klein WKO 20180216_100239

v.l. Thomas Mayr, GF des ibw; Josef Herk, Präsident der WKO Stmk und Hermann Talowski, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk

Lehre wird künftig der Matura gleichgestellt

Freitag, 16. Februar 2018

Alle Bildungsabschlüsse werden europaweit vergleichbar gemacht

Ähnlich einem international gültigen Führerschein, der beispielsweise einen Spanier dazu befähigt, in Österreich einen PKW zu fahren, wird durch die Umsetzung des sogenannten Nationalen Qualifikationsrahmens (NQR) ein Befähigungsnachweis für alle Bildungsabschlüsse innerhalb der EU geschaffen. Künftig werden alle Bildungsabschlüsse einer von 8 möglichen Stufen zugeordnet, um sie europaweit vergleichbar zu machen. Die Lehre wird der Matura gleichgestellt; der Meister soll künftig mit dem NQR gleichwertig wie der Bachelor sein.  „Wobei gleichwertig nicht gleichartig heißt“, betont Josef Herk, Präsident der WKO Stmk. Derzeit werden in einem Pilotprojekt die ersten 5 Meisterausbildungen zur Zertifizierung nach NQR eingereicht: Kfz-Techniker, Spengler, Orthopädie-Schuhmacher, Friseur und Fleischer. „Es ist ein ziemlich aufwändiger Prozess, müssen doch die durch eine Meisterprüfung zertifizierten Lernergebnisse detailliert in Form von Kenntnissen, Fertigkeiten und Kompetenzen sowie Nachweise zur Qualitätssicherung  im Einklang mit den Anforderungen des NQR dargestellt werden“, erklärt Thomas Mayr, Geschäftsführer des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw).

 „Früher hat´s ja immer geheißen: Wer in der Schule nichts zusammenbringt, muss halt eine Lehre machen. Damit ist jetzt endlich Schluss: Denn wir haben es schwarz auf weiß, dass beides gleich viel wert ist!“, so Hermann Talowski, WKO Stmk.  Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk. „Der NQR wird auch ein wichtiges Kriterium sein, um bei Vergaberichtlinien bzw. Ausschreibungen Anforderungen auf internationaler Ebene erfüllen zu können. Das Steirerland ist ein Meisterland und heute ist Zwischenzeugnistag! Ich freue mich auf die Umsetzung in den nächsten zwei Jahren“, Talowski weiter. Die Steiermark ist auf die bevorstehenden tiefgreifenden Veränderungen von morgen bestens vorbereitet. Die Digitalisierung wird neue Berufsbilder hervorbringen mit neuen Arbeitsplätzen. „Dabei sollte man auch überlegen, nicht mehr zeitgemäße Begriffe wie „Lehrling“  (ungeschickter Zauberlehrling?) oder „Lehrlingsentschädigung“ (Schaden? – wer? wo?)  oder „Lehrlingswart“ mit aktuellen Begriffen zu ersetzen“, verweist Talowski.

Das Center of Excellence der WKO Steiermark  mit einem Investitionsvolumen in Höhe von 33 Millionen Euro u.a. für neue Werkstätten und Labore wird eine neue Bildungsära einleiten – nicht nur baulich, sondern auch inhaltlich. „Wir wollen mit unserem Center of Excellence das erste Bundesland sein, das mit Hilfe des NQR verschiedene Bildungswege miteinander verbindet“, freut sich Herk.