Martin Behr & Martin Osterider, Foto aus der Serie Triester, 2003

Roman Osminkin, Collage für Putsch (After D. A. Prigov), 2018. Courtesy der Künstler

Roman Osminkin, Collage für Putsch (After D. A. Prigov), 2018. Courtesy der Künstler

Laibach, Laibach's Sound of Music. Foto: Laibach

Laibach, Laibach's Sound of Music. Foto: Laibach

Bread & Puppet Theater Archivfoto, 1960–70er-Jahre. Courtesy Bread & Puppet Theater

Bread & Puppet Theater Archivfoto, 1960–70er-Jahre. Courtesy Bread & Puppet Theater

Volksfronten

Freitag, 14. September 2018

Steirischer herbst 18: 20.9.-14.10.

Volksfronten nennt sich das Kernprogramm des diesjährigen steirischen herbst. Es ist die erste von Ekaterina Degot gemeinsam mit einem Kuratorkollektiv organisierte Ausgabe. Das Programm umfasst installative, performative sowie diskursive Arbeiten von mehr als 40 Künstlern, verteilt auf über 20 Veranstaltungsorte. Als Parcours konzipiert, erstreckt es sich über die ganze Stadt. Beinahe alle Produktionen sind neu in Auftrag gegeben und entstehen speziell für die diesjährige Edition.

Zur Eröffnung des Festivals am 20. September 2018 lädt die legendäre USamerikanische Gruppe Bread & Puppet Theater zu einer Parade quer durch die Stadt, um gemeinsam mit lokalen Teilnehmern die urbane Topografie und aktuelle politische Entwicklungen zu befragen. Der Performer und Dichter Roman Osminkin wird danach auf der Schloßbergstiege eine Open-Air-Performance nach Dmitrij Alexandrowitsch Prigovs Umsturz. Ein Stück für zwei Lautsprecher aus dem Jahr 1990 zeigen, bevor schließlich die Gruppe Laibach aus Slowenien auf der Kasemattenbühne am Schloßberg ihre Version des Musicals The Sound of Music anstimmt.

Der bisherige Eröffnungsort des Festivals, die Helmut List Halle, wird heuer indessen zum Ausstellungsort: Die in Moskau geborene Künstlerin Irina Korina errichtet darin eine über zehn Tage andauernde aufblasbare Landschaft. Verteilt über die ganze Stadt entstehen an teils geschichtsträchtigen Orten die weiteren Arbeiten des Volksfronten-Programms: Im Forum Stadtpark etwa installiert Milica Tomić ihr Forschungsprojekt rund um ein ehemaliges Arbeitslager im südsteirischen Aflenz; im Haus der Architektur inszeniert Henrike Naumann den Anschluss Österreichs im Jahr 1990, zumindest in Punkto Einrichtung. Funda Gül Özcan entwickelt ihre Arbeit für die ehemalige Ankara Türkü Bar in der Grazer Griesgasse, Tony Chakar und Nadim Mishlawi ziehen ins Hotel Daniel ein, das Department of Ultimology forscht im Grazer Kunstverein.

Im Volkshaus Graz errichtet das Künstlerduo Igor & Ivan Buharov aus Ungarn ein anarchistisches Labor, in dem sie eine kommende Revolution planen, und im Kulturzentrum bei den Minoriten werden Arbeiten von Ines Doujak, Ekaterina Muromtseva, Martin Behr & Martin Osterider, Victoria Lomasko und Christoph Szalay gezeigt. Das Duo kozek hörlonski präsentiert hier außerdem seine neueste filmische Zusammenarbeit mit Alexander Martinz: Dämonische Leinwände II – Arrival, ein Heimat-Horror-Film, für den sie diesen Sommer in Graz und der Steiermark drehen.

Das Volksfronten-Programm erschließt auch den öffentlichen Raum: Der in Wien lebende japanische Künstler Yoshinori Niwa bietet in Form einer öffentlichen Kampagne an, unerwünschte oder kompromittierende Erinnerungsstücke aus der Zeit des Faschismus und Nationalsozialismus zu entsorgen. Am Grazer Hauptplatz platziert er einen Container, in dem derlei Relikte abgegeben werden können. Arbeiten von Rossella Biscotti & Kevin van Braak, Michael Zinganel & Michael Hieslmair und der ZIP group sind ebenfalls an öffentlichen Orten in Graz präsent; der Aktivist und Künstler Lars Cuzner stellt die von ihm gegründete Intelligenzpartei erstmals in Österreich vor.

Weitere Infos: www.steirischerherbst.at