klein PK ÖGKJ 2017

v.l. Reinhold Kerbl, Wolfgang Sperl, Christian Urban, Daniel Weghuber (c) ÖGKJ

Kinder wachsen – Kind erwachsen

Montag, 02. Oktober 2017

Das Leitthema der heurigen Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Kinder -und Jugendheilkunde (ÖGKJ) „Kinder wachsen-Kind erwachsen“ soll zum Ausdruck bringen, wie wichtig die Rolle der Kinder- und Jugendheilkunde („Wachsen und Reifen“) für das spätere Leben und die Gesundheit im Erwachsenenalter ist. „Mit der Förderung der physischen und psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen wird der Grundstein für den Lebensstil der Erwachsenen gelegt“, erläutert Univ. Prof. Dr. Ernst-Christian Urban, Vorstand der Universitätsklinik für Kinder-und Jugendheilkunde, Graz. Es gilt daher, nicht nur das Überleben selbst, sondern auch eine adäquate Lebensqualität sicherzustellen. Deshalb müssen zeitgerecht mit den Spezialisten in der Erwachsenenmedizin Strukturen geschaffen werden, um Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit schweren, für das Kindesalter typischen Erkrankungen und den daraus resultierenden medizinischen und psychosozialen Problemen auch im späteren Erwachsenenalter adäquat versorgen und betreuen zu können.

„Es wird für Österreichs Familien zunehmend schwieriger werden, einen bzw. „ihren“ (Kassen-) Kinderarzt zu finden“, betont Univ. Prof. Dr. Reinhold Kerbl, Vorstand der Abteilung Kinder- und Jugendheilkunde LKH Hochsteiermark.  Als Gründe für diese Entwicklung sind vor allem folgende Faktoren anzusehen:

  1. allgemeiner Mangel an Ärtztinnen und Ärzten
  2. begrenztes Interesse an Selbständigkeit und „Einzelkämpfertum“
  3. abnehmende Attraktivität der Tätigkeit als Kassenfacharzt (fehlende Valorisierung von Honoraren, unbefriedigende Tarifordnung, eingeschränkte Möglichkeiten für Gruppenpraxen, zu wenig Zeit für einzelne Patienten, Deckelungen u.a.m.)

Aus Sicht der ÖGKJ sollten folgende Maßnahmen gesetzt werden:

  1. Steigerung der Attraktivität für §2 -Kinderfachärzte
  2. Vereinfachung, zeitgemäße Anpassung und Vereinheitlichung der Tarifordnung
  3. Berücksichtigung des Faktors „Zeit“ in der Patientenversorgung
  4. Bessere Bedingungen für die Tätigkeit in Gruppenpraxen
  5. Ermöglichung pädiatrischer PHCs in Ballungszentren
  6. Möglichkeiten der „Vernetzung“ außerhalb von Ballungszentren

„Maßnahmen, die auf eine Verhaltensänderung des Einzelnen abzielen (Verhaltensprävention), wie isolierte Programme für Jugendliche zur Bewegungsförderung und zur gesunden Ernährung, erwiesen sich in der Vergangenheit als kaum effektiv. Nachweislich bessere Erfolge sind zu erzielen, wenn die Verhaltensprävention durch politische Maßnahmen unterstützt wird, also Rahmenbedingungen so verändert werden, dass ein gesunder Lebensstil von Anfang an gefördert und erleichtert wird (Verhältnisprävention)“, gibt Priv. Doz. Dr. Daniel Weghuber von der Universitätsklinik für Kinder-und Jugendheilkunde, Salzburg zu verstehen.

„Derzeit gibt es kaum transparente und nachvollziehbare Regelungen, wie einzelne und neue Medikamente anzuwenden sind, ob die Kostenübernahme durch den Hauptverband der Sozialversicherungsträger sichergestellt ist oder wo bzw. bei wem diese Orphan Drugs eingesetzt werden können/ dürfen“, bedauert Prim. Univ. Prof. Dr. Wolfgang Sperl, Vorstand der Universitätsklink für Kinder-und Jugendheilkunde, Salzburg und Präsident der ÖGKJ. Dies führt naturgemäß zu Dissonanzen unter potentiellen Kostenträgern über die Kostenübernahme, diese wiederum bedingen nicht selten auch beträchtliche Verzögerungen im Therapiebeginn und auch kaum zumutbare und zu überwindende Distanzen bei den Behandlungsorten. Dringende Lösungen wären u.a.: Finanzierung aus einer Hand: Regelung zwischen Bund und Ländern sowie dem Hauptverband mit laufender Re-Evaluierung sowie  die Behandlung eines Patienten an optimalem Standort.