Verena Geier vor der Operation. Foto: Verena Geier

Verena Geier vor der Operation. Foto: V. Geier

Univ.-Doz. Daniela Kniepeiss, Verena Geier, Prof.  Peter Schemmer. Foto: LKH-Univ. Klinikum Graz/ Kanizaj

Univ.-Doz. Daniela Kniepeiss, Verena Geier, Prof. Peter Schemmer. Foto: LKH-Univ. Klinikum Graz/ Kanizaj

CT-Bild der Zystenleber. Foto: LKH Univ.-Klinikum Graz

CT-Bild der Zystenleber. Foto: LKH Univ.-Klinikum Graz

Wolfgang Köle, Ärztlicher Direktor (LKH-Univ. Klinikum Graz), Prof. Peter Schemmer (Operationschirurg), Verena Geier, Univ.-Doz. Daniela Kniepeiss (Klinische Abteilung für Transplantationschirurgie) und Anita Fuchs (Stationsleitung)  - Foto: LKH-Univ. Klinikum Graz/ Stieber

Wolfgang Köle, Ärztlicher Direktor (LKH-Univ. Klinikum Graz), Prof. Peter Schemmer (Operationschirurg), Verena Geier, Univ.-Doz. Daniela Kniepeiss (Klinische Abteilung für Transplantationschirurgie) und Anita Fuchs (Stationsleitung) - Foto: LKH-Univ. Klinikum Graz/ Stieber

17,5 kg schwere Zystenleber entfernt

Donnerstag, 28. Februar 2019

Aufsehenerregende Operation im LKH Universitätsklinikum Graz

Verena Geier hat am 23. August 2018 mit einem Schlag ca. 40 kg abgenommen. Der Grund: Ihre Leber war von unzähligen Zysten durchsetzt, die zu einem unglaublichen Lebergewicht von 17,5 kg führten. Im Normalfall beträgt das Gewicht der Leber: 800 g.

Zudem hatte sich im Bauchraum der Patientin extrem viel Wasser angesammelt. Die Transplantationsspezialisten des LKH-Univ. Klinikum Graz entfernten daher das komplette Organ und ersetzten es durch ein neues. Die Steirerin bekam damit ihr Leben samt hoher Lebensqualität zurück.
Das Anziehen von Socken, Stiegensteigen, Spazierengehen – das sind nur einige der Aktivitäten, die für Verena Geier bis vor einem halben Jahr kaum bis gar nicht mehr möglich waren. „Mein Bauchumfang war derartig riesig, dass ich zum Schluss sogar Probleme beim Autofahren hatte. Meine Hände waren fast zu kurz, um das Lenkrad zu erreichen“, erzählt die Steierin rückblickend. Parallel dazu plagten sie Atemnot und starke Schmerzen in der Wirbelsäule. Grund für die Beschwerden war eine auf 17,5 kg angewachsene Leber. In ihr hatten sich unzählige Zysten, also flüssigkeitsgefüllte Hohlräume, gebildet, die nach und nach das Lebergewebe ersetzten. „Man spricht hier von einer sogenannten Zystenleber. Dabei handelt es sich um eine angeborene und meist gutartige Erkrankung“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Daniela Kniepeiss. Die Größe, die die Zystenleber der Patientin erreicht hatte, sei aber selbst für sie als erfahrene Transplantationschirurgin absolut außergewöhnlich. „In der Fachliteratur ist weltweit kein vergleichbarer Fall beschrieben“, so Kniepeiss.
Leberzysten 2005 entdeckt
Die Zysten hatten sich bei Verena Geier 2005 zum ersten Mal bemerkbar gemacht. „Ich hatte damals abwechselnd einen Tag Fieber, einen Tag nicht. Nach einer Woche meinte mein Hausarzt, ich solle mich genauer untersuchen lassen. Im Ultraschall hat man dann die Hohlräume entdeckt“, erzählt die Patientin. Beobachten und Abwarten, lautete die Devise – bei derartigen Erkrankungen eine gängige Vorgehensweise. Auf Empfehlung einer Freundin hin konsultierte die Steierin dennoch 2010 Univ.-Prof. Dr. Peter Fickert, Leiter der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der Grazer Univ.-Klinik für Innere Medizin. Im Rahmen einer Studie bekam sie zwei Jahre lang einmal pro Monat ein spezielles Medikament, das die Zysten verkleinern bzw. verschwinden lassen sollte. Leider ohne Erfolg. Beobachten und Abwarten lautete daher neuerlich die Devise, wobei bereits damals auf die Möglichkeit einer Transplantation hingewiesen wurde. Im April 2018 kam das Thema dann nochmals aufs Tapet. „Prof. Fickert riet mir eindringlich, mich von Univ.-Prof. DDr. Schemmer, dem Leiter der Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, beraten zu lassen“, erzählt die Patientin. Sehr skeptisch sei sie gewesen, „aber letztlich hat es auch für mich keine andere Option gegeben, Prof. Schemmer und Dr. Kniepeiss konnten mir jegliche Bedenken nehmen“, sagt die 34-Jährige heute.
An besagtem 23. August 2018 führte dann Univ.-Prof. DDr. Schemmer die vierstündige Operation durch. Wobei anfangs, so erklärt er, aufgrund der Skepsis der Patientin kurz überlegt worden sei, eine Zystenentdeckelung durchzuführen. „Dabei werden die Zysten geöffnet, sodass die Flüssigkeit abfließen kann. Nachdem wir aber alle Befunde nochmals geprüft hatten, war klar, dass das ganze Organ ausgetauscht werden musste. Da die Bildung der Zysten nicht aufzuhalten war, wäre es nicht zielführend gewesen, einzelne davon zu behandeln“, erklärt der Spezialist.
Nach der OP war Verena Geier um gut 40 Kilogramm leichter. „Abgesehen von der riesigen Leber hatte ich extrem viel Wasser im Bauch“, erzählt sie. Die erste Zeit danach musste sich der Körper erst darauf einstellen. Vor allem der Kreislauf war im Keller. Aber: Schritt für Schritt ging’s zurück in ein Leben mit hoher Lebensqualität. „Sicher muss ich nun lebenslang Immunsupressiva nehmen, aber das ist wirklich kein Problem, denn ich habe keinerlei Einschränkungen im Alltag mehr“, sagt Geier. „Die Entscheidung für die Transplantation war also mit Sicherheit die richtige.“
Zahlen, Daten und Fakten:
Eine Zystenleber bzw. polyzystische Lebererkrankung tritt sehr selten auf – eine von 10.000 Personen erkrankt daran. Die Ursache ist meist genetisch bedingt. Die einzig mögliche Therapie ist die Entfernung des erkrankten Organs (oder Teilen davon), denn eine medikamentöse Behandlung gibt es nicht.
2018 wurden an der Klinischen Abteilung für Transplantationschirurgie der Univ.-Klinik für Chirurgie des LKH-Univ. Klinikum Graz 39 Spenderlebern, 99 Nieren und zwei Bauchspeicheldrüsen transplantiert. Nach Angaben von Prof. Peter Schemmer war der Verlauf bei allen Fällen bis heute erfolgreich. Rund 100.00 Euro betrugen die Operationskosten im Falle von Verena Geier, so Wolfgang Köle, ärztlicher Direktor des LKH Universitätsklinikum Graz.  Seit Februar ist auch ein neues Organkonservierungsgerät im Einsatz, das es ermöglicht, eine Spenderleber bis zu 72 Stunden lang zu konservieren. Bisher war das für ca. zwölf Stunden möglich. Das Gerät wird auch mobil eingesetzt, d. h. die Transplantationschirurgen können das Spenderorgan direkt nach der Entnahme übernehmen und nach Graz transportieren.