GRAZ,AUSTRIA,23.APR.18 - OLYMPICS - OEOC, Bid for the Olympic Winter Games 2026, host city Graz/Schladming, press conference. Image shows mayor Juergen Winter (Schladming), mayor Siegfried Nagl (Graz), president Maria Rauch Kallat (OEPC), president Karl Stoss (OEOC), Marion Kreiner and Claudia Loesch (AUT). Photo: GEPA pictures/ Michael Riedler

Bürgermeister Jürgen Winter (Schladming), Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl, Maria Rauch-Kallat (Präsidentin des Österreichischen Paralympischen Comités), ÖOC-Präsident Karl Stoss, vorne: Marion Kreiner, Claudia LöschFoto: ÖOC/GEPA pictures

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Mittwoch, 25. April 2018

Graz will und wird sich bekanntlich um die Olympischen Winterspiele 2026 bewerben. Und die Chancen? Da gilt einfach die Binsenweisheit: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Sieben Millionen Euro soll für die Kandidaten-Bewerbung ausgegeben werden. Die Entscheidung, wer von den Bewerbern Kandidatenstatus erhält, trifft das IOC (Internationales Olympisches Komitee) in diesem Herbst. Genannte Mitbewerber sind bis jetzt Calgary in Kanada, Sapporo in Japan, Stockholm in Schweden und Sion in der Schweiz.

Das IOC wolle die Olympischen Winterspiele in die Geburtsregion des Wintersports zurück bringen, also nach Europa, erklärte ÖOC-Präsident Karl Stoss in Graz bei einem Visonsworkshop. Die Chancen stünden nicht zuletzt deshalb gut, weil sich auch Thomas Bach, der deutsche Präsident des IOC, für einen Austragungsort in Europa ausgesprochen habe. Nach Sotchi (2014), Pyeongchang (2018) und Peking (2022) orte Stross eine Stimmung im IOC, die für Europa spreche. Das IOC setzt sich aus Vertretern aus 115 Mitgliedsländern zusammen, die im September 2019 in Mailand letztendlich entscheiden, wer von den Kandidaten den Zuschlag erhält.

Die knappe Zeit setzt Olympia-Befürworter Nagl, Stross und Kollegen stark unter Druck, muss doch bis zum Herbst dieses Jahres, also in nur wenigen Monaten, die Machbarkeitsstudie vorliegen. Rund 50 Vertreter der potentiellen Austragungsorte (Graz, Schladming, Kreischberg, Ramsau am Dachstein, Bischofshofen, Hochfilzen, Schönau am Königssee und Inzell) und Verantwortliche der olympischen Wintersport-Fachverbände kamen daher in Graz zusammen, um den Weg für die nächsten Monate vorzubereiten.

Die Ausgangslage ist auch deshalb schwierig, weil Graz ja nur als „Host City“ auftreten kann. In der Folge müssen auch die anderen Austragungsorte erst dafür gewonnen werden. Und gegenwärtig ist es so, dass das Land Steiermark, aber auch die österreichische Bundesregierung noch keine Unterstützung zugesichert haben. Eine Kandidatur hätte aber nur dann wirklich eine Chance, wenn es zu dieser Zusage kommt. Die bis zum Herbst vorliegende Machbarkeitsstudie wird letztendlich als Entscheidungshilfe dienen müssen.

Auch wenn Graz als „Host City“ aufgrund der immer seltener werdenden Schneefälle weit weg von einer typischen Wintersport-Destination ist, daher nicht gerade mit seinem Panorama dazu einlädt, wären Olympische Spiele natürlich eine Riesenchance für ganz Österreich. Bürgermeister Siegfried Nagl: „Mich würde es freuen, wenn wir im Oktober als offizieller Kandidat für die Winterspiele 2026 vom IOC ernannt werden. Österreich als Wintersportland hat 50 Jahre nicht mehr olympisch aufgezeigt. Es ist höchste Zeit, es wieder zu probieren!“ Klar ist aber auch, dass es nicht Spiele wie in den letzten Jahren sein können: „Wir wollen Olympische Winterspiele neu positionieren. Neu, d. h. zurück zum Sport, zu den Athleten und zurück zur Bevölkerung, zu den Fans.“

Die Olympia-Befürworter versprechen, sparsame, nachhaltige und kosteneffiziente Spiele abwickeln zu wollen – weit weg von der Gigantonomie, wie es sie in Sotchi und Pyeongchang gegeben hat und auch in Peking geben wird. Für die Organisation und Durchführung der Spiele garantiert das IOC immerhin 925 Millionen Dollar. Als Kandidat wären Graz und Österreich als Wintersportland aber in jedem Fall zumindest ein Jahr weltweit in den Medien – auch ein Werbeeffekt. Denn so würde man weltweit registrieren, dass es Graz überhaupt gibt. Genau das aber könnte auch das Handicap gegenüber Stockholm oder auch der Schweiz sein. Aber wie heißt es schon zu Beginn erwähnt: Die Hoffnung stirbt zuletzt.