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v.l.: Reinhold Tinchon, Dietger Wissounig (Architekten), Direktor Adolf Inzinger (Gesamtleiter der österr. Ordensprovinz), Bürgermeister Siegfried Nagl, Pater Provinzial Frater Saji Mullankuzhy OH, Landesrat Christopher Drexler, Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer, Landesrätin Ursula Lackner und Gesamtleiter Oliver Szmej (Krankenhausvorstand Graz). Foto: Schiffer Photodesign

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„Schwierige Operation“

Mittwoch, 27. Februar 2019

Ordenskrankenhaus Graz-Mitte entsteht bis Ende 2021

Die Verantwortlichen – von Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer, über die Landesräte Ursula Lackner, Christopher Drexler sowie Bürgermeister Siegfried Nagl bis hin zu den Ordensverantwortlich – sprachen beim Spatenstich für das künftige „Ordenskrankenhaus Graz-Mitte“ in der Marschallgasse 12 von einem Meilenstein für die Gesundheitsversorgung der Stadt Graz.

Der Um- und Ausbau in der Marschallgasse findet bei vollem Spitalsbetrieb statt. Also eine „schwierige Operation.“ Bis Ende 2021 soll das Projekt abgeschlossen werden. Abgerissen, betoniert und geschalt wird bereits seit vergangenen November auf dem Gelände des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder. Die Belastungen für Mitarbeiter und Patienten und die beengten Platzverhältnisse während der Bauphase waren auch bei der Spatenstich-Feier deutlich sicht- und hörbar.

Seit mehr als 400 Jahren sind die Barmherzigen Brüder in Graz ein fester Bestandteil der Gesundheitsversorgung in der Steiermark und damit sicher die älteste Institution. Getreu dem Grundsatz „Gutes tun und es gut tun“ des Ordensgründers der Barmherzigen Brüder, dem Heiligen Johannes von Gott.

Der Standort in der Marschallgasse besteht seit rund 150 Jahren und hat zusammen mit dem Standort Eggenberg mehr als 800 Mitarbeiter in neun medizinischen Abteilungen. Im Zuge der Strukturreformen in der steirischen Spitalslandschaft (Gesundheitsplan 2035) werden das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Graz und jenes der Elisabethinen künftig als „Ordenskrankenhaus Graz-Mitte“ ihr Leistungsangebot sowie ihre Versorgungsprozesse genau aufeinander abstimmen.

Dabei übernimmt das Krankenhaus der Elisabethinen Graz von den Barmherzigen Brüdern die Abteilung für Neurologie sowie die Abteilung für Psychiatrie/Psychotherapie – inklusive eines Wechsels des Versorgungsauftrages in Richtung Alterspsychiatrie. Weiters wird ein Department für Akutgeriatrie und Remobilisation etabliert. Im Gegenzug werden vom Krankenhaus der Elisabethinen die Abteilungen für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Chirurgie sowie Anästhesie und Intensivmedizin an den Standort Marschallgasse übersiedeln. Dort werden dann alle operativen medizinischen Fächer (derzeit bereits Chirurgie und Gynäkologie) an einem Standort gebündelt und der operative Schwerpunkt des Ordenskrankenhauses Graz-Mitte gebildet.

Die Leistungsangebote nicht bettenführender Bereiche, wie Labordiagnostik oder Radiologie, werden ebenfalls eng aufeinander abgestimmt. Beide Krankenhausstandorte sind weiters im Rahmen der virtuellen EBA in die steirische Akutversorgung eingebunden (EBA ist die Notaufnahme im Krankenhaus und bedeutet „Erstuntersuchung-Beobachtung-Aufnahme“).

Am Standort in der Marschallgasse werden in den kommenden Jahren 70 Millionen Euro investiert, wobei zwei Drittel der Investition vom Land Steiermark getragen werden. Laut Angaben von Krankenhausvorstand und Gesamtleiter Oliver Szmej verzeichnen die Barmherzigen Brüder jährlich rund 22.000 stationäre und zwischen und 50.000 und 60.000 ambulante Patienten. Mit dem Ausbau wird das Krankenhaus über 362 Betten verfügen. Der Standort der Barmherzigen Brüder in Eggenberg wird geschlossen. „Der Umsetzungshorizont geht bis 2025, der genaue Zeitpunkt hängt von der Fertigstellung hier in der Marschallgasse und bei den Elisabethinen ab“, erklärt Oliver Zmej, Chef der Barmherzigen Brüder in Graz.

Ein derart großes Krankenhaus mitten in der Stadt gelegen sorgt auch für Probleme. Eines davon ist der Verkehr. Der Ausbau wird das Verkehrsaufkommen verstärken, es stehen jedoch viel zu wenige Parkmöglichkeiten zur Verfügung. Der Bau einer Tiefgarage wird überlegt. Die Barmherzigen Brüder schließen mit dem Ausbau ja unmittelbar an das Minoritenkloster an. Eine Variante wäre eine verbundene Tiefgarage mit den Minoriten und dem Standort Mariahilf. Seltsam mutet an, dass in einem „Verkehrsgutachten“ die Rede davon ist, dass der Ausbau des Krankenhauses zu keiner weiteren spürbaren Zunahme des Verkehrs führen werde. Schon jetzt klagen nicht zuletzt die Anrainer über die neuralgische Verkehrssituation. Das Krankenhaus selbst verfügt über eine Garage mit 140 Stellplätzen. Diese sind aber den Mitarbeitern zur Verfügung gestellt.

In der Patientenbetreuung und Organisation sind allerdings nur noch wenige Ordensangehörige tätig. Dennoch haben die Ordensspitäler der Barmherzigen Brüder und auch der Elisabethinen einen guten Ruf in der Patientenbetreuung, wie man aus Befragungen weiß. „Ein besonderes Merkmal liegt in der Hin- und Zuwendung des Personals den Patienten gegenüber. Mehr als 80 Prozent der Patienten zeigen sich damit zufrieden“, erklärt Christian Lagger, Verwaltungsdirektor der Elisabethinen in Graz. In öffentlichen Spitälern liegt dieser Wert bei etwa 30 bis 40 Prozent. Der Orden der Barmherzigen Brüder betreibt in mehr als 50 Staaten auf allen fünf Kontinenten Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Sozial- oder andere Gesundheitseinrichtungen, Hospize sowie Fachschulen. Im Sinne der Hospitalität (der christlichen Gastfreundschaft) sorgen ca. 1.050 Brüder gemeinsam mit etwa 58.000 haupt- und rund 31.000 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für kranke und alte Menschen, Menschen mit Behinderung, Sterbende, Drogenkranke, Obdachlose oder Kinder, die Hilfe brauchen. Und dies ohne Ansehen der Person, ihrer Herkunft, Nation, Religion, des Geschlechts oder des sozialen Status.

In der Österreichischen Ordensprovinz mit Standorten in Österreich, Tschechien, Ungarn und der Slowakei betreiben die Barmherzigen Brüder gemeinsam mit rund 8.530 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (Daten per 31.12.2018) an mehr als 30 Standorten zwölf Krankenhäuser sowie zahlreiche weitere Sozial- und Gesundheitseinrichtungen wie Alten- und Pflegeheime, Lebenswelten für Menschen mit Behinderungen, eine Therapiestation für Drogenkranke, Hospize oder Kureinrichtungen.