Frauenhaus Graz Pressekonferenz

v.l. Susanne J. Pekler (Verein NEUSTART), Landesrätin Ursula Lackner, Michaela Gosch (Frauenhaus Graz) und die Präsidentin des Grazer Straflandesgerichts Caroline List Foto: Frauenhaus Graz

Kinder als Zeugen von Gewalt

Montag, 11. Dezember 2017

Im Rahmen der heute abgehaltenen Pressekonferenz zum Thema „Kinder im Frauenhaus“ nahmen Landesrätin Ursula Lackner, die Präsidentin des Grazer Straflandesgerichts Caroline List, Susanne Peklar vom Verein „Neustart“ und Michaela Gosch, Leiterin des Frauenhauses Graz, zum Thema Stellung und machten auf die besondere Situation von Kindern aufmerksam, die von häuslicher Gewalt betroffen sind. Die Pressekonferenz war auch ein informativer Abschluss der „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“, die gestern am Tag der Menschenrechte zu Ende gingen.

„Für mich ist es unerlässlich, in der Gewaltprävention den Fokus weiterhin auf die Kinder zu richten – auch über den Rahmen der Aktion „16 Tage gegen Gewalt“ hinaus, betonte Landesrätin Ursula Lackner heute. Pro Jahr werden in den beiden steirischen Frauenhäusern rund 200 Kinder im Alter von 0 – 18 Jahren betreut. Die Mitbetroffenheit von Kindern durch Konfrontation mit Gewalt wird aber häufig noch bagatellisiert – und zwar einerseits von den Müttern selbst, aber auch vom professionellen HelferInnensystem (Polizei, Jugendamt, Gericht). Fakt ist, dass Kinder Täter und Opfer kennen, es sich meist um Wiederholungstaten handelt und Kinder selbst Opfer von Gewalt werden; solche Kinder werden als Erwachsene häufiger Opfer oder Täter von Gewalt (Gewaltkreislauf). Ein Lösungsansatz ist das Stärken von Resilienzfaktoren mit  männlichen „Role Models“ (männliche Mitarbeiter) und psychologischer und pädagogischer Begleitung und Betreuung von Kindern sowie Paargespräche für Klientinnen die zum Gewalttäter zurückkehren wollen in Kooperation mit dem Verein für Männer und Geschlechterthemen. Susanne J. Pekler vom Verein NEUSTART dazu: „In unserer Jahrzehntelangen Erfahrung mit Tätern in der Bewährungshilfe stellen wir fest, dass häufig Täter früher selbst Opfer von häuslicher Gewalt wurden. Sie haben also nie ein anderes Konfliktlösungsverhalten gelernt, als gewalttätig zu reagieren.“ Hier setzt der Verein auch an: In der Auseinandersetzung mit der Tat werden in Einzel-gesprächen aber auch in Anti-Gewalt-Trainingsgruppen alternative Konfliktlösungsmodelle erarbeitet. Das Ziel ist, neuerliche Opfer zu verhindern und Täterarbeit ist ein wesentlicher Beitrag dazu.