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Sebastian Kurz (li.) war ja in letzter Zeit mehrmals auf Stimmenfang in der Steiermark. Da gab’s logischerweise die Möglichkeit für mehrere intime Plauscherl mit Hermann Schützenhöfer. Foto: Heimo Ruschitz

Die beiden Freunde, Alt-Landeshauptmann Franz Voves (li.) und Hermann Schützenhöfer, haben sich – wie sie das öfters zu tun pflegen – kürzlich wieder einmal auf einige Glaserl steirischen Weins zusammengesetzt.  Foto: Heimo Ruschitz

Die beiden Freunde, Alt-Landeshauptmann Franz Voves (li.) und Hermann Schützenhöfer, haben sich – wie sie das öfters zu tun pflegen – kürzlich wieder einmal auf einige Glaserl steirischen Weins zusammengesetzt. Foto: Heimo Ruschitz

Foto: Caritas/ Pierre Payer

Foto: Caritas/ Pierre Payer

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Unglaubliche Geschichte

Donnerstag, 05. September 2019

(eine Satire)

Sebastian Kurz war ja in letzter Zeit mehrmals auf Stimmenfang in der Steiermark. Da gab’s logischerweise die Möglichkeit für mehrere intime Plauscherl mit seinem Hermann und wie denn dieser die Strategie für die kommende Landtagswahl anlegen werde. Alles natürlich streng vertraulich und nur da und dort waren auch einige Mitarbeiter dabei.

Österreichs politischer Shootingstar ist ja bekannt dafür, ein guter Geschichtenerzähler zu sein. Er würde auch auf den „Djemaa el Fna“, den Platz der Gaukler und Märchenerzähler in Marrakesch, Fans um sich versammeln. In kleinstem Kreis hat der „Plauderwastl“ – so nennen ihn einige aus seinem Team hinter vorgehaltener Hand etwas despektierlich – über seine Plaudereien mit dem Hermann eine unglaubliche Geschichte erzählt. Und die soll sich so zugetragen haben.

Die beiden Freunde, Alt-Landeshauptmann Franz Voves und Hermann Schützenhöfer, haben sich – wie sie das öfters zu tun pflegen – kürzlich wieder einmal auf einige Glaserl steirischen Weins zusammengesetzt. Denn da ist sich der Franz nämlich ganz sicher, dass sich seine um alles besorgte Frau Ingrid in die Küche vertschüsst. Die beiden, der Franz und der Hermann, haben dann darüber philosophiert, warum die ÖVP mit dem Hermann so gut bei den Steirern ankommt und warum der Michael (Schickhofer) sich so schwertut und wie man die Situation ändern könnte. Bei bester Weinlaune haben die beiden dann einen unglaublich raffinierten Plan gefasst. Natürlich haben sie danach den Michael eingeweiht.

Mittlerweile ist die Katze ja aus dem Sack: Die für den Mai 2020 vorgesehene Landtagswahl wurde auf den November 2019 vorverlegt. Vorige Woche gab es dann einen günstigen Zeitpunkt, die Bombe platzen zu lassen, zumal die FPÖ ja schon längere Zeit eine Vorverlegung der Landtagswahl forderte. Das hat dem Voves und dem Schützenhöfer in die Karten gespielt. Und nach dem Sonderlandtag am 26. August stellte die FPÖ tatsächlich den Antrag auf Vorverlegung der Landtagswahl. Alle taten überrascht.

Schickhofer war zu diesem Zeitpunkt in Russland bei der Lehrlings-WM und erfuhr „offiziell“ dort davon. Und sofort ließ er verlautbaren, dass er gegen die Vorverlegung ist und am Mai-Termin im Jahr 2020 festhalte. Ganz anders Hermann Schützenhöfer, der bis zu dem Plausch mit dem Voves ebenfalls gebetsmühlenartig betont hatte, man werde im Mai 2020 wählen. Plötzlich informierte er die staunende Öffentlichkeit, dass er mit dem FPÖ-Antrag sympathisiere und sollten die Grünen auch für eine vorgezogene Wahl sein, diesen Antrag mit seiner ÖVP unterstützen wolle. Alles natürlich zum Wohle und im Interesse des Landes und damit auch im Sinne seines Amtseids.

Es gab daraufhin Verwirrung in der Öffentlichkeit, weil ja der Hermann Schützenhöfer nie müde wurde, die vorbildhafte Zusammenarbeit mit der Schickhofer-SPÖ zu loben und die Koalition als Vorzeigemodell für Österreich bejubelt wurde. Die Vorverlegung der Wahl sei auch deswegen sinnvoll, weil damit ein kurzer, billiger Wahlkampf möglich werde und man dann im Dezember noch dieses Jahres gleich mit Vollgas wieder weiterarbeiten könnte.

Michael Schickhofer blieb aber bei seiner Ablehnung. Und damit war nach neun Jahren der „Bruch“ in der ÖVP-SPÖ-Koalition perfekt. Hermann Schützenhöfer wurde aus SPÖ-Sicht die Handschlagqualität abgesprochen. Bei den Steirern hat die Vorverlegung der Wahl wenig Begeisterung ausgelöst. Und wie von Voves und Schützenhöfer vorausgesehen: Der Landeshauptmann verliert bei den Steirern an Zustimmung und Schickhofer gewinnt auf der anderen Seite an Sympathien. Was dieser aber leicht verkraften kann, weil er trotzdem als Erster bei der Landtagswahl durchs Ziel gehen wird. Michael Schickhofer aber wird ganz sicher als Zweiter über die Ziellinie kommen und die FPÖ damit klar auf Platz 3 verweisen.

Bis zum „Bruch“ der Koalition trug die Schickhofer-SPÖ das Projekt Leitspital Liezen/Stainach mit. Trotzdem sich die Bevölkerung in einer Volksbefragung im April dieses Jahres zu zwei Drittel dagegen ausgesprochen hat. Schweren Herzens, wie Schickhofer betont. Nun rückt er mit seiner SPÖ vom Leitspital-Projekt in Stainach ab und plädiert für eine bessere Lösung. Soll heißen, dass die drei Spitäler Rottenmann, Schladming und Bad Aussee erhalten bleiben und Rottenmann zum neuen Leitspital wird.

Weil die FPÖ, die Grünen und die KPÖ von Anbeginn gegen die Idee des Neubaus eines Leitspitals in Stainach waren, bleibt die ÖVP mit Gesundheitslandesrat Christopher Drexler also übrig. Alle Leitspital-Gegner werden bei der Landtagswahl in Liezen Stimmen gewinnen. Nur das Duo Schützenhöfer/Drexler wird am Wahlabend keine Freude mit dem Ergebnis haben. Schützenhöfer hat ja schon dezidiert erklärt, dass er dennoch nur mit jener Fraktion eine Koalition eingehen wird, die das Projekt Leitspital Liezen mitträgt. Also scheidet die FPÖ als möglicher Koalitionspartner von vornherein aus, die sich ja strikt – ohne wenn und aber – gegen das neue Leitspital in Stainach positioniert hat. Da auch die SPÖ davon abgerückt ist, kann sie auch keine Koalition mit der ÖVP machen – oder doch?

Denn der Franz Voves und der Hermann Schützenhöfer haben in ihrem Plan noch ein Hintertürl vorgesehen: Die SPÖ hat ja jahrzehntelang in der Steiermark das Gesundheitsressort geführt. Erst in den letzten neun Jahren hat sie das der ÖVP überlassen. In einer neuen Regierung fordert die SPÖ nun das Gesundheitsressort wieder für sich. Damit hätte Christopher Drexler – so er nicht überhaupt nach Wien als Minister in die Bundesregierung abwandert – keine Verantwortung mehr für die begonnene Spitalsreform. Und die ÖVP mit Hermann Schützenhöfer wäre dann beim Thema Leitspital im Landtag in der Minderheit. Sie könnte aber sagen: „Ja, wir wollen dieses Leitspital in Stainach noch immer, aber wenn die Mehrheit dagegen ist – was sollen wir dann tun?“

Damit hätten am Ende alle irgendwie ihr Gesicht gewahrt. Und der Hermann Schützenhöfer und der Michael Schickhofer könnten sich wieder als Koalitionspartner in die Augen schauen. Mit der Chance für den 40-jährigen Schickhofer, dass ihm Hermann Schützenhöfer nach einigen Jahren den Sessel des Landeshauptmannes kampflos überlässt. Auf dieselbe Art, wie es Franz Voves getan hat. Und dann könnten die beiden wieder bei mehreren Glaserl Wein darauf anstoßen und sich ins Fäustchen lachen. So geht Politik.