kl Pauritsch-Leitinger, Lautner, Mussnig, Drexler, Schafarik, Weinhofer

v.l.: Ingrid Pauritisch-Leitinger, Gottfried Lautner, Gerald Mussnig, Christopher Drexler, Brigitte Schafarik, Werner Weinhofer Foto: Kommunikation Land Steiermark/Janderka

Fotos: HWÖ/Suzy Stöckl

Fotos: HWÖ/Suzy Stöckl

Was heißt „in Würde zu altern“?

Freitag, 13. Juli 2018

Tarifsenkung für mobile Pflege- und Betreuungsdienste

„Was bedeutet eigentlich in Würde zu altern?“ fragt Brigitte Schafarik von der Volkshilfe Steiermark jüngst die anwesenden Journalisten bei einer Pressekonferenz in Graz. Ihre Antwort darauf: „Zu Hause zu sein, selbst bestimmen zu  können, die Grenzen der Scham selbst festzulegen, schmerzfrei und beim Sterben nicht alleine zu sein“.

Ein Beitrag erfolgt seit 01. Juli durch die Reduzierung der Beiträge für die Inanspruchnahme mobiler Pflege – und Betreuungsdienste um durchschnittlich 25%. „Die demografische Entwicklung führt zu einer stetigen Zunahme von pflegebedürftigen Menschen. Daher ist die optimale und bedarfsgerechte Versorgung dieser Menschen eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahre“, erklärt Landesrat Christopher Drexler. „Ältere Menschen haben den Wunsch, zu Hause zu bleiben. Durch die jetzt leistbareren Tarife, die sich aus dem Netto-Einkommen errechnen, ist von einer Zunahme der Inanspruchnahme mobiler Pflegedienste auszugehen.“ In diesem Sinn äußern sich auch Gerald Mussnig, Geschäftsführer vom Hilfswerk Steiermark, Gottfried Lautner, Geschäftsführer vom Sozialmedizinischen Pflegedienst Steiermark und Werner Weinhofer vom Roten Kreuz Steiermark.

„Oberstes Ziel unserer Entwicklungsschritte ist es, Menschen mit Betreuungsbedarf intensiv dabei zu unterstützen, in ihrem Zuhause bzw. in ihren eigenen vier Wänden verbleiben zu können. Wir setzen einen weiteren Schwerpunkt mit einem Projekt mit neun Wohnhäusern für betreutes Wohnen“, so Werner Weinhofer. „Es braucht noch weitere Ergänzungen zu mobilen Diensten, dazu gehört wie eben genannt auch betreutes Wohnen“, fügt Gottfried Lautner hinzu.

Die Klienten übernehmen einen Teil der Betreuungskosten (dieser ist nun um durchschnittlich 25% reduziert), die restlichen Kosten werden von den Gemeinden und dem Land Steiermark übernommen. Die Zuzahlungen der Gemeinden und des Landes Steiermark erfolgen direkt an die betreuende Organisation. Es gibt fünf Trägerorganisationen (Hilfswerk, Volkshilfe, Caritas der Diözese Graz-Seckau, Rotes Kreuz und SMP-Sozialmedizinischer Pflegedienst Hauskrankenpflege) welche die Förderungsrichtlinien des Landes Steiermark erfüllen und den Landeskostenzuschuss für Kunden erhalten.

441 Millionen Euro gibt das Land Steiermark und die Gemeinden heuer für stationäre Pflege aus, für mobile Pflege insgesamt Euro 65 Mio. inklusive Privatanteil. Pro Jahr erfolgen ca. 1,5 Millionen Hausbesuche und es werden 1,2 Millionen Betreuungsstunden für rund 17.000 Klienten erbracht; dies entspricht im Schnitt etwa 6 Stunden pro Klient im Monat. Bei einer Inanspruchnahme von täglich einer Stunde beträgt der Beitragssatz gemäß neuem Tarif rund € 70 / Woche bei einem Nettoeinkommen von 1.200 Euro. Am häufigsten werden Pflegeassistenz- (45%) und Heimhilfedienste (45%) in Anspruch genommen zum Beispiel um den Fuß zu verbinden oder für Hilfe beim Duschen. 66% der Klienten sind Frauen, 90% älter als 65 und 62% älter als 80 Jahre.

Ein wichtiger Punkt ist, dass es schwierig ist, neue Mitarbeiter zu rekrutieren. „Wie schaffen wir es, den Beruf noch attraktiver zu machen“, fragt Ingrid Pauritsch-Leitinger von der Caritas der Diözese Graz-Seckau in den Raum. Durch die jetzt ausbildungsfähigen geburtenschwachen Jahrgänge ist man auch in der Pflegebranche mit einem Mangel an Arbeitskräften konfrontiert. „Es gilt das Image der Pflegeberufe aufzuwerten und attraktiver zu machen und auch in der Ausbildung bzw. den Ausbildungsmöglichkeiten könnte man noch einiges optimieren“, so Gottfried Lautner.