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Matthias Ohner, Franz Solar (Weinberl) und Clemens Maria Riegler (Christopherl). Fotos: Lupi Spuma / Schauspielhaus Graz

Werner Strenger als Gewürzkrämer Zangler und Clemens Maria Riegler.

Werner Strenger als Gewürzkrämer Zangler und Clemens Maria Riegler.

Ein gelungener Jux

Donnerstag, 31. Januar 2019

… mit viel Tempo, Witz, Gespür und Hintergründigkeit

Nach seiner erfolgreichen Inszenierung von „Der Talisman“ widmet sich der Grazer Regisseur Dominique Schnizer diesmal der wohl berühmtesten Komödie Nestroys – „Einen Jux will er sich machen“. Die junge österreichische Autorin Stefanie Sargnagel sorgt dafür, dass es den Couplets nicht an aktuellen, humorvoll-bissigen Bezügen mangelt. Und nicht zuletzt der tosende Applaus am Ende des Stücks beweist, dass dem Schauspielhaus Graz damit ein genialer Jux gelungen ist.

Es gibt ein makelloses Happy End, doch bis es dazu kommt, erleben die Besucher einen Wirbel der Verkleidungen, Verwechslungen, der Scharaden und Verwicklungen. Alles besticht durch viel Tempo, brillanten Sprachwitz und turbulenter Situationskomik und entbehrt aber auch nicht der für Nestroy typischen satirischen Gesellschaftskritik. Denn auch in diesem Stück dreht sich schlussendlich alles ums Geld und um den Handel – alles ist Ware, selbst zwischenmenschliche Beziehungen.

Und wer will nicht einmal dem Alltag entfliehen, alle Konventionen und Zwänge hinter sich lassen, für einen Moment ein anderer sein und Abenteuer erleben? Genau diese Sehnsucht veranlasst den braven, zuverlässigen Handlungsgehilfen Weinberl aus dem Ernst des Lebens auszubrechen, als sich ihm die Gelegenheit bietet: Sein Prinzipal, der Gewürzkrämer Zangler, reist in die Hauptstadt, um heimlich einer „Herzenssache“ nachzugehen. Inzwischen soll Weinberl das Geschäft bewachen, ehe ihn Zangler bei seiner Rückkehr zum Teilhaber befördern will. Angesichts dieser bevorstehenden restlosen Verhäuslichung – denn als Kompagnon wird er wohl kaum noch Zeit haben, das Geschäft zu verlassen – will Weinberl zumindest einmal in die große, weite Welt hinaus, ein „verfluchter Kerl“ sein, um später im geregelten Gewürzkrämerleben stolz auf dieses Abenteuer zurückblicken zu können. Gemeinsam mit seinem Lehrling Christopherl sperrt er deshalb heimlich den Laden zu und fährt ebenfalls nach Wien, um sich im Großstadtdschungel einen Jux zu machen. Doch die große, weite Welt ist oft kleiner als man denkt, und so laufen die beiden Abenteurer beinahe ihrem Dienstherrn in die Arme und taumeln auch sonst von einer Klemme in die nächste …

Erleben kann man diese Posse mit Gesang von Johann Nestroy in Graz noch am 10. Februar um 15 Uhr sowie am 14. Februar um 19:30 Uhr im „Haus Eins“.

Infos und Tickets:
https://www.schauspielhaus-graz.com/