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Josef Baumann und seine Frau Susanne: „Holzhandtaschen könnten bald zu so etwas wie einem zweiten Standbein werden.“

Josef Baumann und seine Frau Susanne: „Holzhandtaschen könnten bald zu so etwas wie einem zweiten Standbein werden.“

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Gewinnen Sie dieses schicke Modell. Mail an isabella.hasewend@klippmagazin.at , Kennwort: Baumann. Einsendeschluss: 24. August 2018.

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Frau trägt Holz

Montag, 30. Juli 2018

Wir verlosen - ein schickes Möbelstück zum Mitnehmen

Was muss nicht alles in eine Handtasche passen – Lippenstift, Taschentücher, Schlüssel, Geldtasche, Handy, und, und. Aber noch wichtiger als genügend Platz ist: Sie muss zu mir passen, soll schick und originell sein.

In Misselsdorf/Mureck, kurz vor dem Grenzübergang zu Slowenien habe ich eine solche gefunden. Und zwar in der Bau- und Möbeltischlerei von Josef Baumann. Ja, Sie lesen richtig, denn er fertigt auch Handtaschen aus Holz an.

Wir stehen im kleinen Schauraum, bewundern die einzelnen Taschen – echte Hingucker, eine schöner als die andere, wie ich finde. Aber, wie bitteschön kommt ein Tischler auf diese Idee? Josef Baumann blickt zurück: „Es war vor drei Jahren, als ich für meinen Sohn Benjamin eine Trommelbox herstellen sollte. Bei der Herstellung dieses Musikinstrumentes sind dann Sperrholz-Reste übrig geblieben.“ Daraus ist dann das erste Modell entstanden. „Als Geburtstagsgeschenk für meine Frau gedacht“, lächelt er. Als Bekannte das Stück in der Werkstatt gesehen haben, hieß es: „Die sieht ja toll aus. Verkaufst du die auch?“

Das war dann quasi der „Startschuss“ für die Produktion von Holzhandtaschen. „Du beginnst, dich damit zu befassen, probierst viel herum, welche Materialien gibt es, welche Form – größer, kleiner –, wo kriegst du alles her – Griffe, Verschluss, Bänder oder Dekorplatten. Mit der Zeit habe ich auch einen eigenen Arbeitsablauf entwickelt, damit nicht alles zu zeitaufwändig wird, da wir in der Tischlerei ja auch noch andere Dinge machen.“

Unterstützt wird er von seiner Frau, die den Online-Shop betreut und für die Werbung zuständig ist. Anfangs wurden die Kreationen der Baumanns noch belächelt, sogar als „Blödsinn“ abgetan. „Das sei doch keine Tischler-Arbeit, haben Kollegen zu mir gesagt.“ Doch spätestens mit der Verleihung des Design-Preises – das war auf der Grazer Messe – wurden die Kritiker eines Besseren belehrt. „Es war schon ein eigenartiges Gefühl damals, als wir zwischen den anderen Tischlern gestanden sind und auf zwei Holz-Schragen vier unserer Holz-Handtaschen zur Besichtigung festgeschraubt hatten, damit sie keiner nehmen konnte. Es war uns in dieser Phase egal, was die anderen dachten.“ Mittlerweile haben die schicken und stilvollen Holzhandtaschen von Josef Baumann ihre Liebhaberinnen gefunden und der Handtaschen-Verkauf könnte bald so etwas wie ein zweites Standbein werden. „Vieles läuft da übers Internet. In der Folge kommen die Frauen dann oft mit ihrer ganzen Familie im Zuge eines Ausfluges oder Urlaubs bei uns hier in Mureck vorbei und verlassen uns dann mit ihrem Lieblingsmodell.“

An Ideen mangelt es dem Kreativ-Tischler nicht. „Aber ich muss aufpassen, dass die Herstellung nicht zu aufwändig wird, dass ich nicht zu viel Zeit reinstecke, denn sonst würden die Taschen zu teuer. So kostet eine Tasche ab 129 Euro.“ Am Abend sitzen Baumann und seine Frau Susanne oft lange vor dem Computer und recherchieren im Internet. „Da suchen wir, wer ausgefallene Dekor-Platten – etwa in 3D-, Holz-, Metallic- oder sogar Leder-Optik – hat, lassen uns ausgefallene Muster schicken und ich probiere dann aus, was sich machen lässt.“

Üblicherweise lassen Taschenmacher das Leder, den Stoff, das Futter durch ihre Hand gleiten, um die Qualität zu spüren. Für Josef Baumann gilt eine andere Herausforderung: Denn jede seiner Taschen ist ein Unikat – nicht von der Form, aber vom Dekor und auch vom Holz. Besonders gefragt sind bei ihm Hölzer mit eingewachsenen Ästen. „Das ist für Tischler normalerweise ja Abfall, aber für meine Taschen heißt es: Je mehr Ast, desto mehr Blickfang. Hinter unserem Haus ist ein alter Nussbaum gestanden. Der liegt jetzt oben im ersten Stock und ist für die Taschen reserviert, weil er viele Ast-Einwüchse hat. Damit ist es genau das ,fehlerhafte‘ Furnier, das ich brauche – durch Natureinflüsse so schön gestaltet. Ich sage immer: Fleisch hat auch Knochen und ein Baum hat eben auch Äste. Für den Möbelbau braucht das ein Tischler natürlich nicht, da ist nur astfreies Holz gefragt. Eine Holz-Handtasche soll aber eben leben – die eine mehr und die andere ein bisschen weniger …

Infos/Shop:

http://www.tischlerei-baumann.co.at/-holzhandtaschen–holzschmuck-shop.html