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Das lebhafte Treiben am Obstmarkt. Dieser gehört seit jeher zu den beliebtesten Treffpunkten der Stadt. Seit über 500 Jahren werden im Herzen der Altstadt Obst, Gemüse und Lebensmittel verkauft.

Shoppen und Schlemmen: Die Lauben, überdachte Gänge in der Altstadt, sind das Herz von Bozen. Sie bildeten als Straßenmarktanlage im Mittelalter das Zentrum Bozens.

Shoppen und Schlemmen: Die Lauben, überdachte Gänge in der Altstadt, sind das Herz von Bozen. Sie bildeten als Straßenmarktanlage im Mittelalter das Zentrum Bozens.

Bozen für Feinschmecker: Speck, Schüttelbrot und Wein sind die klassischen Südtiroler Spezialitäten. Die kulinarische Vielfalt spiegelt den Mix aus alpiner Bodenstätndigkeit und mediterraner Leichtigkeit wider.

Bozen für Feinschmecker: Speck, Schüttelbrot und Wein sind die klassischen Südtiroler Spezialitäten. Die kulinarische Vielfalt spiegelt den Mix aus alpiner Bodenstätndigkeit und mediterraner Leichtigkeit wider.

Bars und Cafés, die bei jedem Wetter dazu einladen, den Espresso im Freien zu genießen.

Bars und Cafés, die bei jedem Wetter dazu einladen, den Espresso im Freien zu genießen.

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Viel G‘spür für das Feine

Freitag, 21. Dezember 2018

Lokalaugenschein beim kältesten „Coldcase“ – in Bozen

Die Südtiroler Landeshauptstadt Bozen strahlt für Besucher – damit also auch für uns – eine herzliche Unkompliziertheit aus: verwinkelte Gassen, barocke Häuser, bunte Marktstände – Tradition und Dolce Vita gehen hier eine ideale Verbindung ein.

Wer jetzt den Bozner Christkindlmarkt besucht, taucht ein in eine Zauberwelt. Und nicht zu vergessen die Gletschermumie Ötzi: sie ist weltweit wohl der Kälteste der „Coldcases“. Ein lang zurückliegender Mordfall, über den zu wenig bekannt ist.

Was Bozen noch so besonders macht: Alpiner Charme mischt sich mit mediterranem Flair, dem man sich nicht entziehen kann. Knapp 100.000 Einwohner zählt die Stadt. Nirgendwo in Südtirol sind das Italienische und das Deutsche so nah beieinander. Für rund ¾ ist Italienisch die Muttersprache, für rund ¼ Deutsch und ein kleiner Teil Ladinisch. Das Verhältnis ist genau umgekehrt wie im Rest Südtirols. Die Stadt, strategisch an einer wichtigen Nord-Süd-Route gelegen, war immer eine Handelsmetropole, ein Treffpunkt. Davon zeugen die berühmten Lauben im historischen Zentrum. Noch heute kann man in den Arkadengängen mit den vielen kleinen Boutiquen wetterunabhängig gemütlich flanieren.

Nun ist Bozen nicht gerade ein Ortfür Schnäppchenjäger – aber perfekt für jeden mit Sinn für das Feine. Zum Beispiel der Obstmarkt. An den Standln´türmen sich glänzend polierte Äpfel, saftige Tomaten, hausgemachte Marmeladen, Speck, Schüttelbrot und alles, was das Feinschmeckerherz begehrt.Viele Geschäfte sind seit Generationen in Familienbesitz. Niederlassungen von internationalen Ladenketten, die andere Orte so verwechselbar machen, gibt es in der Altstadt nur sehr wenige.

In jeder Gasse laden kleine Cafés, Bars und Restaurants zum Pausemachen ein. Aber im „Città“ im Stadthotel muss man einmal gesessen haben. Denn hier trifft man sie alle: die Damenrunde aus der Bozner Gesellschaft beim Champagner, den Geschäftsmann bei einem schnellen Espresso, und uns, die wir einfach nur den Blick auf den Waltherplatz umherschweifen lassen und uns noch ein Stück Südtiroler Apfelstrudel mit Mürbteig bestellen.

Klänge und Farben der Weihnachtszeit prägen das Stadtbild, der Waltherplatz beherbergt die traditionellen Holzhütten des Christkindlmarkts. Man taucht ein in eine Zauberwelt. 80 Standbetreiber bieten typischen Weihnachtsschmuck, handgefertigte Produkte aus Holz, Glas, Keramik, neben Geschenkideen aus dem lokalen Kunsthandwerk. Die Abenddämmerung in der Vorweihnachtszeit, mit Blick auf die Dolomitenwelt, schafft eine besondere Stimmung in der Altstadt.

Wer ermordete Ötzi?

Das Südtiroler Archäologiemuseum mit dem wohl weltweit berühmtesten Mordopfer – noch dazu aus der Eiszeit – liegt inmitten der Altstadt. Die Gletschermumie ruht in einer Kühlkammer bei konstant minus sechs Grad Celsius hinter dicken Panzerglasscheiben. Ötzi, der Mann aus dem Eis, ist die am besten erhaltene Mumie der Welt. Ein Mann aus der Kupferzeit, der in einem Gletscher entlang der norditalienischen Grenze zu Österreich eingefroren wurde, bis die globalen Temperaturen das Eis schmelzen ließen und er 1991 von zwei Wanderern entdeckt wurde. Die Todesursache blieb lange ungewiss, bis eine Röntgenaufnahme der Mumie eine Pfeilspitze zeigte, die sich direkt unter Ötzis Schulter in seinem Rücken befand. Der 5.300 Jahre alte Mann aus dem Eis wurde vermutlich hinterrücks ermordet. Mit einer Fülle neuer wissenschaftlicher Informationen, die die Forscher zusammengetragen haben, ist es ihnen nun gelungen, ein bemerkenswert detailliertes Bild davon zu erstellen, was dem Mann an diesem schicksalhaften Tag auf dem Tisenjoch widerfahren ist. Der Gletscher konservierte Ötzi nicht nur an jenem Ort, wo er gestorben war; die hohe Luftfeuchtigkeit des Eises hielt auch seine Organe und Haut weitgehend intakt. Stellen Sie sich vor: die Forscher kennen den Mageninhalt einer Person vor 5000 Jahren! Diese Inhalte waren, wie sich später herausstellte, entscheidend dafür, was mit Ötzi geschah, und sie halfen sogar, das mögliche Motiv seines Mörders besser zu erklären. Polizeiermittler vermuten ein persönliches Motiv oder Rache – aber man könnte wohl endlos darüber spekulieren, was es im Endeffekt war. Neben dem Blick auf Ötzi werden u.a. auch noch Original-Pfeile und Ötzis Kupferbeil sowie mühevoll zusammengesetzte Kleidungsstücke gezeigt.

Ein unglaublich faszinierender Blick in die Welt vor 5.300 Jahren! Das zeigt auch der tägliche Besucheransturm.