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Die beiden Falkner am Wilden Berg in Lautern: Angie und Rudi

Der Adler Asta ...

Der Adler Asta ...

... und der Geier Puzi

... und der Geier Puzi

"Hallo, Taxi" - schnell zur Stelle, wenn Asta und Puzi heim wollen.

"Hallo, Taxi" - schnell zur Stelle, wenn Asta und Puzi heim wollen.

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Asta und Puzi fahren gerne mit Taxi heim

Donnerstag, 28. Dezember 2017

Wilder Berg Mautern: Auch einzigartige Vögel haben ihren „Vogel“

Der folgende Bericht klingt nach Jägerlatein oder einer Gute-Nacht-Geschichte für kleine Kinder – ist es aber nicht. Asta, ein Adlerweibchen, 8 Jahre, und Puzi, der Geier, bereits 17 Jahre, sind zwei außerordentlich begabte Flug-Vögel, lassen sich aber auch gerne nach Ausflügen mit dem Taxi nach Hause chauffieren, zurück ins Gehege am Wilden Berg in Mautern.

„Asta steht auf weiße Autos, reagiert aber ganz närrisch auch auf jenes mit dem gelben Blinklicht“, erzählt Angie Kerschensteiner, die Falknerin, die mit ihrem Kollegen Rudi Ofenbacher die spektakuläre Greifvogelschau am Wilden Berg in Mautern macht. Asta ist viel unterwegs, fliegt vom Berg ins Tal und erkundet auch die Gegend. „Und wir schauen dann, dass wir sie so rasch wie möglich wieder einfangen und machen uns mit dem Auto auf die Suche. Du schaust nach oben und siehst sie aber nicht.“ Der Adler allerdings sieht seine Hüter. Und da kann es dann schon vorkommen, dass Asta plötzlich neben dem Auto herfliegt und herein schaut oder auf dem Auto landet. „Du brauchst nur noch die Box hinten aufmachen und sie hüpft dann von selbst hinein. So geht es dann nach Hause“, erzählt die Falknerin.

Der bisher weiteste Ausflug Astas war jener über die Eisenerzer Alpen, den Hochschwab, bis in die Veitsch. „Da war sie sechs Tage unterwegs.“ Die Polizei verständigte die Falkner am Wilden Berg, dass ein Wanderer in der Veitsch einen Adler auf einem Baum sitzend entdeckt hat, der augenscheinlich nicht weiter fliegen wollte. Als der Wanderer den Kofferraum seines Autos öffnet, um sein Fernglas heraus zu nehmen – so schnell konnte er gar nicht schauen –, sitzt der Adler schon im Kofferraum. „Die Asta hätte schon fliegen können, hat sich aber offensichtlich gedacht: Jetzt bin ich genug geflogen. Natürlich hat sich der Mann richtig geschreckt“, erzählt Falkner Rudi. „Wir haben die Asta dann in Mürzzuschlag abgeholt.“

Hinter der Vorliebe fürs Taxifahren steckt ein handfester Grund – und dieser liegt in der fehlenden Thermik. Der Vogel weiß natürlich, dass er nicht mehr „hoch kommt“, ganz, ganz weit fliegen müsste, um wieder an Höhe zu gewinnen, erklären die Falkner.

Doch das sind nicht die einzigen Besonderheiten oder Macken, die die Vögel so sympathisch machen, hört man sich die Geschichten und Erlebnisse der Falkner am Wilden Berg in Mautern an. So fliegt die Asta auch die Gegend ab, auf der Suche nach Wanderern. Hat sie welche entdeckt, dann geht es steil nach unten und sie spaziert mit diesen eine Weile mit. „Weil sie ja keine Angst vor Menschen hat.“ Angst hingegen haben die Falkner davor, dass die Menschen das Tier füttern – etwa mit gewürztem Fleisch oder Wurst. Denn das kann für den Vogel tödlich enden.

Weit harmloser sind da Astas Ausflüge am Vormittag. Da fliegt sie schon einmal nach Seckau hinüber, ist aber pünktlich um 14 Uhr wieder bei der Vogelschau zurück. Hie und da kommt es vor, dass das Steppen-
adler-Weibchen zurückkommt und sieht, dass diese noch nicht begonnen hat und noch keine Besucher da sind. Dann dreht Asta noch eine Runde.

Puzi, der Geier, ist wiederum sehr neugierig. Und er will überall dabei sein, wo sich Menschen aufhalten. „Das ist zum Beispiel im Sommer, wenn die Leute im Garten grillen oder er fliegt auch ins Schwimmbad nach Mautern“, so der Rudi. „Plötzlich ist er bei uns im Garten gesessen“, erzählt Mauterns Bürgermeister Andreas Kühberger. „Die Kinder haben sich natürlich geschreckt, aber er tut ihnen nichts.“ Die Geschichte kennen Sie schon: Und natürlich spekuliert auch Puzi auf eine Taxifahrt. „Die Leute rufen uns an“, so der Falkner, „und sagen, der Geier ist da. Und wir holen ihn dann möglichst schnell ab.“

Ein Stammgast beim Gehege am Wilden Berg in Mautern ist die Frau Monika, die in Mautern selbst ein Ferienhaus besitzt. Jedes Mal, wenn sie bei der Greifvogelvorführung war, fliegt der Geier nachher auf ein „Plauscherl“ zu ihr hinunter. Er „tanzt“ dann auf der Wäscheleine herum. Ein weiterer Lieblingsplatz von Puzi ist das Bügelzimmer im Anwesen des Prinzen Reuss. Er ist der Eigentümer des Gebiets. „An die zwölf Mal haben wir ihn heuer dort abgeholt“, erzählt Falkner Rudi. Als er noch jünger war, ist er praktisch ständig unterwegs gewesen. Anders als die Asta springt Puzi nicht selber in die Box, sondern er wird eben in die Box im Auto gelockt.

„Unsere Vögel sind“, so erzählt die Falknerin Angie, „wie wir Menschen – manchmal eben schlechter und manchmal besser gelaunt. Und dies zeigt auch der Bartkauz Willi ganz offensichtlich. Der fliegt jetzt bei unseren Vorführungen maximal zwei Mal hin und her und bleibt dann einfach auf seinem Lieblingsbaum sitzen. So als ob er uns sagen möchte: Macht den Park jetzt zu. Ich habe keinen Bock mehr!“

Bis Anfang April 2018 kann der Willi jetzt seine „Winterruhe“ bzw. seinen Urlaub genießen und auch Asta und Puzi haben „Stubenarrest“. Bei schönem Wetter sitzen sie im Gehege an der Sonne – und warten, bis es wieder Action gibt.               IH/JL


Fotos: Heimo Ruschitz