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Unsichtbarkeit, Bedeutungsverlust – das ist Warten ... und das hat ein Christian Kern verlernt. Fotos: Heimo Ruschitz

Christian Kern wurde bei den NR-Wahlen 2017 nicht zur Nummer 1 als stimmenstärkste Partei, sondern musste ohnmächtig zusehen, wie Sebastian Kurz (Foto) und Heinz-Christian Strache die türkisblaue Koalition inszenierten.

Christian Kern wurde bei den NR-Wahlen 2017 nicht zur Nummer 1 als stimmenstärkste Partei, sondern musste ohnmächtig zusehen, wie Sebastian Kurz (Foto) und Heinz-Christian Strache die türkisblaue Koalition inszenierten.

Für Heinz-Christian Strache zum Beispiel war das Warten auch etwas Reizvolles, weil er dieses als Episoden zwischen aufwühlenden Konflikten erlebte.

Für Heinz-Christian Strache zum Beispiel war das Warten auch etwas Reizvolles, weil er dieses als Episoden zwischen aufwühlenden Konflikten erlebte.

Christians Kern Flucht nach Brüssel

Donnerstag, 20. September 2018

Warten hat er verlernt

Nationalratswahl am 15. Oktober 2017: Aus seinem größtmöglichen Erfolg hat Christian Kern die kleinstmögliche Macht hervorgehen lassen. Er wurde nicht zur Nummer 1 als stimmenstärkste Partei, sondern musste ohnmächtig zusehen, wie Sebastian Kurz und Heinz-Christian Strache die türkisblaue Koalition inszenierten. Damit ist Christian Kern im Herbst 2017 in einen ausauflösbaren Widerspruch zu sich selbst geraten. Er wurde zum Oppositionschef degradiert und damit auf die Wartebank gesetzt. In den Monaten danach wollte kaum jemand mehr von ihm wissen, wie seine Pläne für die Flüchtlings- und Einwanderungsproblematik aussehen, welche Vorstellungen und Konzepte die SPÖ von den Konzepten anderer Parteien unterscheidet. Brach in der Regierung in den letzten Monaten ein Hauch von Streit aus, durfte Christian Kern vor Journalisten und Fernsehkameras den Konflikt kommentieren, aber es blieb der Konflikt der anderen.

So geriet Christian Kern, der in der SPÖ wie kaum ein anderer den Willen zum Aufbruch verkörperte, in die schwierigste Phase seiner jungen politischen Karriere und seines politischen Lebens. Christian Kern hat einen Raum betreten, den er als allmächtiger ÖBB-Generaldirektor und als Kanzler der Republik Österreich, als ungeduldiger Mensch, in den letzten 20 Jahren nie mehr betreten und kennengelernt hat – ein Wartezimmer.

Für Heinz-Christian Strache zum Beispiel war das Warten auch etwas Reizvolles, weil er dieses als Episoden zwischen aufwühlenden Konflikten erlebte. Lauern, Spähen – das ist Warten, auch für Kämpfer. Für Christian Kern – das spürte man – war es in den Monaten seit der Wahl etwas schwer Erträgliches, nicht auf der großen politischen Ebene agieren zu dürfen, die Kurz-Festspielen im Rahmen des EU-Ratsvorsitzes als Zuseher erleben zu müssen. Weil darin Tag für Tag die Möglichkeit spürbarer wurde, entbehrlicher zu werden. Unsichtbarkeit, Bedeutungsverlust – das ist Warten. Und das hat ein Christian Kern verlernt.