KML

Mit einer komplexen Logik ausgestattet, kann das steirische Medizintechnik-Unternehmen KML Vision blitzschnell etwa Abweichungen im Zellgewebe identifizieren. (Foto: GK Artworks)

Mitveranstalter des „Health Tech Hub“: SFG-Geschäftsführer Christoph Ludwig (Foto: SFG)

Mitveranstalter des „Health Tech Hub“: SFG-Geschäftsführer Christoph Ludwig (Foto: SFG)

AT&S entwickelt und fertigt miniaturisierte Leiterplatten für die Medizintechnik. (Foto: ATS)

AT&S entwickelt und fertigt miniaturisierte Leiterplatten für die Medizintechnik. (Foto: ATS)

Initiator des „Health Tech Hub“ in Graz: Lars-Peter Kamolz, Professor für Plastische Chirurgie an der Med-Uni Graz (Foto: HTH)

Initiator des „Health Tech Hub“ in Graz: Lars-Peter Kamolz, Professor für Plastische Chirurgie an der Med-Uni Graz (Foto: HTH)

Setzt sich für die Entwicklung von Med-Start-ups am „Health Tech Hub“ ein: Science Park Graz-Geschäftsführer Martin Mössler (Foto: Jörgler bzw. Jungwirth)

Setzt sich für die Entwicklung von Med-Start-ups am „Health Tech Hub“ ein: Science Park Graz-Geschäftsführer Martin Mössler (Foto: Jörgler bzw. Jungwirth)

EKG aus der Matratze und smarte Blutdruckmessgeräte

Freitag, 24. Januar 2020

Steirische Tech-Betriebe drängen auf den Markt der „Hightech-Medizin“

Am kommenden Montag und Dienstag (27. bzw. 28. Jänner) findet in Graz mit dem „Health Tech Hub“ eine der europaweit größten Konferenzen für Medizintechnik statt. Mit dem EKG aus der Matratze, smarten Blutdruckmessgeräten, dem Sensor im Schuh zur Sturzvermeidung & Co. verschreiben sich die rund 300 angekündigten Teilnehmer (aus 20 Nationen) dem heimischen Stärkefeld der Sensorik: Im steirischen Humantechnologie-Cluster HTS und am Science Park Graz gibt es etwa schon jetzt Unternehmen bzw. Start-ups die in diese Technologietrends drängen.

Von 80 auf 200 Milliarden Euro innerhalb von nur fünf Jahren: Mit Wachstumsraten von durchschnittlich 21 Prozent ist der hochtechnologische Gesundheitsmarkt seit 2015 zu einem absoluten Weltmarkt avanciert. Festgemacht kann der rasante Anstieg der digitalisierten Medizintechnik auch aktuell in der Steiermark werden: Mehr als 300 Teilnehmer aus 20 Ländern treffen sich ab Montag zum „Health Tech Hub“ (HTH)-Forum in Graz. Bereits zum zweiten Mal avanciert die Murmetropole damit – zumindest für zwei Tage – zum Nabel der europäischen Hightech-Medizintechnik. „Der internationale „Health Tech Hub“ soll die Attraktivität der Medizintechnik am Wirtschaftsstandort Steiermark international sichtbar machen und auf die Vielzahl der universitären und außeruniversitären Maßnahmen und Initiativen hinweisen“, betont Initiator Lars-Peter Kamolz, Professor für Plastische Chirurgie an der Medizinischen Universität Graz. Christoph Ludwig, Geschäftsführer der des Mitveranstalters des SFG (steirische Wirtschaftsförderungsgesellschaft), betont: „Die Steiermark positioniert sich nachhaltig als europäische Life-Science-Spitzenregion – der HTH ist auf dem Weg zum Fixpunkt im Jahreskalender der Branche weltweit. Neben der exzellenten Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft verfügt unser Standort über ein fruchtbares Klima für Innovation.“

Permanente Beobachtung durch Sensorik
Vor allem im Feld der Sensorik wittern steirische Betriebe massive Wachstumschancen am Hightech-Gesundheitsmarkt, bestätigt Johann Harer, Geschäftsführer des 140 Mitglieder starken steirischen Humantechnologie-Clusters: „Im Bereich der Fitness und Wellness ist es bereits geläufig, laufend verschiedene Vital-Parameter zu erheben. Dieser Trend verstärkt sich auch in der Medizintechnik. Konkret dürfen wir künftig etwa mit smarten Blutdruckmessgeräten bzw. EKG-Sensorik in der Matratze, Sturzdetektion bzw. Ganganalysen in Schuhen rechnen, um beispielsweise die 24-Stunden-Beoabachtung von chronisch Kranken und Reha-Patienten zu ermöglichen.“ Die Miniaturisierung der Messtechnik, leistungsfähigere Mikroelektronik seien dafür verantwortlich, sagt Harer – auch mit Know-how aus der Steiermark: „Allen voran mit Unternehmen wie ams AG, Infineon und AT&S haben wir eine ausgeprägte Sensor- und Chipindustrie. Diese ist in Kombination mit dem Know-how der traditionellen optischen Sensorik, wie wir sie etwa am Joanneum Research vorfinden, ein maßgeblicher Schlüssel zum Innovationserfolg.“

Umbruch als Chance für Med-Start-ups
Auch Start-ups spielen im sich rasant verändernden Markt der Medizintechnik eine große Rolle: Im Rahmen der „Corporate Challenge“ des „Health Tech Hub“ ruft etwa der Premstättner Sensorenhersteller ams AG Jungunternehmen dazu auf, die nächste Generation an Sensorlösungen mit zu entwickeln. „Durch den Umbruch in der Medizintechnik entwickeln sich völlig neue Marktchancen und neue Geschäftsmodelle entlang der gesamten Wertschöpfungskette“, bestätigt Science Park-Geschäftsführer Martin Mössler, der im Inkubator zielgerichtet Start-ups u. a. im Bereich der Medizintechnik entwickelt. Auch hier gilt: Sensorik ist Trumpf. „Der Trend geht in jene Richtung, dass sich der Arzt aufgrund von sich veränderten Werten beim Patienten meldet – nicht umgekehrt. Die Basis dafür sind Sensorik, um Informationen überhaupt zu erheben. Auch die Themen künstliche Intelligenz und „Machine Learning“ spielen in der Auswertung  eine zentrale Rolle“, sagt Mössler, der als Beispiel das steirische Deep-Tech-Unternehmen KML Vision nennt: „Die hochskalierbare und adaptierbare Plattform des Unternehmens bietet eine Lösung, um die immer größer werdenden Datenmengen in der Medizintechnik bestmöglich zu nutzen sowie bei mühseligen und zeitintensiven Auswertungen zu unterstützen. Dadurch werden hochgenaue und reproduzierbare Ergebnisse erzielt.“

Ansiedlung im Fokus
Mit der Vernetzung von Jungunternehmen und Investoren am „Health Tech Hub“ soll zumindest eine der wesentlichen Herausforderungen für Start-ups erleichtert werden: „Neben den langwierigen Zulassungsprozessen kämpfen unsere Jungunternehmen in der Medizintechnik vor allem mit hohem Kapitalbedarf“, so der Geschäftsführer. Am „Health Tech Hub“-Forum will Mössler darüber hinaus insbesondere auch internationale Start-ups ansprechen: „Mit dem Humantechnologie-Cluster sowie den Universitäten verfügen wir über den idealen Nährboden für medizintechnische Entwicklungen. Das Ziel ist daher, neue Start-ups vom Innovationsstandort Steiermark zu überzeugen.“