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Fotos: Heimo Ruschitz

Günter Riegler, Marion Kreiner, Siegfried Nagl, Hermann Schützenhöfer, Simone Schmiedtbauer, Kurt Hohensinner (v.l.). Foto: DJakob

Günter Riegler, Marion Kreiner, Siegfried Nagl, Hermann Schützenhöfer, Simone Schmiedtbauer, Kurt Hohensinner (v.l.). Foto: DJakob

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Kurt Hohensinner, Daniela Gmeinbauer, Marion Kreiner, Siegfried Nagl, Johannes Zink, Oona Horx-Strathern, Dieter Szolar, Barbara Riener, Günter Riegler

Kurt Hohensinner, Daniela Gmeinbauer, Marion Kreiner, Siegfried Nagl, Johannes Zink, Oona Horx-Strathern, Dieter Szolar, Barbara Riener, Günter Riegler

Wer steuert Nagls Werbeoffensive?

Montag, 01. April 2019

Für die Grazer ÖVP als Bürgermeister unverzichtbar

Es war nicht anders zu erwarten – der Parteitag der Grazer ÖVP war als Mehrpersonenstück mit Siegfried Nagl in der Hauptrolle und mehr oder minder interessanten Nebendarstellern inszeniert. Und so gesehen konnte nichts schieflaufen. Die Wahl mit 99 Prozent der 340 Delegiertenstimmen erinnert an Wahlergebnisse in Ländern mit anderen politischen Systemen. Es ist das fünfte Mal gewesen am Samstag in der Aula der Alten Universität, dass Nagl das Vertrauen seiner Parteifunktionäre bekam.

Das 99-Prozent-Ergebnis drückt aber auch aus, dass es in der Grazer ÖVP kaum – öffentlich dokumentierte – Kritik an Siegfried Nagl gibt, der seit dem 26. März 2003 in Graz als Bürgermeister im Amt ist. Sein erster großer Auftritt war damals der Besuch im Rathaus von Michael Gorbatschow und dessen Eintragung ins Goldene Buch der Stadt Graz.

Ein Zeichen der Belastung, die der Bürgermeister-Job für Siegfried Nagl bringt, machte er am Parteitag öffentlich: Es wurde ihm – im Zuge einer Gesundenuntersuchung entdecke man das Herzproblem – ein Stent (Gefäßstütze) eingesetzt. Nicht zufällig war die Gesundheit ein Thema beim Auftakt des Parteitages am Samstag Vormittag. Radiologe Dieter Szolar befasste sich mit der Frage: Wird Gesundheit zum Luxusgut? In seinem Institut erfuhr Nagl auch erstmals von seinem Herzproblem.

Wie es sich gehört, feierten die Delegierten auch die steirische ÖVP-EU-Spitzenkandidatin Simone Schmiedtbauer. Ihre zentrale Botschaft: „Europa neu denken.“ Zu den Megatrends und der Stadt der Zukunft nannte Oona Horx-Strathern anschauliche Beispiele. Mit der Thematik „Gilt lebenslanges Lernen auch für Politiker?“ setzte sich Rechtsanwalt Johannes Zink auseinander. Er nannte dabei Beispiele von Politikern und Beamten, die aufgrund mangelnder Sachkenntnis vor Gericht mussten. Leicht pikant deshalb, da Johannes Zink auch die langjährige PR-Beraterin Claudia Babel vor Gericht im Telekom-Prozess vertreten hat. Dabei ging es um eine 120.000-Euro-Spende an die Grazer ÖVP. Claudia Babel war mit ihrer Werbeagentur eine der engsten Vertrauten von Siegfried Nagl. Dieser musste sich von ihr als Beraterin schon mehrere Male „trennen“. Das letzte Mal erst vor knapp 14 Tagen mit einem Knalleffekt. Nagl hatte Babel wiederum als Beraterin für den kommenden Wahlkampf genannt und musste zwei Tage später die Zusammenarbeit wieder aufkündigen. Der Auslöser waren Berichte über eine Anti-Shopping-City-Seiersberg-Homepage. Nagls Werbeberaterin soll dort aktiv mitgewirkt haben und der Bürgermeister distanzierte sich von einem derartigen Vorgehen.

Am Parteitag in der Aula der Alten Universität in Graz war Nagls Werberin dennoch „anwesend“. Denn in der aktuellen Plakat- und Werbekampagne für Nagl ist ihre Handschrift als Werberin. Ist es doch jene Linie, mit der Siegfried Nagl auch in der Vergangenheit den Grazern sympathisch und zum Angreifen ans Wählerherz gelegt worden ist. Man darf gespannt sein, ob und wann er die scheinbar für ihn unersetzliche Weberin wieder in sein Beraterteam zurück holt. Oder ob sie nur inoffiziell und im Hintergrund ihm mit ihrer Kreativität zur Verfügung steht.

Fotos: Heimo Ruschitz