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Bettina Schrittwieser (AK Konsumentenschutz) und AK-Präsident Josef Pesserl. Foto: AK/Buchsteiner

Günstigere Wohnungen

Günstigere Wohnungen

AK fordert günstigere Wohnungen

Montag, 06. November 2017

Ein Maßnamenbündel für günstigere Mietwohnungen legte die Arbeiterkammer vor. Der Staat sei gefordert, so Präsident Josef Pesserl, denn „der freie Markt versagt beim Menschenrecht auf eine Wohnung.“

Ein Drittel der rund 537.000 steirischen Wohnungen sind Mietwohnungen. In Graz wohnt etwa die Hälfte der Bevölkerung in Miete. Die Kosten dafür sind je nach Eigentümer und Art des Mietvertrages sehr unterschiedlich. Extrem teuer sind befristete Wohnungen, sagte der AK-Präsident: „Solche Wohnungen kosten um 45 Prozent mehr als eine Wohnung der Genossenschaft.“

Wohnen macht breiten Bevölkerungsschichten Sorgen. Das zeigt die Beratung im AK-Konsumentenschutz, sagt deren Leiterin Bettina Schrittwieser: „40 Prozent der Anfragen drehen sich um das Thema Wohnen.“

6,9 Euro pro Quadratmeter waren 2016 im steirischen Schnitt für Miete und Betriebskosten(Bruttomiete) zu zahlen. 7,9 Euro pro Quadratmeter waren es in privaten Mietwohnungen, 6 Euro pro Quadratmeter in Genossenschaftswohnungen und 5,8 Euro pro Quadratmeter in Gemeindewohnungen.

Zwischen 2008 und 2016 ist die Zahl der befristet vermieteter Wohnungen stark gestiegen, von 22.900 auf 37.130 oder um 62 Prozent. Bereits ein Fünftel aller steirischen Mietwohnungen werden befristet vergeben. Dieses Mietsegment ist besonders teuer. Zu zahlen sind 8,7 Euro pro Quadratmeter Bruttomiete, also um 1,8 Euro mehr (45 Prozent) als bei Genossenschaftswohnungen. AK-Präsident Josef Pesserl: „Zu den hohen Kosten kommt die Unsicherheit, ob man längerfristig in der Wohnung bleiben kann.“

Unabhängig davon, wer Eigentümer der Wohnung ist, sind alle Mietkosten zwischen 2008 und 2016 stärker als die Inflation gestiegen. Die Inflation betrug in diesem Zeitraum 14,3 Prozent, die Bruttomiete stieg aber um bis zu 24,2 Prozent.

Staat soll eingreifen
„Der freie Markt treibt die Mietpreise nach oben“, stellt Pesserl fest, „deshalb gibt es den massiven Wunsch der Bevölkerung, dass der Staat das Wohnen finanzierbar macht.“ Eine Studie von Integral Markt- und Meinungsforschung mit 1.000 Befragten ergab diesen September, dass sich die Hälfte der Befragten einschränken muss, um sich das Wohnen leisten zu können. 58 Prozent haben gespürt, dass der Anteil der Wohnkosten am gesamten Haushaltsbudget in den letzten fünf Jahren gestiegen ist.

Es müsste endlich auch zu einer Zweckbindung des Wohnbauförderungsbeitrags kommen, welche die Arbeiterkammer seit Jahren fordert, betont AK-Präsident Josef Pesserl. Der Wohnbauförderungsbeitrag dem Arbeitnehmer vom Gehalt abgezogen. Eine Hälfte zahlt der Arbeitgeber, die zweite der Lohnempfänger. Auch brauche es ein neues Mietrecht mit klaren Regeln, so die Arbeiterkammer. Die jetzigen Bestimmungen seien ein undurchschaubares Flickwerk. Ein ständig schwelender Konflikt sei auch die Maklerprovision. Diese bezahle zur Zeit noch immer der Mieter. Da sollte künftig der Grundsatz gelten: Wer den Makler bestellt, muss zahlen.