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Fotos: Heimo Ruschitz

Cellist Friedrich Kleinhapl

Cellist Friedrich Kleinhapl

„Ich war zwei Mal medizinisch aufgegeben“

Dienstag, 07. August 2018

„No Limits“ für Friedrich Kleinhapl, den anerkannten internationalen Cellisten

Am Zukunftstag der SFG war er „nur Besucher“. Mit seinem Lebensweg ist der gebürtige Grazer Friedrich Kleinhapl als international anerkannter Cellist allerdings ein Beispiel für ein Leben ohne Limits. „Die Grenzen setzt man sich selbst.“ Gegenwärtig sind er und seine Frau in Schulen mit dem spannenden Thema „Future of Life“ unterwegs. „Da werden junge Menschen gefragt“, so Friedrich Kleinhapl, „wie sie sich ihr Leben vorstellen, was es für ein erfülltes Leben braucht, was passieren muss, wie viel man sich zutraut.“

Friedrich Kleinhapls Lebensschicksal ist selbst ein ungewöhnliches Beispiel dafür. „Mit 27 wurde bei mir ein Gehirntumor medizinisch festgestellt, als Kleinkind war ich schwerkrank. Ich war bereits zwei Mal medizinisch aufgegeben.“ Wegen einer Weizen-Unverträglichkeit bekam er als Kind Hormone verpasst, die dann seine Kleinwüchsigkeit verursacht haben. Er aß als Kind nur wenig und er drohte, langsam zu verhungern. Bei der Tumor-Diagnose hieß es für den 27-Jährigen: „Operieren oder Sie sind in fünf Monaten tot.“ Kleinhapl entschied sich dagegen. Er vertraute sich dem Ganzheitsmediziner Nussmüller in der Weststeiermark an. Es sei schwer, dies jemandem zu vermitteln, der es nicht selbst erlitten hat. Sein Tumor schrumpfte und er erlebte Unglaubliches. Der Tumor war im Schädel gelegen. Nach Kleinhapls Ansicht ermöglichte die Beweglichkeit der Schädelknochen die Rückbildung. „In dieser Zeit konnte ich sehen, hören und sprechen, habe aber mein Kurzzeitgedächtnis verloren.“

Innerhalb einer Woche kam es dann zur unglaublichen Wende. „Da habe ich begonnen, an Höheres im Leben zu glauben. Wenn Sie mich vor meinem Heilungsprozess gefragt hätten, dann hätte ich das für nicht möglich gehalten, aber so hat sich mein Weltbild völlig verändert.“ Er habe selbst erfahren, dass es für den Menschen keine Grenzen gibt. „Der einzige, der die Grenzen setzt, das bin ich selber.“ Zu sagen, das gelinge nicht, das tue er heute nicht mehr. „Unsere Wirklichkeit ist ein fragwürdiges Gebilde und hat mit der eigentlichen Realität fast nichts zu tun.“ Seine weitere Erkenntnis: „Wie will man auf die Zukunft zugehen, wenn man davor Angst hat?“ Mit Angst wäre er nicht gesund geworden.

Und welche Rolle spielt dann das Cello dabei? Auf diesem spielte er mit sieben Jahren zum ersten Mal. Friedrich Kleinhapl: „Mein Homöopath, der mich behandelt hat, sagt, das Cello war für mich notwendig, war eine Art Selbstheilungsinstrument. Heute kann ich das gut nachvollziehen, denn es gibt kein Musikinstrument, das so direkt am Menschen, am Herzen liegt. Es entspricht auch stark der menschlichen Stimme und man kriegt gleichsam eine Resonanz und eine Schwingung mit dem Instrument.“

Oft und oft kam es in seiner Karriere zu Situationen, die er dachte, nicht bewältigen zu können. Etwa wenn sein Cello auf irgendeinem Flugplatz im Zoll liegen blieb, er mit einem ihm nicht vertrauten Instrument auftreten musste oder die Anreise zum Konzert nicht wie geplant verlief. „Da habe ich oft gedacht: Das geht nicht. Aber die Auftritte waren erfolgreich und nachher hatte ich oft das Gefühl eines sogar magischen Augenblicks. Das gelang, weil ich die Gegebenheiten, die Umstände in meine Welt hineingelassen habe, mir keine Grenzen setzte.“