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Geschäftsführer der VERBUND Hydro Power GmbH Michael Amerer, Energie-Steiermark-Vorstandssprecher Christian Purrer, Bürgermeister Siegfried Nagl, Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer, Landeshauptmann-Stellvertreter Michael Schickhofer und Energie-Steiermark-Vorstandsdirektor Marin Graf. Fotos: Energie Steiermark

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„Wir bringen die Mur wieder zu den Menschen“

Mittwoch, 09. Oktober 2019

Murkraftwerk Graz: Größtes Klimaschutz-Investment des Landes offiziell in Betrieb genommen

Das war die Kernbotschaft von Energie-Steiermark-Vorstandssprecher Christian Purrer bei der heutigen Eröffnung an einem warmen, sonnigen Herbsttag. Und weil es um die Menschen, in diesem Fall um die Bewohner der Landeshauptstadt, geht: Die Grazer bekommen damit auch die größte Freizeitoase. Durch den Bau des Murkraftwerks kehrt die Mur zurück ins Stadtbild. Der Vergleich ist nicht zu weit hergeholt: Was die Donauinsel heute für Wien ist, könnte der Freizeitpark an den beiden Murufern für Graz werden.

Es handle sich um das meistgeprüfte Bauprojekt in der Steiermark, gingen die Festredner auf die Gegnerschaft beim Bau des Murkraftwerks ein. Der Widerstand der KPÖ und der Grünen führte ja auch dazu, dass sich die Genehmigung für den Bau verzögerte. Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl geißelte in seinem sehr emotionalen Statement das „Nein“ der Grünen und KPÖ zum Bau als „unverantwortlich“ – auch im Hinblick auf das Bemühen um den Klimaschutz. Er „entschuldigte“ seine verbale Attacke damit, dass auch in der jetzigen heißen Debatte um den Klimaschutz die Grünen und Co. für ihre Klimaschutz-Anliegen in der Herrengasse aktiv sind und er verstehe nicht, wie man eben ein völlig CO2-freies Wasserkraftwerk ablehnen kann.

Das Murkraftwerk Graz mit einer Leistung von 17,7 Megawatt speist ab sofort jährlich 82 Millionen Kilowattstunden grünen Strom ins Netz ein, deckt damit den Bedarf von mehr als 45.000 Menschen in der steirischen Landeshauptstadt bzw. den Verbrauch von über 20.000 E-Autos und verhindert so den Schadstoffausstoß von über 60.000 Tonnen CO2. Partner der Energie Steiermark beim Wasserkraftwerk Graz sind die VERBUND Hydro Power und die Energie Graz (mit einer Beteiligung von je 12,5 Prozent).

Der Bau selbst dauerte 33 Monate. Vorher wurde das Projekt von insgesamt über 50 Gutachtern des Landes und des Bundes auf „Herz und Nieren“ geprüft. Das Projekt zählt zu den größten Investitionen in der Geschichte der Energie Steiermark, die sich in ihrer Strategie auf das Thema Nachhaltigkeit und Energieeffizienz fokussiert hat. Unter anderem konzentriert man sich auf die Bereiche Wasserkraft, Windkraft und Photovoltaik, also rohstoffunabhängige Energiequellen.

„Die Klimaziele von Paris sind unsere Leitlinie. Wir wollen unabhängig unsere Energieversorgung nachhaltiger gestalten. Das Wasserkraftwerk Graz ist ein wesentlicher Beitrag zur Weiterentwicklung unseres Konzerns in Sachen Erneuerbare Energie und hat energiewirtschaftlich wie ökologisch eine hervorragende Performance“, so Vorstandssprecher Christian Purrer und Vorstandsdirektor Martin Graf. „Dieses 80-Millionen-Euro-Investment ist ein konkreter und messbarer Beitrag zur Klimawende und trägt darüber hinaus zur Versorgungssicherheit bei. Der sparsame und effiziente Umgang mit Strom hat absoluten Vorrang, aber jede Kilowattstunde, die unsere Kunden tatsächlich brauchen, die muss zukünftig CO2 frei sein. Gleichzeitig ist es ein kräftiger Wirtschafts-Impuls für die Steiermark. Von einer neuen Bundesregierung erhoffen wir uns Rückenwind und Unterstützung für die rasche Umsetzung weiterer nachhaltiger Erzeugungsprojekte, wir sind jedenfalls investitionsbereit und startklar“.

Eine der Besonderheiten beim neuen Murkraftwerk: Rund 15 Millionen Euro wurden für die Erhaltung und Erweiterung des Lebensraums entlang des Murkraftwerks aufgebracht. Das Kraftwerk setzt in Sachen Ökologie europaweit höchste Standards: 99 ökologische Ausgleichsmaßnahmen wurden und werden für Pflanzen, Tiere und Menschen umgesetzt, ein externes Expertenteam hat die Einhaltung der strikten Vorgaben der Umweltverträglichkeits-Bescheide im Detail überwacht.

Der Lebensraum entlang der Mur wird durch zahlreiche Angebote für Wassersportler und Erholungssuchende sowie Öko-Zonen für die kommenden Generationen aufgewertet. Insgesamt werden nach Abschluss der Aufforstungen rund 50 Prozent mehr Büsche und Bäume an den Ufern der Mur stehen als vor dem Baustart. Eine Fläche von rund 7 Hektar wird in den kommenden Monaten gemäß den Vorgaben der Umweltbehörden neu bepflanzt.

Mehr als 90 Prozent aller Aufträge gingen bei dem Bau an regionale Unternehmen, sie haben in Summe rund 1800 steirische Arbeitsplätze gesichert und tragen zur regionalen Wertschöpfung in der Steiermark bei.

Natürlich zeigten sich auch Landeshauptmann-Stellvertreter Michael Schickhofer und Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer erfreut über das Gelingen. Schickhofer kündigt ja seit längerem an, die Steiermark zum Klimaschutzland Nummer 1 machen zu wollen und Schützenhöfer verweist darauf, dass die Steiermark das Innovationsland die Nummer 1 sei und damit einen globalen Beitrag zum Klimaschutz leiste. Grüner Strom sei das Gebot der Zeit.

Zu den Öko-Maßnahmen zählen beispielsweise konkret die Verwendung von regionalem Pflanzengut (Stecklinge), Schutzmaßnahmen für Schlangen und Fledermäuse, die Errichtung von Fischleitern, Nistkästen für Fledermäuse und Vögel. Klingt beinahe wie aus dem Märchenbuch: Außerdem wird es eine Extensivwiese für Schmetterlinge geben, Würfelnattern bekommen Verstecke und Eiablageplätze und Seichtwasserzonen werden eingerichtet, damit die Fische ohne Mühe und Plage den Fischaufstieg schaffen.