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Foto: Klipp

Foto: GEPA pictures

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Erst vor wenigen Monaten: Gerhard Hirschmann mit Alt-Bischof Egon Kapellari (re.). Foto: Heimo Ruschitz

Erst vor wenigen Monaten: Gerhard Hirschmann mit Alt-Bischof Egon Kapellari (re.). Foto: Heimo Ruschitz

... mit Hermann Schützenhöfer (Foto: STVP)

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Er blieb ein Suchender

Sonntag, 06. Oktober 2019

Empathisch, zu sich selbst unbequem

Würdiger Abschied von Gerhard Hirschmann

Letzter Wunsch nicht erfüllt

Nur privat hatte er mit Lebenspartnerin Brigitte seine Ruhe, sein Glück gefunden. Gerhard Hirschmann war am 27. September 2019 auf der Zugfahrt von Wien nach Graz einem Herzinfarkt erlegen. Gestern Nachmittag fand am Friedhof in Graz – St. Veit das Begräbnis im Beisein der versammelten ÖVP-Prominenz und von Freunden und Wegbegleitern statt. Am Vormittag nahmen von ihm im Steinernen Saal des Landhauses unzählige Steirer Abschied, wo Gerhard Hirschmann aufgebahrt gewesen war. Von 1989 als Klubobmann, dann ab 1993 bis 2003 als Landesrat war das Landhaus die Arbeitsstätte von Gerhard Hirschmann.

Altbischof Egon Kapellari lernte Gerhard Hirschmann – er studierte Jus – in dessen Zeit in der Katholischen Hochschulgemeinde kennen und später als Leiter des Afro-Asiatischen-Instituts. Kapellari war zu dieser Zeit Leiter der Hochschul-Seelsorge und des Katholischen Studentenheims im Uni-Viertel. „Er war ein unbequemer Freund, unbequem auch gegen sich selber. Er hatte eine Begabung zu eloquentem Spott. Aber er wusste auch um die eigenen Fehler.“

Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer, der in seiner Zeit als Junge-ÖVP-Obmann und auch später viel Verständnis und Unterstützung bei Gerhard Hirschmann fand, über seinen „Lebensfreund“: „Die Todesnachricht traf mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Wie oft haben wir geredet, diskutiert. Wir haben es in 45 Jahren nicht geschafft, uns dauerhaft böse sein.“ Nur Lebenspartnerin Brigitte Trip schüttelte während der Trauerreden da und dort den Kopf, als ob sie nicht allem zustimmte. Trompeter Toni Maier – begleitet von Sohn Martin an der Orgel – rührte mit seinem Adagio aus der 9. Symphonie Antonin Dvoraks (Aus der Neuen Welt) viele zu Tränen.

Der Aufstieg des groß gewachsenen, durchaus charismatischen jungen Oststeirers – er war in Gnas geboren – begann innerhalb der steirischen ÖVP Anfang der 70er-Jahre des vorigen Jahrhunderts. Mit Gerhard Hirschmann und Bernd Schilcher hatte der spätere Landeshauptmann Josef Krainer – damals war er „nur“ Parteiobmann – zwei Kreativköpfe und Querdenker um sich geschart. Unter ihrer Führung entwickelte die ÖVP das „Modell Steiermark“. Es war das Fundament für Krainers erfolgreiche Politik, später wurde es zu seinem politischen Testament. Bernd Schilcher verstarb am 29. Mai 2015, Josef Krainer am 30. Dezember 2016.

Nach dem Verlust der absoluten Mehrheit bei der Landtagswahl 1995 zog sich Josef Krainer aus der Politik zurück. Er schlug seinen geschäftsführenden Parteiobmann Gerhard Hirschmann als Nachfolger vor. Überraschend lehnte Hirschmann jedoch aus privaten Gründen ab und schlug seinerseits Waltraud Klasnic vor. Seiner Wahlkampfstrategie war es zu verdanken, dass Waltraud Klasnic im Jahre 2000 einen triumphalen Wahlsieg feierte. 2003 schied Gerhard Hirschmann aus der Landesregierung aus, wechselte in die Energiewirtschaft. Ein Jahr später kam es zum Bruch. Hirschmann musste die Energie Steiermark verlasen. Zur Kapellari-Beschreibung „unbequem auch gegen sich selber“: Hätte Hirschmann „sich ruhig und bequem verhalten“, hätte er bis zu seiner Pension mit Dienstwagen, samt Chauffeur und einer Monatsgage von rund 15.000 Euro leben können.

Was ihm viele innerhalb der ÖVP bis zu seinem Tod nicht verziehen haben: Im Jahr 2005 bei der Landtagswahl trat Gerhard Hirschmann mit einer eigenen Liste an. Er scheiterte jedoch klar am Einzug in den Landtag. Auch Landeshauptfrau Klasnic verlor den Landeshauptmannstuhl an die SPÖ mit Franz Voves. In den Jahren danach blieben alle Versöhnungsversuche – auch jene von Hermann Schützenhöfer – erfolglos.

Vor mehr als zwei Jahren wurde bei Viel-Raucher Gerhard Hirschmann Lungenkrebs entdeckt. Nur eine Notoperation rettete sein Leben. In der Genesungsphase gab es viele Auf und Abs. Selbst in dieser Zeit ließ er sich die wöchentlichen Besuche bei seiner von ihm geliebten Mutter, einer einfachen Frau in Gnas, nicht nehmen. Alleine hatte sie ihre drei Kinder großgezogen. Wiederholt äußerte er Freunden gegenüber seinen Wunsch, dass er später einmal in Gnas begraben werden möchte. Seine Mutter erlitt im April dieses Jahres einen Schlaganfall. Gerhard Hirschmanns letzter Wunsch erfüllte sich nicht. Seine Kinder aus der vor 20 Jahren geschiedenen Ehe bestanden auf Graz. Die letzte Ruhe fand er gestern im Grab seiner Ex-Schwiegermutter.

PS: Die Stimmabgabe an einem Wahlsonntag war für Gerhard Hirschmann ein Pflichttermin – verbunden mit dem Ritual, dass er der Wahlkommission Erfrischungen und eine kleine Jause mit in sein Wahllokal brachte. Erstmals hatte Gerhard Hirschmann bei dieser Wahl mit Wahlkarte seine Stimme nur einen Tag vor seinem Ableben abgegeben …

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