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Fotos: Rainer Possert

Rainer Possert von der Gedenkinitiative

Rainer Possert von der Gedenkinitiative

Liebenau-Beschreibung

Liebenau

Gedenkinitiative hartnäckig

Montag, 21. Januar 2019

NS-Lager-Liebenau

Im Graz Museum läuft noch bis 8.4.2019 Die Ausstellung „Lager Liebenau – Ein Ort verdichteter Geschichte“. Anlässlich des Runden Tisches  „Bodenfundstätte Lager Liebenau“ mit den Archäologinnen Gerald Fuchs, Eva Steigberger und Claudia Theune im GrazMuseum sieht sich die Gedenkinitiative Graz-Liebenau (GGL) zu einer Stellungnahme veranlasst. Sie fordert ja bekanntlich seit 2013 die weitest gehende Aufklärung der NS-Verbrechen am Grünanger. Dazu gehöre auch die Suche nach den Opfern.

Rainer Possert von der Gedenkinitiative verweist dabei auf eine Äußerung von Bürgermeister Siegfried Nagl in „Steiermark heute“ am 11.08.2017 in Zusammenhang mit der Opfersuche am Grünanger: „Jene Bereiche, die frei geblieben sind, werden diese Grabungen erleben – und da werden wir nicht müde werden, alles aufzuzeigen.“

Ein weiterer wichtiger Hinweis rührt aus dem Jahr 1946 von Sir Douglas Young, dem Vorsitzenden des „Liebenauer Prozesses: „…es liegen dort noch viele unter der Erde.“

Und Rainer Possert führt auch eine Aussage des Archäologen Gerald Fuchs an: „Es ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis man diese Plätze findet, die Schätzungen schwanken bis zu einigen Dutzend und einigen Hundert – wieviele wirklich dort liegen, weiss kein Mensch.“

Für Rainer Possert sind das ernstzunehmende Hinweise, dass 1948 nicht alle Opfer aufgefunden wurden. Das seit 10.10.2013 vorliegende wissenschaftliche Gutachten derDr. Carls Luftbilddatenbank (multitemporale Luftbildanalyse) weist 188 lokalisierte georeferenzierte Strukturen auf, davon 11 „verfüllte Bombentrichter“ und andere Verdachtsflächen wie veränderte „Hohlformen“, Aufschüttungen und Gräben im unmittelbaren Lagerbereich undbenachbarten landwirtschaftlichen Flächen.

Der Analyse lag eine Zeitreihe von Luftbildern (25.02., 04.04., 20.04.und 12.05.1945) zugrunde und umfasst daher den Bereich vor und nach der Anwesenheit der Holocaust-Opfer am Grünanger.

In einem der GGL vorliegenden Gutachten (03.11.2014) von Univ.Prof.Claudia Theune, welchem das Gutachten der Luftbilddatenbank zugrunde liegt, werden die Ergebnisse bestätigt und erweitert, allerdings die Möglichkeit einer exakten Lokalisation in Frage gestellt.

In einem weiteren photogrammetrischen Gutachten (22.04.2015) von Dipl.-Ing. Gerald Fuxjäger(Vermessung ADP-Rinner GmbH), dem sogar Stereo-Luftbilder zugrunde liegen, lassen sich Verdachtsflächen auf +/- 50cm lokalisieren. Die Genauigkeit wurde bei zwei vom Bundesdenkmalamt (BDA) durchgeführten Grabungen bestätigt. Dabei sind die Ränder zweier „verfüllter“ Bombentrichter aufgefunden worden, die beim Bau des Hauptkanals der Stadt Graz und bei der Errichtung des „Konsums“ am Grünanger in der Nachkriegszeit „ausgeräumt“ wurden.

Das Gutachten Dr. Carls wurde 2013 dem BDA zur Verfügung gestellt und war 2015 Grundlage für die Eintragung des Areals als archäologische Bodenfundstätte in den Flächenwidmungsplan der Stadt Graz.

Im Bereich des Kindergartengeländes am Grünanger und in der unmittelbaren Nachbarschaft  befinden sich mehrere archäologisch nicht untersuchte Gruben in einer Ausdehnung von ca. 40m x 3m,  dort wurden auch 1991 zwei Opfer geborgen, die geplante Unterkellerung des Gebäudes ist nicht mehr durchgeführt worden, Bauleitung: Stadt Graz.  Wo sich die sterblichen Überreste der beiden Opfer heute befinden, ist nach wie vor ungeklärt (Gerichtsmedizin?)  – so wird eine neue forensische Untersuchung (z.B. DNA-Untersuchung hinsichtlich jüdischer Opfer) verhindert.

Die Verdachtsflächensind somit genauestens definiert,es können jederzeit gezielt archäologische Untersuchungen zur Opfersuche durchgeführt werden –  im Gegensatz zu Rechnitz im Burgenland, wo seit Jahrzehnten nach Massengräberntatsächlich wie nach der „Nadel in einem Heuhaufen“ gesucht wird. Die Suche wird dort von der Israelitischen Kultusgemeinde ideellunterstützt, und es werden ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt  (u.a. BDA).

Mehr Informationen auf unserer Website:
www.gedenken-liebenau.at