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Familienvater sitzt seit Monaten im Iran fest

Mittwoch, 18. März 2020

In Graz bangen seine Angehörigen und Freunde

Es ist nur ein Beispiel und sicher nicht das traurigste und dramatischste, was das Coronavirus mittlerweile ausgelöst hat. Der gebürtige Iraner – seit fast zwei Jahrzehnten in Graz wohnhaft – brach Anfang des Jahres zu einer Geschäftsreise nach Teheran auf. Aufgrund der US-Sanktionen musste er mit seinen Vertragspartnern Lösungen für die Abwicklung laufender Geschäfte finden. Kurz nach seinem Eintreffen in Iran gab es die ersten Nachrichten über das Auftreten des Coronavirus in China.

Zwischen dem Iran und China, so berichtet er am Telefon, gibt es aber seit Jahren intensive wirtschaftliche Beziehungen – verknüpft auch mit einem starken Reise- und Flugverkehr. Daher sei es nicht wirklich überraschend gewesen, dass nach dem Ausbruch des Coronavirus in China auch im Iran es sehr rasch zu ersten Meldungen über Infektionen kam. Wie in Europa werden die Verbreitungsgefahr und vor allem die Geschwindigkeit, mit der sich die Menschen ansteckten und die Gefährlichkeit des Virus unterschätzt, aber auch verschwiegen. Heute ist der Iran das nach China am meisten betroffene Land – was die Infektionen und Todesfälle angeht. Es fehle in der Gesundheitsversorgung an Medikamenten, große Ansteckungsgefahr bestehe besonders in Spitälern. Die Menschen leben in großer Sorge und Angst, wie bei uns, man wage sich kaum noch auf die Straße. Unter den Opfern des Virus sind bereits Parlamentsabgeordnete, der stellvertretende Gesundheitsminister kämpft dagegen an und hohe Beamte der Regierung.

Auch der Onkel eines Freundes des Grazer Geschäftsmannes sei innerhalb von 48 Stunden nach seiner Erkrankung gestorben. Die Mutter des Grazer Geschäftsmannes, so berichtet er am Telefon, sei zuckerkrank und es gestalte sich sehr schwierig, die notwendigen Medikamente für sie zu besorgen. Denn jeder Kontakt könne sich mittlerweile verheerend auswirken. Im Iran unterscheide man bereits zwischen Patienten, die einen „small“ oder einen „large“ Virus aufweisen. Die einzige Verbindung, die zum Glück noch funktioniere, sei das Telefon und das Internet.

Was den geschäftlichen Bereich betrifft, so sind die Kanäle blockiert. Es gibt zum Beispiel keine Geldüberweisungen von Konten in Österreich in den Iran. Diese waren schon vor dem Coronavirus mühsam, doch sie funktionierten noch irgendwie. Mittlerweile ist das Wirtschaftsleben im Iran zum Stillstand gekommen. „Unser Land ist völlig gelähmt“, so der Grazer Geschäftsmann. Niemand wisse, ob und wie die Zukunft zu bewältigen sei. Er stehe in Teheran gleichsam unter Hausarrest. Worunter seine Familie in Graz besonders leidet: Dass es keine Möglichkeit gibt zu helfen. Die einzige, aber wichtige Hilfe ist: „Dass wir einander täglich hören und wissen, wie es dem anderen geht.“