kl PA 21_Frauen.Management.Report 2018

v.l. Bernadette Pöcheim (Leiterin AK-Abteilung Frauen und Gleichstellung), Bildungslandesrätin Ursula Lackner, AK-Präsident Josef Pesserl, Frauen-Stadträtin Tina Wirnsberger, Studienautorin Christina Wieser und Geschäftsführerin Christiane Otter vom Verein FELIN Foto:AK Stmk/Graf

Schlupflöcher bei gesetzlicher Quote

Montag, 14. Mai 2018

Seit 1. Jänner 2018 mind. 30% Frauen im Aufsichtsrat

„Ziel sollte ein Ausgleich sein, wodurch sich die Gesellschaft in der Führungsebene von Unternehmen widerspiegelte und so die unterschiedlichen Stärken beider Geschlechter genutzt werden“, betont AK-Präsident Josef Pesserl anlässlich der Präsentation des „Frauen.Management.Report.2018“. „Frauen haben bei höheren Bildungsabschlüssen deutlich aufgeholt und aufgrund unterschiedlicher Perspektiven können bei einer Ausgewohnheit des Geschlechterverhältnisses in einem Unternehmen bessere Entscheidungen getroffen werden“, ergänzt Landesrätin Ursula Lackner.

Nach deutschem Vorbild gilt seit 1. Jänner 2018 auch in Österreich eine Quote von 30 Prozent in den Aufsichtsratsgremien großer und börsennotierter Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten. Damit reiht sich Österreich in die Riege von mittlerweile zehn Ländern Europas ein, die der eklatanten Unterrepräsentanz von Frauen in der Unternehmensführung und -kontrolle der europäischen Wirtschaft mit verbindlichen Zielvorgaben begegnen. „Wird die Quote nicht erfüllt, dann bleibt das Aufsichtsratsmandat unbesetzt“, so die Studienautorin Christina Wieser (AK-Wien).

Voraussetzungen für die Anwendung der gesetzlich festgelegten Quote: Der Aufsichtsrat muss aus mindestens sechs Kapitalvertretern und die Belegschaft zu mindestens 20 Prozent aus dem Minderheitsgeschlecht bestehen; oder wenn mindestens drei Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsrat zu entsenden sind, was nur dann greift, wenn außerdem sechs Kapitalvertreter im Aufsichtsrat sitzen.

Da die Quote nicht gilt, wenn der Aufsichtstrat auf maximal fünf Kapitalvertreter verkleinert wird oder durch Umgründungen die Arbeitnehmeranzahl pro Unternehmen auf weniger als tausend verringert wird, bieten sich dadurch Schlupflöcher an, die Quotenregelung zu umgehen. „Schätzungen zufolge betrifft dadurch der Geltungsbereich gerade einmal 70 bis 80 Unternehmen statt der ursprünglich erwarteten 200 Gesellschaften“, bedauert Christina Wieser. „Der Frauenanteil in den Top-100-Unternehmen in der Steiermark liegt in der ersten Führungsebene bei nur 11 Prozent. Bei 62 Prozent der Unternehmen ist keine Frau in der ersten Führungsebene vertreten“, fügt Christiane Otter, Geschäftsführerin des Vereins FELIN (Female Leaders Initiative) hinzu. „Der Anteil von Frauen im Aufsichtsrat der Beteiligungsgesellschaften des Landes Steiermark liegt bei 27 Prozent und der Stadt Graz bei 39 Prozent.“

„Nach einer Beobachtungsphase sollte man die Quote noch erhöhen und die Möglichkeit von Schlupflöchern minimieren. Ein positives Beispiel ist Norwegen mit einer 40-Prozent-Quote, die 2006 in Kraft getreten ist“, so Josef Pesserl abschließend.