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Entlang des Verdon

Entlang des Verdon

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Natur „explodiert gerade“

Montag, 27. Mai 2019

Mit Weltweitwandern den Duft der Provence einatmen

„SO soll Urlaub beginnen“, berichten Jaqueline und Peter aus Berlin erfreut darüber, als sie damals das schmucke, rote Mäppchen mit den Infos zur bevorstehenden Wanderreise erhalten haben. Sie sind zum ersten Mal überhaupt auf einer Wanderreise und haben bei Weltweitwandern aus Graz gebucht.

Text und Fotos: Isabella Hasewend

Gemeinsam mit den beiden sowie Gabi, die aus St. Stefan/Stainz kommt, Adelheid und Susanne aus Wien und Sandra aus Köln sitze ich auf der Terrasse des „Bellevue“ – unserer Unterkunft in Cotignac, einem kleinen Dorf in der so genannten „Provence Verte“ (Grüne Provence), rund eineinhalb Stunden Autofahrt von Nizza entfernt. Unsere Gastgeber und Wanderführer für die nächsten Tage sind Carmen und Andreas. Hier im 2.000-Einwohner-Ort Cotignac haben sie ihr „Sommerdomizil“ und betreiben Wanderwochen in der Provence.

Rundherum blüht alles, vor allem die knallroten Mohnblüten, die hervorstechen, haben es uns angetan. Die Natur „explodiert gerade“, drückt es unser Guide Andreas so treffend aus. Ach ja, der Vollständigkeit halber erwähne ich es, da auch ich mir das klassische Bild vorgestellt habe: Für die Blüte der Lavendel-Felder der Provence sind wir noch zu früh dran, das ist im Juni soweit. Aber dafür blüht ALLES andere – viel mehr als nur eine „Entschädigung“! Unsere ständigen „Wegbegleiter“ sind gelb leuchtende Ginsterblüten, violette Lupinen und sogar Orchideen – und immer wieder duftet es nach Thymian, Salbei und Rosmarin. Unbeschreiblich!

„So riecht die Provence“
Nach einer knapp 15-minütigen Fahrt in einem Mini-Van haben wir unser heutiges Tagesziel erreicht: Aups, eine kleine Gemeinde an den Ausläufern der Alpen, dem sogenannten „Tor zur Verdon“. Wir passieren die Gässchen der Altstadt und gelangen in den umliegende Steineichenwald. Es geht stetig bergan und ich komme ganz schön ins Schnaufen. Entlang des Weges wächst Thymian und Rosmarin wie Unkraut. Beides steht gerade in Blüte und die Rosmarin-Büsche sind meterhoch. „Hier wachsen vorwiegend Aleppokiefern und eben die Steineichen“, erklärt Carmen. All das duftet einfach unglaublich – nach Kräutern und Wald! „Ja, so riecht die Provence“, lächelt Carmen bestätigend, während ich an einer Thymian-Blüte schnuppere.

„… fast ein bisserl kitschig“
Jede der von Carmen und Andreas zusammen gestellten Wandertouren hier in der „Provence Verte“ hat ihren Reiz. „Wir achten darauf, dass es an jedem Tag ein Highlight für die Gäste gibt.“ Mein persönliches Highlight der Reise ist aber unbestritten der „Grand Canyon der Provence“ – die Wanderung im Naturpark Verdon. Am Lac de Quinson, einem See, marschieren wir los. Ein Wirtschaftsweg schlängelt sich nach oben auf den Quinson Pass, von wo aus wir einen Weitblick auf die Berge der Seealpen. „Traumhaft“, ruft Adelheid begeistert, „fast ein bisserl kitschig dieser Ausblick“, deutet sie auf das smaragdgrüne Wasser des aufgestauten Verdon unten im Tal. „Der Verdon ist der drittgrößte Fluss der Provence und entspringt in den französischen Alpen im Massiv von Sestrière. Auf seiner rund 170 km langen Reise bis zur Mündung in die Durance braucht es fünf Stauseen um ihn zu bändigen“, erklärt uns Carmen. „Die Verdonschlucht ist eine der größten Schluchten in Europa, hier hat sich der Alpenfluss über Jahrtausende hinweg geduldig in den weichen Stein gefressen und so eine majestätische und schier atemberaubende Landschaft geschaffen.“ Nicht zuletzt deshalb wird sie gerne mit dem Grand Canyon in den USA verglichen.

Märchenhafter Buchswald
Nach einer kurzen Trinkpause. geht es weiter. „Dann gehen wir durch den Märchenwald“, macht uns Carmen auf den Abstieg neugierig. Ein Steig führt uns hinunter in einen Buchs-Wald. Während in unseren Breiten die Raupe des Buchsbaumzünslers die meist klein und rund zurecht gestutzten Bäumchen zerstört hat, kann Buchs hier „ungehemmt“ wachsen. Und von wegen klein! Hier werden Buchsbäume richtig hoch, erreichen eine Wuchshöhe von bis zu acht Metern. Und alles wirkt irgendwie zauberhaft, fast wie in einem Märchen. Die Baumstämme sind mit Flechten und Moosen bewachsen, die im Sonnenlicht tiefgrün leuchten. Wie in einem Märchen. Ich denke mir, jeden Moment kommt eine Fee hinter einem Baum hervor gesprungen …

Picknick als Belohnung
Wir erreichen einen alten Wasserkanal und folgen diesem nun entlang der aufgestauten Verdon. Das smaragdgrüne Wasser fließt träge dahin und hinter jeder Kurve tut sich uns ein traumhafter Anblick auf, bevor wir wieder zu unserem Ausgangspunkt gelangen, wo dann – wie nach jeder Wandertour – Picknick angesagt ist. Und zwar ein abwechslungsreiches, reichliches und – ohne Übertreibung – wirklich köstliches Picknick, das jeden Tag von Andreas schon in der Früh vorbereitet und in den Mini-Van gepackt wird. So genießen wir zum Beispiel einmal eine leckere französische Spargel-Quiche, natürlich unterschiedlichste Käse-Sorten, Salate, französische Salami mit Nüssen oder Oliven, Obst, auch Kuchen als Nachspeise – und, was in Frankreich natürlich niemals fehlen darf! – frisches Baguette. An das könnte ich mich wirklich gewöhnen. Und es sind nicht zuletzt auch diese Picknicks, die unsere Wanderreise auch zu einer richtigen Genuss-Reise machen – Provence mit allen Sinnen!

Reise-Termine:

8. Juni, 15. Juni, 29. Juni, 7. September, 14. September

Reise-Dauer:

8 Tage, davon 5 Wandertage

Preis:

ab 1.390 Euro

Weitere Infos und Buchungen:

Provence – zwischen Rosmarin & Lavendel