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1996 am Everest-Gipfel: Robert Schauer (re.) mit Expeditionsleiter David Breashears

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Robert Schauer 1978 am Gipfel: „Es war ein unbeschreibliches Gefühl!“

Robert Schauer 1978 am Gipfel: „Es war ein unbeschreibliches Gefühl!“

So fing für Robert Schauer alles an – im Klettergarten Andritz-Weinzödl: „Ich war besessen davon.“

So fing für Robert Schauer alles an – im Klettergarten Andritz-Weinzödl: „Ich war besessen davon.“

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Drei Mal am Mount Everest

Samstag, 29. Dezember 2018

Der Grazer Robert Schauer – ein Phänomen: Vor 40 Jahren war er 1978 der erste Österreicher am höchsten Berg der Welt. 2004 stand er als 51-Jähriger zum dritten Mal auf 8.848 Metern.

Sein Name ist nicht Programm. Der Grazer Bergsteiger Robert Schauer erzählt keine Schauer-Geschichten. Im Gegenteil, man erfährt im Gespräch mit ihm – heute als Gründer und Organisator des Mountain-Film-Festivals bekannt – eher nebenbei, dass er im Jahr 1978 der erste Österreicher am Mount Everest war und im Jahr 2004 als 51-Jähriger den Berg zum dritten Mal bezwang. Eine starke Leistung! „Ich war für Universal Pictures als Kameramann dort.“ Wobei der „steirische Beitrag“ bei der Expedition im Jahr 1978 nicht nur „aus ihm“ bestand. Mit dabei war auch Hanns Schell (Odörfer), damals bereits ein bekannter Alpinist und der Steirerkrone-Journalist Werner Kopacka (=) tippte im Basislager auf 5.300 Metern Live-Berichte in seine Reise-Schreibmaschine. Ein Postläufer brachte diese nach Lukla, von dort ging es per Luftpost nach Wien und Krone-Leser wurden damit über das Geschehen am Berg informiert.

Robert Schauer, im Jahr 1978 noch keine 25 Jahre alt, galt als Ausnahme-Könner aufgrund seiner klettertechnischen Fähigkeiten – nicht nur im Fels, sondern auch im Eis. Auch seine körperliche Fitness war herausragend. Der 1953 geborene Robert Schauer  beschreibt sich als Solist und Einzelgänger. Geprägt in seiner Kindheit durch einen mehrmaligen, monatelangen Aufenthalt auf der Stolzalpe bei Murau wegen einer Lungenkrankheit. Dort im Heim musste er als 10-Jähriger nicht nur mit dem Heimweh fertig werden, sondern auch mit den Übergriffen der Älteren und der Erzieher, bis hin zu den geistlichen Lehrern.

„Das hat mich geprägt. Fasziniert haben mich auch die Bücher eines Hermann Buhl, der den Nanga Parbat bezwang und überhaupt Berichte aus der Bergsteiger-Welt. Ich habe dann im Klettergarten in Andritz-Weinzödl mit dem Klettern begonnen, habe mich niemandem anvertraut und habe es mir weitestgehend selbst beigebracht.“ Das war in den Jahren 1967 bis 1969. „Ich war richtig besessen davon“, erinnert er sich. Überall, wo es Felsen gab, wollte er hinauf. Mit erspartem Geld kaufte er sich ein 30 Meter langes Seil, mehr konnte er sich nicht leisten. Mit diesem machte er seine klettertechnischen Übungen. „Ich bin ein paar Mal abgestürzt, habe auch Knochenbrüche dadurch gehabt und schon mit großem Glück überlebt. Meiner Mutter habe ich die Dinge immer harmlos dargestellt.“

Und eine Erkenntnis: „Wobei ich daraus gelernt habe, dass bei jedem Schritt, den du setzt, du dir überlegen musst, wie der nächste Schritt ausschaut oder ob es den überhaupt noch gibt.“ Diese logische Konsequenz des Kletterns hat er in seinem Denken bis zum letzten Detail versucht zu entwickeln. Als 17-Jähriger war er schon zum ersten Mal auf dem Mont Blanc und als 19-Jährigen akzeptierten ihn die Kameraden schon als Führender einer Seilschaft.

Die erste von ihm selbst geleitete Expedition führte ihn mit einem Freund in das Karakorum-Gebirge. Das war im Jahr 1974. Mit zwei Autos („Mein Vater hat mir seines geborgt.“) fuhren sie dort hin, waren sechs Leute und dreieinhalb Monate unterwegs. Ihr Ziel, den 7.500 Meter hohen Pumarichisch, erreichten sie nicht. Zu langwierig und von Gletscherspalten übersät war der Anmarsch. Die Truppe entschied sich für ein Ersatz-Ziel, das sie auch erreichten. Der 6.500 Meter hohe Gipfel Skirisz Sar trägt noch heute den von ihm gegebenen Namen „Herr der Schneehühner“.

Ein Jahr später wurde Hanns Schell auf den ehrgeizigen Robert aufmerksam und mit ihm unternahm er dann mehrere Touren in den Westalpen. Im Jahr 1975 standen dann Hanns Schell, Robert Schauer und der Schladminger Herbert Zefferer am Gipfel des 8.080 Meter hohen Gasherbrum I im Himalaya-Gebirge. „Wir waren die ersten drei Steirer auf einem 8.000er.“ Sicherlich auch ein Grund, dass er im Jahr 1978 von den bekannten Bergsteiger-Größen Reinhold Messner, Peter Habeler und Wolfgang Nairz eingeladen wurde zur Everest-Expedition. Und er erfüllte die Erwartungen. Schauer stand in der ersten Reihe, als es um das Einrichten von Leitern und Fixseilen für das Durchsteigen des überaus gefährlichen Khumbu-Eisbruchs ging.

„Am 1. April haben wir dann den Weg durch gefunden.“ Reinhold Messner und Peter Habeler wagten dann den ersten Gipfelsturm, mussten aber aufgrund von Schlechtwetter umkehren. Weil Robert Schauers geplanter Seilgefährte Franz Oppurg erkrankte, ging er mit Sherpa-Führer Angphu als Nächster los. Knapp dahinter die zweite Seilschaft mit Wolfgang Nairz und Horst Bergmann. Er legte für die nachfolgenden Kollegen die Spur, die etwa eine halbe Stunde hinter ihm waren. Nur aufgrund eines Vermessungsgestells, das die Chinesen wenige Jahre zuvor an der Spitze des Mount Everest fixiert hatten, konnte er trotz der schlechten Sicht erkennen, dass sie den Gipfel erreicht hatten. Eineinhalb Stunden lang verweilten sie am Gipfel. „Aber eine Besteigung ist erst dann erfolgreich, wenn du wieder im Basislager ankommst.“ Und das gelang.

Robert Schauer hält nicht hinter dem Berg, dass es auch Rückschläge, persönliche Niederlagen gab und er auch da und dort nur mit Glück überlebte. Es war bei der Besteigung des Makalu (8.485 Meter) in Nepal, dem fünfthöchsten Berg der Welt.  „Ich war allein unterwegs“, erinnert er sich. Beim Abstieg nach Erreichen des Gipfel ist er knapp unter dem Gipfel rund 150 Meter über ein steiles Eisfeld abgestürzt – sich immer wieder überschlagend, bis ein Weichschneefeld seinen Sturz stoppte.

Er hat zwei Pickel verloren, den einen wieder gefunden, weil er ein Stück weit wieder aufstieg. So musste er auf 8.200 Metern ohne Schlafsack und Zelt biwakieren. Da galt es, alle seine Fähigkeiten zu mobilisieren.  „Wenn du gänzlich verängstigt reagierst, die Hosen voll hast, ist das das Schlechteste in einer solchen Lage – besonders beim Abstieg.“ Und da erinnerte er sich an seine Anfänge im Klettergarten Andritz-Weinzödl: „Dass du bei jedem Schritt, den du setzt, dir überlegen musst, wie der nächste ausschaut oder ob es den dann überhaupt noch gibt.“