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v.l.: Hofrat Johann Wiedner (Land Steiermark, Leiter Abteilung 14), GSA-Obmann Franz Hammer und Studienautor Martin Wellacher (Montanuniversität).

v.l.: Hofrat Johann Wiedner (Land Steiermark, Leiter Abteilung 14), GSA-Obmann Franz Hammer und Studienautor Martin Wellacher (Montanuniversität).

Bemerkenswerter Zusammenhang die Gegenüberstellung von Produkterlös und Entsorgungskosten: 2 Päckchen Feuchttücher zum Preis von 4,40 Euro verursachen Entsorgungskosten (wenn "falsch" über Kanal entsorgt) von 11,50 Euro = 260 % mehr als Verkaufserlös!

Bemerkenswerter Zusammenhang die Gegenüberstellung von Produkterlös und Entsorgungskosten: 2 Päckchen Feuchttücher zum Preis von 4,40 Euro verursachen Entsorgungskosten (wenn "falsch" über Kanal entsorgt) von 11,50 Euro = 260 % mehr als Verkaufserlös!

Sie verursachen Millionenschaden

Freitag, 06. Juli 2018

Feuchttücher gehören nicht über den Kanal entsorgt!

Baby-Feuchttücher, Hygiene-Feuchttücher, Toiletten-Feuchttücher, Reinigungs- und Desinfektionsfeuchttücher, aber auch Tier-Feuchttücher – vor allem in Westeuropa und in den USA haben sich die Marktvolumina in den vergangenen Jahren erheblich ausgeweitet  – um bis zu 9 Prozent! „Leider wird ein Großteil davon fälschlicherweise über den Kanal entsorgt“, verweist der Obmann der Gemeinschaft Steirischer Abwasserentsorger (GSA) Franz Hammer auf die Problematik der damit erhöhten Entsorgungskosten.

Rund 1.200 LKW-Fuhren an Fehlwürfen werden allein in der Steiermark jährlich wiederrechtlich und sorglos über den Kanal entsorgt. Die Kosten dafür belaufen sich auf etwa 16 Millionen Euro. Einen erheblichen Anteil dieser Fehlwürfe bilden handelsübliche Feuchttücher. Diese stellen für die Kanal- und Kläranlagenbetreiber ein besonderes Problem dar, weil sie – je nach ihrem jeweiligen Kunstfaser-Anteil – sehr reißfest und nicht biologisch abbaubar sind. Die Feuchttücher verursachen Verstopfungen in Pumpwerken sowie Betriebsstörungen in den Kläranlagen.

„Derzeit bleibt dem Konsument leider nur der Reisstest, denn auf den Packungen von Feuchttüchern lässt sich nicht herauslesen, ob dieser Kunstfasern enthalten bzw. dass diese nicht in der Toilette entsorgt werden dürfen“, so GSA-Obmann Franz Hammer bei der Präsentation einer Studie über die Analyse und den Verbleib von Feuchttücher-Abfall in der Kanalisation. Diese wurde von der Gemeinschaft Steirischer Abwasserentsorger (GSA) an die Montanuniversität Leoben in Auftrag gegeben, nicht zuletzt um die Bevölkerung für dieses Thema zu sensibilisieren.

Je höher der Kunstfaser-Anteil bei den Trägermaterialien der Feuchttücher ist, desto reißfester und weniger abbaubar sind diese. „Nach eingehender Analyse der im Rechengut mehrerer steirischer Kläranlagen gefundener Feuchttücher – eine wahrlich nicht besonders delikate Arbeit – wurden drei unterschiedliche Gruppen von Feuchttüchern (von abbaubar bis nicht abbaubar) definiert“, erklärt Studienautor Martin Wellacher von der Montanuniversität Leoben. In jedem Fall seien Erzeugnisse mit einem hohen oder ausschließlichen Naturfaser-Anteil, sprich Zellulose, unproblematisch.

„Derzeit gibt es keine allgemein gültigen Normen über Materialeigenschaften bzw. Kennzeichnungspflichten für Feuchttücher vom Gesetzgeber“, so Hofrat Johann Wieder vom Land Steiermark (A14). Diese hat, wie auch das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus und die Firma Saubermacher die Studie finanziell unterstützt. „Nach unserem gegenwärtigen Wissensstand ist die Studie einzigartige wissenschaftlich fundierte Arbeit zu dieser weltweit relevanten Problematik dar“, so Franz Hammer.

Die Gemeinschaft Steirischer Abwasserentsorger möchte mit dieser Studie die Initiative für ein umfassendes und schrittweises Maßnahmenpaket setzen. „Das oberste Ziel ist, eine Verringerung, eine unmissverständliche Kennzeichnung aber auch ein gesetzliches Verbot der biologisch nicht abbaubaren und reißfesten Kunstfaser-Feuchttücher zu erreichen“, erläutert Franz Hammer. Daneben wolle man die Bevölkerung über Infofolder sowie TV-Beiträge informieren und sensibilisieren.  Denn mit der deutlichen Verkaufszunahme von Feuchttüchern werde es nicht zuletzt zu einer merklichen Steigerung der Entsorgungskosten kommen.