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Peter Rosegger an seinem Schreibtisch Fotograf: F.J. Böhm, undatiert, Universalmuseum Joanneum, Multimediale Sammlungen.

Bgm. Regina Schrittwieser, Monika Primas (Volkskultur Steiermark), Rosegger-Experte Gerald Schöpfer, LH Hermann Schützenhöfer, Bibliotheksleiterin Katharina Kocher-Lichem und UMJ-GF Wolfgang Muchitsch bei der Auftakt-Pressekonferenz zum Rosegger-Jahr 2018 (v.l.). Foto: Foto: UMJ/J.J. Kucek

Bgm. Regina Schrittwieser, Monika Primas (Volkskultur Steiermark), Rosegger-Experte Gerald Schöpfer, LH Hermann Schützenhöfer, Bibliotheksleiterin Katharina Kocher-Lichem und UMJ-GF Wolfgang Muchitsch bei der Auftakt-Pressekonferenz zum Rosegger-Jahr 2018 (v.l.). Foto: Foto: UMJ/J.J. Kucek

Peter Rosegger, stehend mit Hut und Stock
Fotograf: F. J. Böhm, um 1912, Universalmuseum Joanneum, Multimediale Sammlungen

Peter Rosegger, stehend mit Hut und Stock Fotograf: F. J. Böhm, um 1912, Universalmuseum Joanneum, Multimediale Sammlungen

Feiern für eine Legende

Dienstag, 30. Januar 2018

Das Rosegger-Jahr 2018

Mit mehr als 65 Projekten – darunter Ausstellungen, Veranstaltungen und andere Initiativen – gedenkt das Land Steiermark im Jahr 2018 des 100. Todestages von Peter Rosegger und feiert seinen 175. Geburtstag. Die Aktivitäten sollen den Heimatdichter und Schriftsteller wieder stärker ins Bewusstsein rufen, aber auch bislang unbekannte Aspekte von Rosegger thematisieren. Die Feierlichkeiten sind eine Fortsetzung des Rosegger-Impulsjahres 2013 und gewissermaßen Höhepunkt eines 5-Jahres-Programms, mit dem das Land Steiermark das Wirken von Peter Rosegger in seiner ganzen Breite abbilden möchte.

Eines wurde aber heute bei der Präsentation der Aktivitäten im Beisein von Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer deutlich: Die Legende Peter Rosegger wird auch im Gedenkjahr 2018 nicht entrümpelt. Eine Facette der Persönlichkeit des steirischen „Nationalheiligen“ in Sachen Literatur bleibt ausgespart: seine auch heute noch schwer verdaubaren Äußerungen und verbalen Rülpser was Antisemitismus und Judentum betrifft. Diese wurden in einer Studie von Wolfgang Hölzl („Der großdeutsche Bekenner – Nationale und nationalsozialistische Rosegger-Rezeption“) beleuchtet. Roseggers Romanwelt war heil, human. Offenbar erwartete er das auch von der Realität und der Zukunft. Wenn Peter Rosegger noch heute – bis hin zu den Grünen – für geistiges Körnerfutter und als ideologischer Selbstbedienungsladen herhalten muss, so sollte nie sein zeitlicher und zeit-geistiger Hintergrund vergessen werden. Er war schon vor rund 100 Jahren kein Prophet für 1938, als er im Zuge seiner Bismarck-Verehrung von einem zweiten Bismarck sprach, der da kommen würde …

„Sicher und bald kommen wird das nächste Rosegger-Gedenkjahr: 1993“ – so schrieb Volker Schögler im Jahr 1991 seinerzeit im KLIPP. Und er behält Recht. Wir schreiben nun 2018 und Rosegger wird wieder gefeiert.

Neupositionierung einer steirischen Persönlichkeit
Kern des Programms sind die Projekte der Steiermärkischen Landesbibliothek, des Universalmuseums Joanneum und der Volkskultur Steiermark GmbH. Sie alle wollen in ihren Ausstellungen, Veranstaltungen, Aktivitäten und Publikationen die bislang weniger beachteten Aspekte von Peter Rosegger präsentieren und das Klischee des romantisch verklärten, im Winter durch tiefen Schnee stapfenden Waldbauernbuben zurechtrücken. So widmet sich das Rosegger-Museum in Krieglach beispielsweise Roseggers Rolle als Gesellschaftskritiker, politischer Aktionist und bürgerlicher Steirer. Die Volkskultur Steiermark GmbH wiederum stellt das Lesen und Schreiben als Voraussetzungen für gesellschaftliche Teilhabe und für eine selbstbestimmte Gestaltung des Lebens in den Mittelpunkt ihrer Projekte.

Digitalisierungsoffensive in allen Bereichen
Hierfür machen sich die Institutionen bislang unbekannte Zeitzeugnisse sowie die Vorteile der Digitalisierung zunutze: Im Rahmen der Ausstellung „Waldheimat und Weltwandel“ zeigt das Museum für Geschichte (Graz) erstmals unentdeckte und neu digitalisierte Rosegger-Fotografien des „Hof- und Kammerfotographen“ Franz Joseph Böhm (1874-1938). Die Steiermärkische Landesbibliothek digitalisiert den Nachlass von Peter Rosegger und macht so Dokumente und Briefe erstmals weltweit zugänglich. Ein neuer, zeitgemäßer Online-Auftritt (www.peter-rosegger.at) – initiiert durch das Land Steiermark – bündelt Wissen und Informationen rund um das Leben und Wirken von Peter Rosegger.

Steiermarkweites Programm für jeden Geschmack
So vielseitig Peter Rosegger als Person war, so facettenreich sind die weiteren Beiträge zum Roseggerjahr. Große Kulturorganisationen wie die styriarte oder die Oper Graz beteiligen sich genauso am Jubiläum wie kleinere Heimatmuseen und volkskulturelle Verbände aus allen Ecken der Steiermark. In der Waldheimat finden gleich mehrere Veranstaltungen in Gedenken an Peter Rosegger statt: So kommt es unter anderem im Veranstaltungszentrum Krieglach zu einer Neuauflage der Rosegger-Festspiele und – erstmalig in der Geschichte von La Strada – zu einem Gastspiel des Straßenfestivals im Mürztal, am Kluppeneggerhof.