Nasenspitze nach Hundebiss c Werner Stieber_LKH Univ Klinikum Graz

Fotos: Werner Stieber/LKH-Univ. Klinikum Graz

Raimund Winter, Assistenzarzt an der Klin. Abt. für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie, Patientin und Thomas Rappl, Oberarzt an der Klin. Abt. für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie der Univ.-Klinik für Chirurgie des LKH-Univ. Klinikum Graz (v.l.).

Raimund Winter, Assistenzarzt an der Klin. Abt. für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie, Patientin und Thomas Rappl, Oberarzt an der Klin. Abt. für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie der Univ.-Klinik für Chirurgie des LKH-Univ. Klinikum Graz (v.l.).

Fingerspitzengefühl gefragt

Mittwoch, 11. Juli 2018

Nasenspitze nach Hundebiss unter Mikroskop angenäht

Wie bisskräftig selbst kleine Hunde sein können, musste eine Steirerin vor Kurzem am eigenen Leib erfahren. Während sie ihrem Terrier das Fell sauber machen wollte, biss der Kleine zu – und die Nasenspitze ab. Dank der schnellen Reaktion des Ehemannes und der perfekt funktionierenden Rettungskette wurde die Verletzte kurze Zeit später per Hubschrauber direkt ans LKH-Univ. Klinikum Graz gebracht und sofort von zwei Spezialisten der Klinischen Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie operiert. Das abgetrennte Nasenspitzerl kam parallel dazu mit dem Rettungsauto nach.

Echtes Fingerspitzengefühl bewiesen dann die Chirurgen der Klin. Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie des Klinikum Graz. Die Suche nach einem Blutgefäß, das die Durchblutung der Nasenspitze gewährleistet, glich jener nach der Nadel im Heuhaufen. „Die Operation gestaltete sich als äußerst diffizile Angelegenheit“, so Chirurg Raimund Winter, der gemeinsam mit Oberarzt Thomas Rappl den Eingriff durchführte. „Damit die angenähte Nasenspitze wieder richtig durchblutet wird, braucht es intakte Gefäße. Und diese sind wiederum bei einem derartig kleinen Amputat nicht leicht zu finden.“ Glücklicherweise war die Suche letztlich erfolgreich, sodass man eine Arterie und eine Vene mit vier Stichen zusammennähen konnte und damit die Durchblutung der Nasenspitze wieder gewährleistet war. „Da die Nähte für diese Gefäße aber dünner als ein Haar sind, haben wir alles unter dem Mikroskop gemacht. Wären die Gefäße nur ein klein wenig dünner gewesen, hätten wir sie nicht mehr verbinden können“, erklärt Raimund Winter. Und dann? Dann wäre wohl Plan B zum Einsatz gekommen, fährt er fort. Die Vorgehensweise: Der Knorpel der Nase wäre an der Stirn angenäht und die Nase aus einem heruntergezogenen Stirnlappen rekonstruiert worden. Ein weitaus langwierigerer und schmerzvollerer Eingriff als jener, den die beiden erfolgreich durchgeführt haben.

Die Patientin selbst ist ob der gelungenen Operation besonders dankbar: „Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass ich so viel Glück im Unglück hatte. Für mich sind die beiden Ärzte wirkliche Koryphäen. Auch das Pflegeteam hier umsorgt einen perfekt. Herzlichen Dank!“, sagt die Steirerin, der außerdem noch ein Appell besonders am Herzen liegt: „Jeder, der mit Hunden zu tun hat, sollte auf die Signale hören, die das Tier aussendet. Denn auch wenn es der Hund noch nie getan hat, kann er in einer bestimmten Situation zuschnappen.“

Sie habe die Signale ignoriert, ihrem kleinen Liebling daher auch längst verziehen. Nur face-to-face wird sie ihm fortan nicht mehr begegnen. Auch Bällen wird sie künftig aus dem Weg gehen – zu kostbar ist die neue alte Nase(nspitze), die eine weitere Erschütterung nicht verkraften würde.