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Mehr als 30 Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Reisebranche kamen zum heutigen Krisengipfel. Foto: WKO

Foto: ONordsieck at de.wikipedia

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Durch Coronavirus: Vollbremsung in der Reisebranche

Montag, 09. März 2020

Busunternehmen verzeichnen aktuell Buchungsausfälle von nahezu 100 Prozent. Abgesagt werden nicht nur Italienreisen, sondern verstärkt auch Fahrten nach Deutschland oder in Österreich selbst. „Der Umsatzentgang in unserer Branche macht mittlerweile rund 440.000 Euro pro Tag allein in der Steiermark aus – eine Situation, die für viele Betriebe existenzbedrohend ist. Wir brauchen schnelle Hilfe für Unternehmen und Lenker“, alarmiert Fachgruppenobmann Kurt Matzer beim Krisengipfel in der WKO Steiermark.

Aufgrund des Coronavirus werden Italienreisen zurzeit fast flächendeckend abgesagt. „Wir verzeichnen da Stornos von nahezu 100 Prozent“, berichtet der Obmann der Fachgruppe Autobus-, Luftfahrt- und Schifffahrtunternehmen in der WKO Steiermark, Kurt Matzer. Die Folgen der allgemeinen Panik seien für die Branche mittlerweile existenzbedrohend: „Betroffen davon sind nämlich nicht nur Italienreisen, sondern zunehmend alle Destinationen. Selbst Fahrten in Österreich werden abgesagt und die Buchungen für den Sommer sind praktisch zum Erliegen gekommen“, so Matzer. Das Problem dabei: Die Kosten laufen weiter. In der Regel sind die Busse geleast, die Raten können durch den Komplettausfall nicht mehr erwirtschaftet werden. Ganz zu schweigen von den Gehältern der Lenker, wo Kündigungen unvermeidlich sein werden. „Eine menschliche Tragödie, vor allem bei den hauptbetroffenen klein- und mittelständischen Betrieben. Hier sind die Lenker oft schon seit vielen Jahren beschäftigt. Wir brauchen hier schnelle Hilfe von allen Seiten, und zwar sowohl für die Unternehmer als auch für die Lenker“, betont Matzer. Denn der tägliche Umsatzentgang sei mittlerweile auf rund 440.000 Euro allein in der Steiermark gestiegen. Bleibt die Situation so wie sie ist, rechnet die Branche mit monatlich elf Millionen Euro an Umsatzeinbußen in unserem Bundesland.

Kurzarbeit sei in diesem Fall nur bedingt ein geeignetes Instrument, da vielfach überhaupt keine Arbeit mehr vorhanden sei. Darum wurden im Vorfeld des heutigen Krisengipfels in der WKO Steiermark intensive Gespräche mit dem Arbeitsmarktservice geführt, wo „maximale Unterstützung im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten zugesagt wurde“, berichtet Fachgruppen-Geschäftsführer Peter Lackner. „Die Bundesregierung hat ein Zehn-Millionen-Euro-Paket für Überbrückungskredite und Kreditgarantien geschnürt. Auf diese braucht es einen schnellen und unbürokratischen Zugriff“, fordern Matzer und Lackner, die auch auf ein entsprechendes Entgegenkommen und Verständnis seitens der Banken zählen. „Wir wollen aber auch an unsere Kunden appellieren, sich von der allgemeinen Verunsicherung nicht gänzlich anstecken zu lassen. Freilich muss man das Coronavirus ernst nehmen, aber in Österreich, Deutschland und in vielen anderen Destinationen besteht aktuell wirklich keine Gefahr“, so Matzer und Lackner.

Um hier darüber hinaus allen Unternehmern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, hat die WKO Steiermark eine eigene Taskforce zum Thema Coronavirus eingerichtet. „Unter der Servicenummer 0316/601-601 steht unseren Mitgliedern ein eigenes Serviceteam zu allen arbeitsrechtlichen und branchenspezifischen Fragen zur Verfügung“, berichtet Direktor
Karl-Heinz Dernoscheg. Weiters wurde eine umfangreiche Online-Serviceseite (www.wko.at/coronavirus) eingerichtet.