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Gerhard Hirschmann - geboren am am 28. April 1951, verstorben am 27. September 2019. Foto: GEPA pictures

Erst vor wenigen Monaten: Gerhard Hirschmann mit Alt-Bischof Egon Kapellari (re.). Foto: Heimo Ruschitz

Erst vor wenigen Monaten: Gerhard Hirschmann mit Alt-Bischof Egon Kapellari (re.). Foto: Heimo Ruschitz

... mit Hermann Schützenhöfer (Foto: STVP)

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Gerhard Hirschmann mit LH Hermann Schützenhöfer. Foto: Land Steiermark

Gerhard Hirschmann mit LH Hermann Schützenhöfer. Foto: Land Steiermark

Der stille Tod eines großen Steirers

Samstag, 28. September 2019

… dessen Leben aber nie geräuscharm verlief. Gerhard Hirschmann

Es war gestern auf der Zugfahrt von Wien nach Graz, als Gerhard Hirschmann einen Herzinfarkt erlitt. Dieser war so schwer, dass er daran verstarb.

Geboren am am 28. April 1951 in Gnas studierte Gerhard Hirschmann Theologie und Rechtswissenschaften an der Karl-Franzens-Universität in Graz und später an der Universität Straßburg. Nach dem Studium wurde Hirschmann Leiter des Afro-Asiatischen Instituts. In den Jahren 1978 und 1979 arbeitete er als Redakteur für die Kleine Zeitung in Graz. Anschließend begann im Jahr 1979 seine politische Karriere.

Er prägte die progressive Denkwerkstatt „Modell Steiermark“ der Steirischen Volkspartei und leitete diese bis 1981. Danach wurde er Landesparteisekretär der Volkspartei (1981 bis 1989). 1983 wurde Hirschmann bei der Landtagswahl in den Steiermärkischen Landtag gewählt. Ab 1989 war er Klubobmann, von 1993 bis 2003 Landesrat, unter anderem für Tourismus und Sport. Bei der Landtagswahl 2005 versuchte er es – erfolglos – mit einer eigenen Liste.

Eine auffällige Karriere mit Auf und Abs

Am Montag, dem 18.12.1995, hätte Gerhard Hirschmann, 54, seinem Leben eine andere Wendung geben können. Der scheidende und in der Landtagswahl fürchterlich geschlagene Landeshauptmann Josef Krainer präsentiert seinen hoch gewachsenen „politischen Ziehsohn“ als seinen Nachfolger. Hirschmann überlegt, lehnt dann nach einer schlaflosen Nacht für viele überraschend ab und sagt seinerseits, Waltraud Klasnic möge es machen. Sein „Nein“ erfolgte aus privaten Gründen.

Gerhard Hirschmann bleibt in der Regierung, erweitert sich seinen innerparteilichen Spielraum und wird mit dem Wahltriumph von Waltraud Klasnic im Oktober 2000 zu einem noch stärkeren Mitspieler. Seine Ressorts Tourismus, Sport und Kultur bieten ihm dazu eine ausgezeichnete Plattform. Die Karriere des stets leger gekleideten ÖVP-Denkers, der von Freund und Feind wegen seiner oft scharfzüngigen Kritik oft attackiert wird, verlief nie geräuscharm. Hirschmanns legere, unkomplizierte, aber auch kompromisslose Art, wenn nötig auch gegen Kritiker in der eigenen Partei, haben ihn nie zu „everybody’s darling“ werden lassen. Im Gegenteil, diese seine Linie ist sein politisches Markenzeichen. In vielen Gefechten war er für seinen Lehr- und Schirmherrn Josef Krainer die innerparteiliche Feuerwehr, Blitzableiter, aber auch Hitzeschild. Stets freundlich, aber auch klar, kühl und selbstbewusst in seinen Entscheidungen. Überall, wo Gerhard Hirschmann werkte, bewegte er Dinge und verstand es, sich Gefolgsleute heranzuziehen, denen er viel abverlangte, die er aber, wie auch Josef Krainer, nie ohne Netz arbeiten ließ. Er ließ sich auf Theorien ein, ohne die Realitäten zu beschönigen oder gar zu verdrängen, und war schon immer ein Verfechter der schwarzblauen Koalition. Nur sie, so predigte er bereits vor Jahren, würde der ÖVP die Chance eröffnen, wieder zur Nr. 1 zu werden. Mit Wolfgang Schüssel bekam er Recht und 2017 auch mit Sebastian Kurz. Auch wenn er kein Anhänger des „jungen Schnösels“ (O-Ton Hirschmann) war.

Seine Vita prädestinierte ihn – „beim Kurz ist da nichts zu spüren“ (O-Ton Hirschmann) – zum klassischen pragmatischen Vertreter einer christlich-sozialen Partei. Sein Werdegang führte ihn nicht zufällig über die Katholische Hochschülerschaft. Einer Versuchung hat er stets widerstanden: das warme Nest der steirischen ÖVP gegen das Wiener Haifischbecken zu vertauschen.

Es war nicht zuletzt Gerhard Hirschmann, der als Kulturlandesrat im Jahre 2003 – Graz war damals Kulturhauptstadt Europas – einen besonderen Akzent setzte. Er ermöglichte einen historischen Auftritt im Rahmen des „Dialog für Europa“ von Michael Gorbatschow und Helmut Kohl in der neuen Grazer Stadthalle. Das Steiermarkmagazin KLIPP war Organisator dieser Großveranstaltung. Mehr als 1.200 Studenten aus praktisch allen Ländern Südosteuropas und 3.000 Gäste erfuhren aus erster Hand, wie es zum Fall des Eisernen Vorhangs und der Berliner Mauer kam. Für Hirschmann fast typisch: Er nahm nicht in der ersten Reihe Platz, sondern irgendwo mitten im Publikum.

Schwerer VP-interner Konflikt

Im Jahr 2004 kam es dann zum innerparteilichen Konflikt mit Waltraud Klasnic und Herbert Paierl. Hirschmann hatte sich aus der Politik verabschiedet und in die Vorstandsetage der Energie Steiermark gewechselt. Dort entwickelte sich ein Konflikt mit dem Aufsichtsratsgremium und Herbert Paierl, der damals noch ÖVP-Landesrat war. Waltraud Klasnic entschied gegen Hirschmann, der unfreiwillig aus der Energie Steiermark ausscheiden musste. Das Zerwürfnis war damit besiegelt. Es kam zu schweren gegenseitigen Vorwürfen innerhalb der ÖVP. Dieses führte dazu, dass Gerhard Hirschmann bei den Landtagswahlen 2005 mit einer eigenen Liste („LH = Liste Hirschmann“) antrat. Die Vorschusslorbeeren waren groß, doch groß dann auch die Enttäuschung für Hirschmann und seine Mitstreiter. Sie schafften kein Mandat, kamen nicht in den Landtag. Der Wahlgewinner hieß SPÖ-Chef Franz Voves. Er besiegte Waltraud Klasnic, die sich daraufhin in die Pension verabschieden musste. Dabei hatte sie im Jahr 2000 mit der Volkspartei noch triumphiert (ÖVP 47,3 %, SPÖ 32,3 %). Nach 60 Jahren verlor die ÖVP das erste Mal den Landeshauptmann an die SPÖ. Maßgebliche VP-Funktionäre machten Gerhard Hirschmanns Konflikt mit Waltraud Klasnic dafür verantwortlich.

Anschließend zog sich Hirschmann in die Privatwirtschaft zurück. Bis zu seinem Ableben hatte er jedoch noch immer enge persönliche Kontakte zu vielen ÖVP-Funktionären und ÖVP-Sympathisanten, aber auch zu Vertretern anderer politischen Gruppierungen – ob das nun Franz Voves, Michael Schmid war oder Politiker in Wien, bis hin zu Frank Stronach. In der steirischen ÖVP waren es vor allem Hermann Schützenhöfer und Christopher Drexler, die er in seiner Zeit als geschäftsführender ÖVP-Parteiobmann stets gefördert hatte.

Ersterer zeigte sich tief betroffen: „Diese schockierende Nachricht traf mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Bei allen Verwerfungen in einem langen politischen Leben war mir Gerhard ein verlässlicher Wegbegleiter geworden. Er war ein großer intellektueller Denker und ein äußerst sensibler, auch verletzlicher Mensch und politischer Visionär. Er hat es sich nie leicht gemacht und war Zeit seines Lebens ein Vorkämpfer für Gerechtigkeit und soziale Verantwortung. Gerhard war mein engster Verbündeter – wenn es sein musste, mein schärfster Kritiker. Er war mein Lebensfreund. Er wird mir fehlen.“

Und Landesrat Christopher Drexler: „Die Nachricht über den plötzlichen Tod von Gerhard Hirschmann lässt mich fassungslos zurück. Er war eine herausragende Persönlichkeit – vor allem eine herausragende feinsinnige politische Persönlichkeit. Gerhard Hirschmanns umfassendes Wirken als Mitglied der Steiermärkischen Landesregierung ist insbesondere durch seine Leistungen in der Kulturpolitik zutage getreten und bleibt unvergessen. Seine intellektuellen Fähigkeiten konnte ich vor allem in der Zusammenarbeit im ,Modell Steiermark‘ hautnah erleben. Als junger Geschäftsführer unter Gerhard Hirschmann im ,Modell Steiermark‘ arbeiten zu dürfen, gehört zu meinen prägendsten politischen Erfahrungen. Gerhard Hirschmann war für mich leuchtendes Vorbild, Ratgeber, Mentor und vor allem Freund. Ich werde Gerhard immer in tiefer Dankbarkeit verbunden sein. Seiner Familie und Brigitte gilt mein aufrichtiges Beileid.“

Persönlich

Der Fußball war seine große Leidenschaft. Gerhard Hirschmann verpasste kein wichtiges Champions-League-Spiel und gönnte sich den Luxus, praktisch alle Spiele einer Welt- und Europameisterschaft im Fernsehen zu verfolgen. Er wusste Bescheid, was in Sachen Fußball auf der Welt los ist und war ein Experte. Seine Kommentare waren pointiert, aber sachlich fundiert – hat er doch auch selbst Fußball gespielt.

Trip-Brigitte

Und seine Lebenspartnerin Brigitte Trip hatte viel Verständnis dafür. Obwohl: „Fußball ist nicht meines“, stellt sie klar. Möglicherweise gerade deshalb schrieb sie eine Dissertation und ein Buch über den Fußball. Der Titel: „Rote Karte für die Damen“. Fußball sei das letzte Refugium von Maskulinität und „wir Frauen lassen das zu“, heißt es da unter anderem. Und in einem Interview: „Gern lasse ich dem Gerhard diese Leidenschaft.“