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. Ob Christian Kern durch seine Flucht aufs politische Parkett der EU in Brüssel seine Zukunft in der Politik erfolgreich gestalten kann – dahinter steht ein großes Fragezeichen. Foto: Siegfried Gallhofer

Die Frage wird auch sein: Was wird nach dem Abschied von Kern mit der politischen Laufbahn von Max Lercher? Foto: Heimo Ruschitz

Die Frage wird auch sein: Was wird nach dem Abschied von Kern mit der politischen Laufbahn von Max Lercher? Foto: Heimo Ruschitz

Michael Schickhofer ist ja erst am vergangenen Montag im Parteivorstand als Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2020 bestätigt worden. Inwieweit mit dem Rücktritt von Kern nun Michael Schickhofers Chancen sich für die Wahl verbessern oder verschlechtern, lässt sich aus heutiger Sicht noch nicht beurteilen. Foto: SPÖ Landtagsklub

Michael Schickhofer ist ja erst am vergangenen Montag im Parteivorstand als Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2020 bestätigt worden. Inwieweit mit dem Rücktritt von Kern nun Michael Schickhofers Chancen sich für die Wahl verbessern oder verschlechtern, lässt sich aus heutiger Sicht noch nicht beurteilen. Foto: SPÖ Landtagsklub

Was bedeutet das für Schickhofer-SP?

Mittwoch, 19. September 2018

Kern-Rücktritt als Parteichef

Da sein Entschluss (zum Glück) nicht krankheitsbedingt erfolgt, ist die Ankündigung von SPÖ-Chef Christian Kern über seinen bevorstehenden Rücktritt mehr als peinlich. Bezeichnete er doch selbst im ORF-Sommergespräch vor zwei Wochen Gerüchte darüber noch als „völligen Mumpitz“. Ab gestern, 18:Uhr, war dieser „Mumpitz“ dann plötzlich zur Tatsache geworden. Christian Kern sorgt damit in seiner Partei – wie seinerzeit Grünen-Chefin Eva Glawischnig – für gewaltige Turbulenzen. Noch dazu knapp vor dem Parteitag, auf dem er neuerlich zum Parteiobmann gewählt worden wäre.

Praktisch keiner von den Länder-SPÖ-Chefs war darüber im Vorfeld informiert worden. Was letztendlich der Auslöser dafür war – darüber gibt es bis heute nur Spekulationen. Es muss sich aber um ein Vieraugengespräch oder um ein Gespräch in kleinster Runde gehandelt haben, das Kern dann zu seinem überfallsartigen Entschluss brachte.

Christian Kern war es seit Jahrzehnten gewohnt, von der Chefetage aus zu arbeiten – als Generaldirektor der Österreichischen Bundesbahnen und dann als Kanzler der Republik. In diesen Funktionen verkehrte er mit den Spitzenmanagern der internationalen Wirtschaft und Unternehmen und als Kanzler mit den europäischen Entscheidungsträgern, wie Merkel, Macron und Co. An die Rolle des Oppositionschefs hat er sich nie gewöhnen können. Auch bei seinen Auftritten wirkte er doch eher verkrampft, wenn er sich bemühte, Zuversicht zu vermitteln. Hinzu kamen die parteiinternen Diskussionen um den Stil und die Strategie der SPÖ in der Opposition. Das wurde Christian Kern nun offensichtlich zu viel. Ob er durch seine Flucht aufs politische Parkett der EU in Brüssel seine Zukunft in der Politik erfolgreich gestalten kann – dahinter steht ein großes Fragezeichen.

Für die steirische SPÖ und Michael Schickhofer wird der Rücktritt von Christian Kern natürlich wesentliche Auswirkungen haben. Verstand sich Michael Schickhofer doch als einer der Länder-Chefs, den Kern innerparteilich aufwertete. Schickhofer selbst sah sich als einer der Vertrauten Kerns.

Die Frage wird auch sein: Was wird nach dem Abschied von Kern mit der politischen Laufbahn von Max Lercher? Ihn holte Christian Kern ja als Bundesgeschäftsführer in die SPÖ nach Wien. Der Obersteirer Max Lercher hat erst vor wenigen Wochen auf sein Landtagsmandat verzichtet.

Michael Schickhofer ist ja erst am vergangenen Montag im Parteivorstand als Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2020 bestätigt worden. Inwieweit mit dem Rücktritt von Kern nun Michael Schickhofers Chancen sich für die Wahl verbessern oder verschlechtern, lässt sich aus heutiger Sicht noch nicht beurteilen. Bei der letzten Landtagswahl 2015 noch stimmenstärkste Partei, rangiert die steirische SPÖ laut Umfragen derzeit nur an dritter Position. Durchaus vorstellbar, dass es für ihn mehr Rückenwind wieder von Seiten der Bundespartei her gibt, sollte die neue Parteiobfrau oder der neue Parteiobmann eine echte Personen-Alternative zu Sebastian Kurz und Heinz-Christian Strache sein.