Josef Krainer (+2016) rettete für Klasnic den LH-Sessel. Im Bild mit LH Schützenhöfer. Foto: Fischer

Josef Krainer (+2016) rettete für Klasnic den LH-Sessel. Im Bild mit LH Schützenhöfer. Foto: Fischer

Gerhard Hirschmann (+2019): Deal mit Schmid im Auftrag seines Parteichefs Josef Krainer. Im Bild mit em. Bischof Kapellari.

Gerhard Hirschmann (+2019): Deal mit Schmid im Auftrag seines Parteichefs Josef Krainer. Im Bild mit em. Bischof Kapellari.

Steirische ÖVP rettete FPÖ

Donnerstag, 02. Januar 2020

Streng gehütetes Geheimnis gelüftet

Aus Lilly Lotterblume (KLIPP Dezember 2019/Jänner 2020):
Heute werde ich ein streng gehütetes Geheimnis lüften, das meinem Allerliebsten sein Freund Fritz anvertraut hat. Die steirische ÖVP rettete die FPÖ mit Millionen vor Pleite. Dafür wählten die Blauen seinerzeit Waltraud Klasnic zur Landeshauptfrau.
„Erst wenn alle Persönlichkeiten, die in seiner Partei den wohl einmaligen Deal möglich gemacht haben, verstorben sind, darf darüber geschrieben werden“, vertraute vor rund zehn Jahren der Ex-ÖVP-Landtagsabgeordnete und Industrielle Fritz Pfohl meinem Allerliebsten eine unglaubliche Geschichte an. Gerade in Zeiten wie diesen haben Geld, Politik mit Stimmenkauf große Aktualität. Mit Gerhard Hirschmann, damals geschäftsführender Parteiobmann, verstarb vor wenigen Monaten der letzte Geheimnisträger dieses Geheimabkommens. Er wickelte die geheime Kommandosache im Auftrag des damals mächtigen Landeshauptmannes Josef Krainer ab.
Hinzugezogen und eingeweiht hat Josef Krainer (verstorben am 30.12.2016) seinen Finanzreferenten Ernst Höller (verstorben) mit Bernd Schilcher (verstorben) und eben Fritz Pfohl (verstorben).
Auf FPÖ-Seite trat der damalige Parteiobmann Michael Schmid als Verhandlungspartner auf. Er bestätigt im KLIPP-Telefonat die Tatsache, dass seine Partei Ende der 1980er-Jahre und Anfang der 1990er-Jahre total überschuldet war und er die steirische FPÖ nur durch die Millionenspritze von Krainer und Co. vor dem Konkurs retten konnte. Mit der ÖVP-Millionenhilfe eröffnete sie für die Freiheitlichen die Chance, die Pleite abzuwenden und einen stillen Ausgleich abzuwickeln.
Michael Schmid, im Zivilberuf Architekt, war als Quereinsteiger 1989 in die Politik gekommen. 1991 schaffte er bei der Landtagswahl ein gutes Ergebnis und damit den Sprung in die Landesregierung.
Sein Vorgänger als Parteiobmann, Ludwig Rader, hatte ihm eine mit mehr als 20 Millionen Schilling völlig überschuldete Partei hinterlassen. Als „Dank“ für seinen dann später erfolgten Rückzug aus der Politik vereinbarte Schmid mit der ÖVP, diesen als steirischen „Botschafter“ nach Brüssel zu „entsorgen“. Eine fürstlich bezahlte Position. Im Telefonat mit KLIPP macht er aber die ÖVP mitverantwortlich für die damaligen Finanznöte seiner Partei, weil diese unter Krainer zugesagte Parteienförderungsmittel nicht ausbezahlt hätte. Aus vorliegenden Unterlagen geht hervor, dass das eine Schutzbehauptung des damaligen FPÖ-Verantwortlichen gewesen ist. Michael Schmid will nichts davon wissen, dass für die Millionenhilfe der ÖVP von Seiten der FPÖ eine „Gegenleistung“ vereinbart gewesen sei. KLIPP liegen allerdings Beweise vor, dass die steirische FPÖ damals – höchstwahrscheinlich mit stiller Zustimmung des verstorbenen Landeshauptmannes Jörg Haider – sich dazu verpflichtete, im Landtag keinen sozialistischen Landeshauptmann-Kandidaten mit zu wählen.
Bereits im Dezember 1995 trat der Ernstfall ein. Josef Krainer hatte mit dem Verlust von fünf Mandaten bei der Landtagswahl am 17. Dezember seine absolute Mehrheit verloren und kündigte sofort nach der Wahlniederlage noch am Wahlabend seinen Rückzug aus der Politik an. Sein SPÖ-Rivale Peter Schachner war bis auf 1.700 Stimmen an die siegesgewohnte ÖVP herangekommen. Zwischen ÖVP und SPÖ gab es mit 21 Mandaten eine politische Pattsituation. Schachner meldete seinen Anspruch auf den Landeshauptmann an. Josef Krainer hatte bereits entschieden, dass (der im September dieses Jahres verstorbene) Gerhard Hirschmann sein Nachfolger werden sollte. Dieser nahm sich jedoch vor Beginn der entscheidenden Sitzung im ÖVP-Landesparteivorstand aus privaten Gründen selbst aus dem Rennen und schlug seinerseits Waltraud Klasnic vor. Diese brauchte für ihre Wahl als Landeshauptfrau unbedingt die zehn Stimmen der FPÖ. Am 23. Jänner 1996 wurde sie dann mit den Stimmen der FPÖ zu ersten Landeshauptfrau Österreichs gewählt. Eine Anekdote von Michael Schmid zum damaligen überraschenden ÖVP-Vorschlag: „Ich habe dem Gerhard später öfters gesagt, dass er mich mit der Klasnic betrogen hat.“ Ohne die Millionenhilfe der ÖVP für die steirische FPÖ hätte sich für Waltraud Klasnic nie die Chance für ihre spätere politische Karriere aufgetan. Im Jahr 2000 schaffte Klasnic einen großen Wahlsieg, im Jahr 2005 verlor sie gegen Franz Voves und musste zurücktreten.