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AK-Präsident Josef Pesserl und Abteilungsleiter Alexander Gratzer. Foto: AK-Temel

„So schlecht, dass es zum Himmel schreit“

Donnerstag, 21. Februar 2019

AK-Präsident Josef Pesserl zur Situation in der Pflege

Die Politik sei nicht bereit, den gesetzlichen Rahmen zu erstellen, damit die Pflegebedürftigen, wie auch die rund 26.000 Pflegekräfte und rund 133.000 pflegenden Angehörige in der Steiermark vernünftige Bedingungen vorfinden, so AK-Präsident Josef Pesserl.

Die Bevölkerung wächst und altert gleichzeitig. So erhöht sich auch die Zahl der über 65-jährigen Steirerinnen und Steirer in den kommenden Jahren. Bei rund 1,2 Millionen Bewohnern, die die Steiermark hat, waren es im Jahr 2017 bereits 248.000 Menschen, die über 65 Jahre waren.

Es herrsche ein Pflegenotstand. Die eine Seite sei, dass es zu wenig Personal gibt. Hinzu kommt, dass mehr und mehr Pflegekräfte (Pesserl: „die machen ihren Job gern“) die psychischen und physischen Belastungen mittelfristig nicht mehr bewältigen und ins Burnout schlittern. Weiters können die Pflegeeinrichtungen die Kosten nicht mehr stemmen. Es brauche daher nicht nur mehr Rechtssicherheit, sondern dazu auch mehr Mittel in der Pflege.

Seit Dezember 2018 gibt es die politische Idee eines Masterplans für die Pflege. Das ist eine Chance, die zur Entlastung aller Beteiligten und zu mehr Qualität in der Pflege führen kann, sagt AK-Präsident Josef Pesserl: „Gerne beteiligt sich die AK an diesem Prozess und bringt ihre Expertise ein.“ Die Arbeiterkammer steht mit ihrem Beratungs- und Serviceangebot mitten im Versorgungsdreieck zwischen Pflegebedürftigen, deren Angehörigen und der professionellen Pflege.

Oberstes Ziel für die Arbeiterkammer ist, dass alle Menschen in Österreich ohne finanzielle Barrieren Zugang zu qualitätsvoller Pflege haben. „Das schließt gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten mit ein“, betont der AK-Präsident. Notwendig ist eine nachhaltige und solidarische Finanzierung der Pflege.

Zentrale Probleme
„Bei den Beschäftigten in den Pflege- und Gesundheitsberufen herrscht akuter Personalnotstand – die Belastungen sind enorm. Beim Personaleinsatz in Pflegeheimen liegt die Steiermark im unteren Durchschnitt der Bundesländer. Dazu kommt ein drängender Fachkräftemangel durch zu wenige Ausbildungsplätze“, sagt AK-Experte Alexander Gratzer.

80 Prozent der Pflegebedürftigen leben daheim, 40 Prozent ohne fremde Hilfe. Das Pflegegeld hat seit seiner Einführung 30 Prozent an Kaufkraft verloren. Notwendig sind auch unabhängige, regionale Beratungszentren (vergleichbar der Pflegedrehscheibe in Graz).

Ein Drittel der AK-Mitglieder (32%) sind als pflegende Angehörige mit Pflege befasst und damit zusätzlich zum Beruf belastet. Viele haben deshalb ihre Arbeitszeit reduziert. Notwendig sind eine finanzielle Absicherung und das Recht auf Pflegekarenz mit einer Rückkehrmöglichkeit in den Beruf.

Pflege ist schon länger ein großes Thema für die Arbeiterkammer. Bereits im Jahr 2012 wurde die Abteilung Gesundheit, Pflege und Betreuung eingerichtet. Die Nachfrage nach einer unabhängigen Beratung für Pflegebedürftige, deren Angehörige und die Beschäftigten in diesem Bereich ist groß.