Hans Höllwart mit seiner Familie auf der TU Graz bei der Ehrensenator-Verleihung.

Hans Höllwart mit seiner Familie auf der TU Graz bei der Ehrensenator-Verleihung. Fotos: Heimo Ruschitz

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Bodenständiger Visionär

Donnerstag, 27. Dezember 2018

Als Student an der Technischen Universität für Maschinenbau war Hans Höllwart, 59, einer von Tausenden – auch, weil er als Studienabbrecher die Uni früher verließ als gedacht. Den aus einer Bauernfamilie stammenden Hans Höllwart – „Ich habe jeden Tag vor der Schule die Kühe melken müssen“ – drängte es früher in die Arbeitswelt als andere. Als Ehrensenator, zu dem ihn nun kürzlich die Technische Universität Graz ernannt hat, gehört er als Nicht-Akademiker einer exklusiven Runde von Persönlichkeiten an. Sein Zukunftsbild über die Menschheit, seine Geisteshaltung skizzierte er bei der Eröffnung seines Science Tower in der Smart City Graz im September 2017.

„Die Digitalisierung, der Klimawandel, findet statt, ob wir es wollen oder nicht. Damit aber auch die Änderung der Arbeit, der sozialen Strukturen, so wie wir es gewohnt sind. Der nächste logische Schritt muss sein, Zusammenführung der Kompetenzen zu Exzellenz, unter Einbeziehung aller Menschen in eine ökosoziale Kreislaufwirtschaft. Eben Innovation durch Kooperation.“

„Menschen wollen nicht über von Eliten konstruierte Strukturen kontrolliert werden, welche letztendlich alle Macht in den Händen haben. Die Bewahrung unseres Wohlstandes wird nicht wie vielfach beschwört, hauptsächlich von den Herausforderungen der Cyberwelt, wie flächendeckendes 5G-Standard erfüllendes Netzwerk abhängen.“

„Am wichtigsten für den Menschen, vereinfacht ausgedrückt, sind Wasser, Brot und Gesundheit. Doch der größte Eingriff in die Natur ist nach wie vor die Produktion, die Gewinnung und der Vertrieb von Lebensmittel.“

„Systemverändernde Innovationen werden jedoch ohne Berücksichtigung dieser Grundbedürfnisse und der daraus resultierende Probleme, keinen nachhaltigen Erfolg aufweisen. Regionalität ist gefordert, weil Produkte lokal entwickelt, produziert und vertrieben, Fehlverhalten begrenzbar macht.“

„Regionalität bedeutet auch Mitbestimmung durch den Konsument und nicht Entmündigung wie durch Globalisierung. Die Erkenntnis aus der Globalisierung, das wir letztendlich kleinere geschlossene Kreisläufe brauchen, ist wahrscheinlich das einzig vernünftige daraus.“

„Konzentration in der Natur, in der Arbeit, im Verkehr, in der Energieproduktion ist immer schlecht, sie macht anfälliger, sie schließt das Gleichgewicht in der Natur aus und führt letztendlich zur Zerstörung. Die Herstellung dieses Gleichgewichtes kann nur über die Zusammenführung und besseren Vernetzung der Land-, der Energie-, der Produzierenden und Dienstleistungswirtschaft erfolgen.“

„Die Zeit ist reif für eine ökosoziale Gesamtkreislaufwirtschaft, unter Einbindung aller Menschen, egal mit welchen Fähigkeiten ausgestattet. Das bedeutet, sofortiger Stopp mit der leidigen Forderung und Suche nach nur den besten Köpfen, wer oder was das immer sein soll.

„Denn eines muss uns klar sein, wir werden in Zukunft nur dann zu den Besten gehören, wenn wir die Schwächsten in diese Entwicklung einbinden.“