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Qualitätsmilch braucht einen fairen Preis, war der Tenor beim Pressegespräch anlässlich des bevorstehenden Weltmilchtages. Im Bild v.l.: Die Grafendorfer Milchbäuerin Maria Kopper, Berglandmilch-Vorstand Johann Pretterhofer, Obmann Jakob Karner (Obersteirische Molkerei), Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher, Obmann Hermann Schachner (Ennstal Milch) Fotos: LK/Danner

Preis-Kosten-Schere

Milch-Bauernanteil weiter gefallen

Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher: Neue Auflagen bedeuten höhere Produktionskosten und müssen auf den Produktpreis umgelegt werden.

Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher: Neue Auflagen bedeuten höhere Produktionskosten und müssen auf den Produktpreis umgelegt werden.

Landwirtschaftskammer fordert: Keine Täuschung bei Milchqualität!

Dienstag, 29. Mai 2018

Für einen Liter Milch bekommen die Milchbauern derzeit im Schnitt (Jänner bis April 2018) nicht einmal ein Drittel (28,7 Prozent) oder nur magere 32,86 Cent (!) vom Preis im Supermarktregal. Damit lassen sich die Herstellungskosten der Milchbauern leider nicht decken (Grafik: Preis-Kostenschere klafft auseinander). Das Auseinanderklaffen der Preis-Kosten-Schere führte in den vergangenen Jahren dazu, dass besonders viele Milchviehbetriebe ihre Stalltüren für immer geschlossen haben.

Milchbäuerin Maria Kopper aus Grafendorf: „Als Milchbäuerin ist mir wichtig, dass die Konsumenten wissen, woher die Milch- und Milchprodukte kommen und unter welchen Standards sie gewonnen werden. Beim Lebensmitteleinkauf orientiere ich mich am AMA-Gütesiegel, an der regionalen Herkunft und an der biologischen Produktionsweise.“ Und weiter: „Die Marktmacht des Lebensmittelhandels wirkt sich negativ auf den Milchpreis aus. Die Supermarktketten sollten ihre Marktmacht nicht auf den Rücken der bäuerlichen Familienbetriebe austragen.“

Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher verurteilt die zuletzt wieder verstärkt angelaufene Aktionitis der Handelsketten bei Milch- und Milchprodukten auf das Schärfste: „Wer mit Milch und Milchprodukten schleudert und damit Konsumenten in die Geschäfte lockt, gefährdet die Existenzen unserer bäuerlichen Familienbetriebe, insbesondere in den ohnehin sehr benachteiligten Berggebieten.“ Und er rechnet anhand eines aktuellen Beispiels vor: „Ein um vier Cent rabattiertes Milchpackerl tut den Bauern sehr, sehr weh. Auf ein Jahr hochgerechnet ist der Ersparnisfaktor für den Konsumenten mit drei Euro relativ.“

Die heimischen Milchbauern haben hohe Produktionsstandards – von der gentechnikfreien Fütterung bis besondere Tierwohl- und Tierschutzvorgaben, die sehr kostenintensiv sind – einzuhalten. „Bei Eigenmarken der Handelsketten besteht die Gefahr, dass weder die Herkunft der Milch noch die Produktionsstandards klar nachvollziehbar und erkennbar sind. Die Tür für Billigmilch aus dem Ausland wird damit geöffnet“, zeigt der Kammerpräsident das große Problem der Austauschbarkeit auf. Und er verlangt: „Dieser Konsumententäuschung ist ein Riegel vorzuschieben, indem die Rohstoffherkunft von Eigenmarken für die Konsumenten auf den ersten Blick ersichtlich gekennzeichnet wird. Der Wegweiser für eine sichere heimische Herkunft von Milch- und Milchprodukten ist das AMA-Gütesiegel.“ Der Eigenmarken-Anteil bei Milch steigt kontinuierlich und liegt im 1. Quartal 2018 bereits bei 66 Prozent (2017: 64 Prozent).

Sympathische Aktion: Zum Weltmilchtag am 1. Juni kommen Milchbäuerinnen und Milchbauern in die Landeshauptstadt. Anlässlich des bevorstehenden Weltmilchtages am 1. Juni kommen die Milchbäuerinnen und Milchbauern in die Landeshauptstadt und informieren über die Vorzüge frischer heimischer, gentechnikfreier Milch und Milchprodukte. So können sich die Grazerinnen und Grazer am Eisernen Tor mit natürlichen Energydrinks stärken. In Judenburg, Knittelfeld, Leoben (jeweils Hauptplatz) und in Kapfenberg Redfeld (Spar) suchen die Milchbauern ebenso den Kontakt zur Bevölkerung. Der internationale Tag der Milch findet 2018 zum 61. Mal in über 30 Ländern statt.