Herbert Kickl, Norbert Hofer

Herbert Kickl (li.) Foto: Heimo Ruschitz

Heinz-Christian Strache. Foto: Heimo Ruschitz

Heinz-Christian Strache. Foto: Heimo Ruschitz

SPÖ-Bundesparteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner Foto: SPÖ Steiermark/Neves

SPÖ-Bundesparteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner Foto: SPÖ Steiermark/Neves

Unser Geld für unsre Leut

Freitag, 27. September 2019

(Eine Satire)

Heinz-Christian Strache ist offensichtlich ein selbstloser Mensch und im Zeitalter der Empörungslust erwischt es oft die Falschen. Auch der Ex-FPÖ-Chef zählt dazu. „Unser Geld für unsre Leut“, plakatieren die Blauen und nützen jede Möglichkeit, ihre Botschaft ihren Wählern ins Gehirn zu hämmern. Zack, zack, zack hat sich Heinz-Christian Strache diesem Gebot seiner Partei selbstlos untergeordnet. Sein nicht ausgesprochener Nachsatz zum Slogan lautete: „Und für mich am meisten.“ Grünes Licht dafür gaben ihm nun eine Handvoll Funktionäre in der FPÖ, die Geheimnisträger der Finanzen. Und sie haben auch völlig im Sinne der Partei gehandelt, denn jede andere Verwendung – „unser Geld für unsre Leut“ – wäre ja zweckentfremdet. Abrechnungsbelege ohne Leistungsumfang – wer soll sich da noch aufregen? Das war ja nie anders. Und die Wähler sollten froh sein, dass es in Zeiten allgemeiner Bereicherung und Habgier diese Selbstlosigkeit noch gibt. Klare Worte wird Norbert Hofer erst nach dem Wahlsonntag finden, weil die interne Überprüfung – nicht ganz unerwartet – vor dem Wahlsonntag noch nicht zu Ende ist. Der freiheitliche Parteichef, der vor allem im Wahlkampf durch seinen von Güte umflorten Blick die Wähler beeindruckt, wird nach dem Wahlsonntag ein klares Urteil über seinen Vorgänger treffen müssen. Dieser hat sich in der Rolle eines Opfers vergraben, gegen den sich die halbe Welt verschworen hat. Sein selbstmörderisches Gerede auf dem Insel-Video verübeln ihm seine Fans nicht. Er sei halt besoffen gewesen, verteidigen sie ihn. Aber sie vergessen dabei, dass man von Kindern und Besoffenen die Wahrheit erfährt. Nun wird es am konzilianten Schmeichler Norbert Hofer liegen, den von ihm ob seiner Verdienste so geschätzten Heinz-Christian aus seiner Traumwelt in die Wirklichkeit zu führen. Das wird kein Kindergeburtstag werden. Aber so ist es nunmal. Heinz-Christian Strache wird ja nur von seiner Vergangenheit eingeholt.

Liste ICH

Er kommt aus Bruck an der Mur und zeigt wenig von der Bescheidenheit der Menschen, die dort wohnen. Peter Pilz lebt seit 40 Jahren in Wien. Genug Zeit, dass er sich ein entsprechende „Ego“ in seinen Auftritten zugelegt hat. Als „Liste Pilz“ schaffte er im Wahljahr 2017 knapp den Einzug ins Parlament. Warum ihm dort praktisch sein gesamtes Team im Laufe der letzten zwei Jahre abhanden gekommen ist, liegt in keinem Fall am übersteigerten Selbstdarstellung-Junkie. Da müssen diejenigen, die ihm den Rücken gekehrt haben, vorerst einmal bei sich selbst die Fehler suchen. Nach seiner Grabscher-Affäre ist Pilz abgetaucht, um dann in der „Liste Jetzt“ als Politiker wieder aufzuerstehen. Die Chancen, nochmal im Parlament seine Fähigkeiten als Aufdecker der Nation auszuspielen, sind nicht gerade überbordend. Möglicherweise hätte er als „Liste ICH“ mehr Fans gewinnen können. Denn in jedem Wähler steckt – beim einen mehr, beim anderen weniger – ein Egoist.

Die SPÖ steckt in einem Dilemma

Ein Großteil der roten Funktionäre weiß, dass sie mit Pamela Rendi-Wagner keine künftige Bundeskanzlerin zur Parteivorsitzenden und Spitzenkandidatin gemacht haben. Aber die Roten sind nunmal treu, einander verpflichtet und Intrigen, wie in anderen Parteien – die können sie viel besser hinterm Vorhang halten. Aufsässige Parteimitglieder werden ohne viel Aufsehen zurück ins Glied beordert und Rachefeldzüge schon im Keim erstickt. „Parteiräson“ ist ein ganz wichtiger Begriff, wird er doch jedem Genossen schon früh ins Parteibuch geschrieben. Es schickt sich nicht, noch dazu, wenn erstmals eine Frau an der Spitze der Partei steht, diese in eine Zerreißprobe schlittern zu lassen. Da tut sich in der FPÖ ein Norbert Hofer leichter. Er balanciert die Blauen geschickt auf des Messers Schneide. Kameradschaft ist das Schlüsselwort für ein blaues Zusammenstehen. Menschlichkeit und Solidarität heißt es in der SPÖ. Weil sie mit ihrem Auftreten den Bauch der Wähler nicht wirklich erreicht, prangt von den SPÖ-Wahlplakaten der Ruf nach „Menschlichkeit“. Wer die Mini-Pamela bei ihren Auftritten beobachtet, der kann feststellen, dass sie eines fast immer vermeidet: Ihren Zuhörern, den potenziellen Wählern oder auch den Genossen, gerade und offen in die Augen zu sehen und sie so in ihren Bann zu ziehen. Die sicher-nein-Kanzlerin der SPÖ blickt immer dann, wenn es darauf ankommt, über die Menschen hinweg. Von Mitgefühl und Menschlichkeit ist da wenig zu spüren.

Heidi Horten – leider keine Milliardärin?
ÖVP ungerechtfertigt unter Verdacht

Erst als der Druck in der Öffentlichkeit zu groß wurde, gestanden Sebastian Kurz und die Seinen: Ja, Heidi Horten, Kunstsammlerin, die am Wörthersee eine respektable Residenz bewohnt und wegen ihrer Großzügigkeit als Gönnerin hohes Ansehen in Kärnten genießt, gönnt sich auch den Luxus Sebastian Kurz im Wahlkampf zu sponsern.

Nicht mit einem Einmalbetrag, sondern Heidi Horten hat sich für ein monatliches Sponsoren-Abo entschieden. 49.500 Euro ließ sie als Dauerauftrag monatlich an die Wahlkampfkassa des sympathischen „Plauderwastl“ überweisen. Die politischen Gegner sehen darin wieder einmal einen Skandal. Die ÖVP haben diesen Betrag beim Sponsoren-Abo von Horten gezielt gewählt. Denn erst ab 50.000 Euro muss eine Meldung an den Rechnungshof erfolgen. Aber knapp daneben ist auch daneben. Also alles legal, kontert der ÖVP-Generalsekretär auf die wüsten Unterstellungen der politischen Gegnerschaft.

Dass der Betrag von 49.500 Euro einen ganz anderen Hintergrund hat, darüber schweigt die ÖVP vornehm. Sie möchte Heidi Horten nicht in ein schiefes Licht bringen. Den Betrag gibt es deshalb, weil Heidi Horten monatlich für den Sebastian Kurz nicht mehr flüssig machen kann. Die Zeiten wären gegenwärtig aufgrund der Niedrigzinsphasen und der Börsen-Auf-und-Abs alles andere als rosig. Diese 49.500 Euro seien ohnehin schon das Maximum, das sie derzeit als Spielkapital für die Politik zur Verfügung stellen kann. Also keine Rede davon, dass die Volkspartei mit der monatlichen Stückelung des Betrages das Wahlkampfkostengesetz umgehen wollte. Ein Schelm, der eben da anderes denkt.

Es ist nunmal so, dass selbst vermögende Menschen keinen „Geldscheißer“, pardon, Goldesel, im Keller haben, der pausenlos Euroscheine produziert. Heidi Horten hat aber versprochen, ihr Sponsoren-Abo in dem Augenblick kräftig zu erhöhen, wenn die Zeiten wieder besser werden für sie. Selbstverständlich verfolgen die hochherzigen Gönner keinerlei eigene Interessen, wenn sie fette Summen überweisen. Es tut ihnen in ihrem Herzen einfach gut, wenn sie Akteure, die sie großzügig fördern – ob Hockeystars oder Politiker –, bei Fernsehauftritten beobachten können. Da ist es nur ein dummer Zufall, wenn ein neuer Showroom eines oberösterreichischen Motorradkönigs großzügig aus dem Kulturbudget gefördert wird. Da könnten auch neue Steuervermeidungsmodelle für Vermögende und Besserverdienende ein ungewolltes Zuckerl sein. Wie gesagt, wer Kurz will, der muss ihn auch wählen.

Es sind also die Verleumdungstiraden von nicht wohlmeinenden Menschen, die da behaupten, die Politik(er) würde(n) durch Spenden gekauft. Hey, es ist andersrum: Da werden Bedürftige unterstützt, die ohne Spenden gar nicht existieren könnten.