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Fotos: Heimo Ruschitz

„Ich habe mich in meinem Leben zum vierten Mal neu erfunden“, beschreibt sich Günter Riegler selbst.

„Ich habe mich in meinem Leben zum vierten Mal neu erfunden“, beschreibt sich Günter Riegler selbst.

Was soll in den nächsten fünf Jahren gelingen? Günter Riegler: „Dass die Ertragskraft der Stadt, die Einnahmenseite, stärker gewachsen sein wird oder ist als die Schulden. Zur Zeit hat Graz eine Eigenfinanzierungskraft von 20 Prozent, 80 Prozent unserer Ausgaben sind fremdfinanziert. Und ich möchte die Eigenfinanzierungskraft auf 30 Prozent bringen.“

Was soll in den nächsten fünf Jahren gelingen? Günter Riegler: „Dass die Ertragskraft der Stadt, die Einnahmenseite, stärker gewachsen sein wird oder ist als die Schulden. Zur Zeit hat Graz eine Eigenfinanzierungskraft von 20 Prozent, 80 Prozent unserer Ausgaben sind fremdfinanziert. Und ich möchte die Eigenfinanzierungskraft auf 30 Prozent bringen.“

Riegler ist gelernter Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, war in den 90er-Jahren des vorigen Jahrhunderts bei der KPMG (hinter der Abkürzung stecken die Namen der Gründer), eine der großen, weltweit agierenden Steuerberatungs- und Wirtschaftskanzleien.

Riegler ist gelernter Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, war in den 90er-Jahren des vorigen Jahrhunderts bei der KPMG (hinter der Abkürzung stecken die Namen der Gründer), eine der großen, weltweit agierenden Steuerberatungs- und Wirtschaftskanzleien.

Keiner, der sich nach vorne drängt

Dienstag, 12. Dezember 2017

Günter Riegler, seit einem halben Jahr Finanz- und Kulturstadtrat in Graz

Siegfried Nagl holte ihn nach seinem Wahlsieg im Februar 2017 von der FH Joanneum Graz in die Politik. Ein echter, klassischer Politiker will Günter Riegler nie sein. Wie er das schaffen will?

    Und wer ist der Herr mit der großen, schwarzen Umhängetasche am nächsten Stehtisch? – fragt eine junge Frau ihren Begleiter beim Smalltalk. Günter Riegler hat sich bei einem offiziellen Abendtermin unter das Publikum gemischt und wer ihn nicht kennt, vermutet hinter seinem Auftreten eher einen Adabei oder Künstler, aber keinesfalls den Finanz- und Kulturstadtrat von Graz, der zweitgrößten Stadt Österreichs. Vordrängen und Hofhalten sind nicht seine Sache.

    „Ich habe mich in meinem Leben zum vierten Mal neu erfunden“, beschreibt sich Günter Riegler selbst. Er ist gelernter Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, war in den 90er-Jahren des vorigen Jahrhunderts bei der KPMG (hinter der Abkürzung stecken die Namen der Gründer), eine der großen, weltweit agierenden Steuerberatungs- und Wirtschaftskanzleien. Von dort machte man ihn bzw. wählte der Gemeinderat ihn dann schlussendlich zum Rechnungshofdirektor der Landeshauptstadt. Riegler war damit der oberste und weisungsfreie Kontrollor der Stadt. Sein kaufmännisches Wissen und seine Berufserfahrung brachte er danach als Geschäftsführer der Fachhochschule Joanneum ein. Bis ihn eben Siegfried Nagl das Angebot machte, in die Politik zu wechseln. Riegler scherzend: „Ich bin als Wissenschaftsmanager mit sozialem, hohen Prestige versehen, in die weniger angesehene Politik gewechselt.“ Warum dieser Sprung ins kalte Wasser? Ernsthaft: „Zum einen sportlich gesehen: Schaffe ich das? Und zum anderen: Wenn man die Möglichkeit hat, soll man die Politik nicht kritisieren, sondern selber versuchen, es besser zu machen. Ich hoffe, dass ich dazu ein bisschen beitragen kann.“

    Was soll in den nächsten fünf Jahren gelingen? Günter Riegler: „Dass die Ertragskraft der Stadt, die Einnahmenseite, stärker gewachsen sein wird oder ist als die Schulden. Zur Zeit hat Graz eine Eigenfinanzierungskraft von 20 Prozent, 80 Prozent unserer Ausgaben sind fremdfinanziert. Und ich möchte die Eigenfinanzierungskraft auf 30 Prozent bringen.“

    Jährlich investiert die Stadt mit ihren Tochtergesellschaften bei einem Budget von 1,4 Milliarden Euro rund 120 Millionen Euro. „Die großen Brocken dabei sind“, so der Finanzstadtrat, „der Ausbau des Verkehrs, der Straßenbahn und der Bau weiterer Schulen. Der öffentliche Verkehr kann nicht kostendeckend sein, denn sonst könnte sich niemand ein Ticket leisten.“ Wenn ein Unternehmen so wirtschaftet, wäre das bald am Ende. Günter Riegler: „Unser Ziel durch unsere Investitionen ist nicht der Ertrag, wie in einem Unternehmen. Wir sind für die Daseinsvorsorge verantwortlich und dafür, dass wir mit unserer Politik einen Wohlfahrtsgewinn für die Menschen schaffen.“

    Weil allzu oft der Schuldenstand in der Höhe von 1,2 Milliarden Euro kritisiert wird, den die Stadt Graz hat. „Wir stehen keinesfalls damit vor dem Abgrund“, sagt Günter Riegler. „Die Bürger kriegen ja auch etwas dafür und Graz wächst und expandiert. Ich würde mir Sorgen machen, wenn wir schrumpfen. Schulden sind ja nicht per se etwas Schlechtes. Graz zählt mit seinen acht Universitäten zu den Top-Städten Europas und wir können uns glücklich schätzen, hier und nicht in Neapel zu leben.“

    Es ist angenehm, kein Lamento über zu wenig Geld, über zu hohe Schulden und ähnliche Dinge von einem Politiker zu hören, sondern eine nüchterne Einschätzung eines Experten, der in seinem Berufsleben stets mit Investitionen, Schulden, Ausgaben und Einnahmen zu tun hatte. Daher überrascht es nicht, dass auch für sein zweites Ressort, die Kultur, für die er verantwortlich ist, eine klare Ziel-Definition hat. Gegenwärtig gibt die Stadt Graz knapp 40 Millionen Euro, also 2,5 Prozent des Gesamtbudgets, für Kunst und Kultur aus. „Mein Ehrgeiz ist, dass der Anteil im Budget größer wird“, sagt Günter Riegler, der sich selbst als Lese- und Musikmensch sieht.

    „Es wäre falsch, nun das 30. oder 31. Festival zu kreieren. Graz hat viele, viele gute Sachen und wir müssen mehr und mehr überlegen, die Dinge zu optimieren. Was mir persönlich gefallen würde: Dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die in Graz auf den Hochschulen, Universitäten und in den Wissenschaftszentren erarbeitet werden, populär gemacht werden. So nach dem Motto: Science goespublic. Ansätze dazu gibt es bereits.“

    Er ist überrascht von der Frage, zögert aber keine Sekunde mit der Antwort. In Graz stellen die Kommunisten mit 20 Prozent der Stimmen die zweitstärkste Fraktion.  Was halten Sie von der KPÖ? „Zunächst einmal sind die Personen authentisch. Das ist ja in der Politik nicht überall der Fall. Er tut, was er sagt und sagt, was er tut. Also ich finde die Kommunisten im Rathaus sympathisch.“ (Sein Pressesprecher erschreckt leicht.) Und Günter Riegler erklärt das auch: „Es ist ihr Engagement für Benachteiligte. Wir leben in einer Gesellschaft, wo sich die Dinge verschärfen und es meist so ist, dass der Stärkere überlebt. Aufgrund dieser Entwicklung werden wir bald noch verstärkt sozialpolitische Diskussionen bekommen. Warum haben Unis so hervorragende Absolventen? Weil sie nur die Guten einladen zu studieren. Oder auch bei den Unternehmen. Sie können sich von 100 Bewerbern den Besten aussuchen. So war es auch bei uns bei der KPMG. Die Kommunisten kümmern sich aber um die Benachteiligten. Und ihr Engagement ist echt.“