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Fotos: Heimo Ruschitz

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„Denen fehlt das soziale Gewissen“

Freitag, 10. August 2018

ÖGB-Landeschef Horst Schachner

Sebastian Kurz und Heinz-Christian Strache haben noch nie in ihrem Arbeitsleben 12 Stunden an einem Tag, geschweige denn an mehreren, manuell oder am Bildschirm gehackelt, sonst hätten sie ein solches Gesetz nie beschlossen. Ein solches Gesetz macht niemand, der ein soziales Gewissen hat“, bemerkt der ÖGB-Landesvorsitzende. Der 56-Jährige hat früher in der Montage im Stahlbau gearbeitet, dann viele Jahre als Buschauffeur und weiß daher, was es heißt, mehr als 8 Stunden am Tag im Einsatz zu sein.

Die letzten Wochen fühlten sich für Gewerkschafter und Betriebsräte nicht wie ein Kindergeburtstag an. Die Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung und FPÖ-Funktionäre sprechen von einer Hetz-Kampagne, Gräuel- und Grusel-Propaganda im Zusammenhang mit dem 12-Stunden-Arbeitsgesetz. Das bekam auch Horst Schachner zu spüren, bekannt für seinen oft hemdsämeligen Stil, aber auch geschätzt wegen seiner Handschlagqualität. Als erfolgreicher Betriebsratsvorsitzender der Holding Graz – zu der auch die GVB gehören – setzte er eine Betriebsversammlung an, in der die Belegschaft auch über den 12-Stunden-Tag und seine Auswirkungen informiert wurde. Dadurch kam es, wie bei den ÖBB, auch in Graz über mehrere Stunden zu einem Stillstand im Straßenbahn- und Busverkehr und Unmut bei Fahrgästen. Von Seiten der Unternehmensführung wurde im Vorfeld versucht, diesen Stillstand abzuwenden. Doch die Betriebsräte der Holding Graz fassten dennoch diesen Beschluss. Klimatisch herrscht seit damals so etwas wie Eiszeit zwischen Unternehmensführung und Betriebsrat.

Es könne heute noch gar nicht überblickt werden, so Schachner, was in den verschiedenen Feldern der österreichischen Arbeitswelt (von Tourismus bis Transport, von Gleitzeit-Angestellten bis Produktions-Arbeiter, von Handel bis Pflege …) alles an Nachteilen und Unklarheiten entstehe. Gerade vor diesem Hintergrund sei es absolut unverantwortlich, all diese Unsicherheiten eines unklaren Gesetzes den österreichischen ArbeitnehmerInnen bereits ab 1. September „aufs Aug‘ zu drücken“. Ein ordentlicher Begutachtungsprozess und eine Einbindung der Sozialpartner wäre das einzige verantwortungsvolle Vorgehen gewesen. „Dieses Diktat der Regierung nehmen wir sicher so nicht hin.“