Stueckler, Ruppe, Drexler klein

Projektleiter Andreas Stückler, GF und Projektleiter Georg Ruppe und Landesrat. Christopher Drexler (v.l.). „Wir müssen uns stärker vor Augen führen, dass trotz aller Verletzlichkeiten, die das hohe Alter mit sich bringt, auch zahlreiche Potentiale bestehen, die es zu unterstützen und zu fördern gilt. Besonders erfreulich ist die hohe Lebenszufriedenheit. Um diese zu erhalten und noch weiter zu steigern, brauchen wir eine neue Kultur des Alterns – eine Alternskultur – mit der wir einem realistischen Bild des Älterwerdens begegnen und beginnen, uns bereits in jungen Jahren aktiv mit dem hohen Alter auseinandersetzen“, betont Landesrat Christopher Drexler. „Die Ergebnisse der Studie sind auch ein Auftrag, weiter daran zu arbeiten, alternative Konzepte für das Leben und Wohnen sowie die Pflege und Betreuung älterer Menschen zu etablieren. Dass ältere Menschen am liebsten in ihrem eigenen Zuhause bleiben möchten, untermauert auch diese Studie. Deshalb gilt für mich in der Pflege weiter der Leitsatz ‚mobil vor stationär‘.“ Foto: steiermark.at/Streibl

Schon in jungen Jahren aktiv mit dem hohen Alter auseinandersetzen

Montag, 25. Februar 2019

Wir alle werden älter und erreichen verbreitet und erfreulicherweise ein sehr hohes Lebensalter. Die Gruppe der über 80-Jährigen wächst unter anderem dank hoher Standards im Bereich Gesundheit und Pflege. Sie sind heute bereits die am stärksten wachsende Bevölkerungsgruppe und in ihren Bedürfnissen, Wünschen, Ressourcen so heterogen wie keine andere. Der Wissenstand über Hochaltrige ist dennoch in weiten Bereichen noch sehr bescheiden und oft sogar widersprüchlich. Die „Österreichische Interdisziplinäre Hochaltrigenstudie“ stellt daher diese älteren Menschen in den Mittelpunkt der Untersuchung. Das Land Steiermark ist seit der Pilotphase im Jahr 2013 als Förderer und Studienobjekt dabei und konnte 2015 bereits erste Ergebnisse vorstellen. Mittels qualitativer Interviews wurden Lebenssituationen sowohl in Pflegeeinrichtungen als auch in Privathaushalten beforscht und dies über einen mehrjährigen Zeitraum. Die Ergebnisse der zweiten Erhebungswelle (2015 bis 2018) wurden heute vom für Gesundheit und Pflege zuständigen Landesrat Christopher Drexler und den Studienautoren präsentiert.

Landesrat Christopher Drexler: „Wir werden im Schnitt immer älter. Mehr Ältere und mehr Hochaltrige in einer Gesellschaft bedingen in einigen Bereichen auch ein Umdenken, um Vorsorge und natürlich auch Verantwortung für die älter werdende Bevölkerung zu tragen. Deshalb unterstütze ich diese Studie bereits seit ihrer Pilotphase, da nicht nur über ältere Menschen, sondern vor allem mit ihnen geredet wird. Die Ergebnisse und besonders aufschlussreichen Vergleiche zur ersten Erhebung, sind für uns ein Auftrag, die Infrastrukturen und Angebote für ältere Menschen so zu gestalten, dass die Lebensqualität und -zufriedenheit auch im hohen Alter möglichst groß bleibt.“

Die Studienautoren, Georg Ruppe und Andreas Stückler von der Österreichischen Plattform für Interdisziplinäre Altersfragen (ÖPIA), präsentierten die interessantesten Ergebnisse der zweiten Untersuchungswelle von 2015 bis 2018 im Spannungsfeld von „Verletzlichkeit“ (physisch und psychisch) und Potentialen (Autonomie, Selbstbestimmung) des hohen Alters. Diese Studie legt vor allem den Fokus auf individuelle Lebens- und Selbstgestaltung, sprich auf die Ressourcen, Fähigkeiten und Handlungsorientierungen die den Hochaltrigen zur Verfügung stehen bzw. die sie einsetzen, um trotz Einschränkungen und Verlusten ein sinnerfülltes und glückliches Leben zu führen.

Aus den Studienergebnisse kann beispielhaft etwa die Wechselbeziehung von hoher Sterblichkeit bei negativer subjektiver Bewertung der eigenen Gesundheit, bei niedrigem sozioökonomischem Status, bei eingeschränkter Mobilität, bei hohem Medikamentenkonsum oder bei schlechtem kognitiven Status erwähnt werden. Vorsichtiger, aber bemerkenswert zu erwähnen ist das offensichtliche Potential, auch im höchsten Lebensalter gesundheitliche und funktionale Einbußen soweit kompensieren zu können, dass sogar, wenn auch in kleinem Ausmaß, Verbesserungen bzw. Rückentwicklungen dieser Beschränkungen festgestellt werden konnten (Pflegestufenverbesserung). Ein deutliches und positives Signal ist die hohe Lebenszufriedenheit innerhalb der befragten Gruppe auch mit steigendem Alter. Mehr als 75 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer geben an, mit ihrer Lebenssituation sehr oder eher zufrieden zu sein – ein ähnlich hoher Wert wie bei der Ersterhebung drei Jahre früher! Dennoch wird eine entsprechende persönliche Vorbereitung, eine individuelle Auseinandersetzung oder Vorsorge für das Alter zu treffen größtenteils verdrängt oder sogar bewusst abgelehnt.