Karl Hans Polzhofe ganz-RECHTSr-klein

Mitauslöser für Insolvenz: Teure Gerichtsverfahren auf Familienebene wegen der Zukunft von Kapo

In Pöllau produziert Kapo die hochwertigen Möbel unter der Marke „Neue Wiener Werkstätte“. Deren Produkte finden sich in Präsidentenkanzleien, bekannten Hotels und Restaurants. Auch im Deutschen Bundestag gibt es Produkte des oststeirischen Möbelproduzenten.

In Pöllau produziert Kapo die hochwertigen Möbel unter der Marke „Neue Wiener Werkstätte“. Deren Produkte finden sich in Präsidentenkanzleien, bekannten Hotels und Restaurants. Auch im Deutschen Bundestag gibt es Produkte des oststeirischen Möbelproduzenten.

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Die Kapo Fenster und Türen Gesellschaft mit rund 120 Beschäftigten in Pöllau ist nicht von der Insolvenz der Kapo Möbelwerkstätten Gesellschaft betroffen.

Die Kapo Fenster und Türen Gesellschaft mit rund 120 Beschäftigten in Pöllau ist nicht von der Insolvenz der Kapo Möbelwerkstätten Gesellschaft betroffen.

Kapo Möbel in Insolvenz geschlittert

Dienstag, 27. Februar 2018

Fenster und Türen laufen gut

Die „positive Meldung“ vorweg: Die Kapo Fenster und Türen Gesellschaft mit rund 120 Beschäftigten in Pöllau ist nicht von der Insolvenz der Kapo Möbelwerkstätten Gesellschaft betroffen. Die beiden Produktionsbetriebe sind seit dem Jahr 2004 zwei völlig eigenständige Gesellschaften und wurden auch als solche von der Familie Polzhofer geführt. Die Kapo Fenster- und Türen-Produktion hat sich in den letzten Jahren wirtschaftlich wesentlich besser entwickelt als die Möbel-Produktion. Ein wichtiger Aspekt für die Insolvenz der Kapo Möbel ist die allgemein schlechte Marktlage in der Möbelbranche und die zunehmende Billig-Konkurrenz aus Osteuropa. Es ist kein Zufall, dass es in den letzten Jahren bei den großen heimischen Möbelherstellern wie Bene und Svoboda auch zu starken strukturellen Veränderungen gekommen ist.

In Pöllau produziert Kapo die hochwertigen Möbel unter der Marke „Neue Wiener Werkstätte“. Deren Produkte finden sich in Präsidentenkanzleien, bekannten Hotels und Restaurants. Auch im Deutschen Bundestag gibt es Produkte des oststeirischen Möbelproduzenten.

Als Familienunternehmen galt Kapo im oststeirischen Pöllau jahrelang als Vorzeigebetrieb. Ein Mitauslöser für die gegenständliche Insolvenz dürfte auch in den gerichtlichen Auseinandersetzungen auf Gesellschafterebene der Kapo Holding liegen. Seniorchef Karl Polzhofer hat vor rund zehn Jahren seine Anteile an der Holding bis auf 1 % an seine drei Kinder zu gleichen Anteilen übergeben und zog sich damals als Geschäftsführer zurück. Wichtige Entscheidungen in der Holding über die Zukunft der Unternehmensgruppe (Investitionen) bedurften dennoch der Einstimmigkeit. Diese kam aufgrund unterschiedlicher Auffassungen nicht zustande. Seniorgesellschafter Karl Polzhofer klagte darauf gleichsam sein eigenes Unternehmen und die übrigen Gesellschafter. Es folgte dadurch eine „Prozess-Lawine“. Zeitweise gab es keine vernünftige Gesprächsbasis mehr zwischen den Gesellschaftern. Die Kosten für die Auseinandersetzungen beliefen sich in den letzten Jahren auf geschätzte 800.000 bis eine Million Euro. Ganz abgesehen vom Zeitaufwand und den internen Kosten für die Prozessvorbereitungen. Bis heute laufen noch immer Auseinandersetzungen bei Gericht.

Die Aktiva der Kapo Möbelwerkstätten GmbH betragen laut AKV 3.053.000 Euro, die Passiva werden mit rund 5,3 Millionen Euro angesetzt. Die Höhe der Gläubiger-Verbindlichkeiten beträgt etwa 520.000 Euro. Mit rund 1,94 Millionen Euro sind Dienstnehmer-Forderungen angesetzt (inklusive aller Abfertigungsansprüche). Rund 640.000 Euro betragen die Abgabenrückstände (Steuern und Sozialversicherung). Und rund 1,7 Millionen Euro betragen die sonstigen Verbindlichkeiten. Diese betreffen unter anderem andere Gesellschaften der Kapo-Gruppe.

Letztendlich waren gescheiterte Vergleichsgespräche mit der Hausbank, die dann die Kredite fällig stellte, der Auslöser für die Insolvenz. Seit dem Frühjahr 2017 vertritt Seniorchef Karl Polzhofer die Kapo Möbelwerkstätten GmbH als Geschäftsführer wieder selbstständig. Angestrebt wird von ihm die Weiterführung der Möbelproduktion, die derzeit 94 Dienstnehmer aufweist. Den Gläubigern wird eine Quote von 20 %, zahlbar binnen zwei Jahren, angeboten. Die Auftragslage beträgt rund 1,8 Millionen Euro – ein Indiz dafür, dass die Chancen für die Weiterführung gut sind. Ein weiteres Plus: Seniorchef Karl Polzhofer soll, so heißt es, dem Unternehmen weitere Eigenmittel zuführen, um so möglichst rasch eine Einigung mit den Gläubigern zu erwirken.

Die angestrebte Fortführung des Unternehmens erscheint auch deshalb realistisch, weil es eine im Vorfeld bereits weitgehend ausverhandelte neue Finanzierung des Unternehmens umzusetzen gilt. Schon am 17. Mai 2018 will man vor dem Insolvenzrichter mit den Gläubigern eine Sanierung des Unternehmens und damit seine Fortführung erreichen.