich. Während man in der Wiener Innenstadt schon (je nach Tageszeit) um 2 Euro pro Stunde parken kann, zahlt man in Graz mehr als das Doppelte. Und für vier Stunden sind rund 20 Euro einfach nicht attraktiv (noch dazu ohne Rabatt durch Einkäufe). Daher sind die Verantwortlichen im Rathaus gefordert.