Kilobaser seitlich

Fotos: Kilobaser

Die Grazer Gründer Martin Jost, Alexander Murer und Bernhard Tittelbach.

Die Grazer Gründer Martin Jost, Alexander Murer und Bernhard Tittelbach.

Kilobaser seitlich 25

INNOVATION BELT GRAZ: Kilobaser im Einsatz gegen Corona

Mittwoch, 29. April 2020

Steirische „DNA-Kapsel-Maschine“ beschleunigt Forschungsprozess

„Unser Gerät beschleunigt die Forschungsprozesse im Kampf gegen das Coronavirus. Insgesamt sind derzeit 13 Geräte in Bau, drei haben wir bereits verkauft“, freut sich Kilobaser-Geschäftsführer Alexander Murer im heutigen KLIPP-Telefonat. Bestellen kann man die „DNA-Kapsel-Maschine“ zum Preis von 15.000 Euro bereits im Online-Shop. „Mit der Innovation leistet der Grazer Start-up Kilobaser – auch unterstützt von der SFG – einen wesentlichen Beitrag bei der Entwicklung von Wirkstoffen gegen Corona.

Grade jetzt ist der Bedarf an künstlicher DNA für die Entwicklung von Medikamenten oder zur Analyse von Zellen in den Labors aller Welt sprunghaft angestiegen. Während sonst die Herstellung künstlicher DNA Tage, in Asien sogar bis zu einigen Wochen, dauern kann, liefert das mobile, weltweit einzigartige Gerät aus Graz bereits nach gut 60 Minuten einen Tropfen Flüssigkeit mit den gewünschten DNA-Molekühlen. Ein Quantensprung bei der Entwicklung künstlicher DNA! KLIPP hat bereits in der September-Ausgabe des Vorjahres über die „DNA-Nespresso-Maschine“ berichtet.

Die ersten Entwicklungsschritte für ihre „DNA-Kapsel-Maschine“ vollzog das Kilobaser-Trio im „Open Biolab Graz“, bevor sie an den heutigen Firmensitz im Smart Business Center (SBC) in Graz umzogen. Die Entwicklung des Kilobaser-Geräts begann bereits im Jahr 2014. Es galt, Synthesechemie, Analytische Chemie, (Mikro-)Fluidik, Pneumatik, Molekularbiologie, Software, Messtechnik, Elektronik und Feinmaschinenbau zu vereinigen. Da DNA unsichtbar ist, benötigt man zudem eine aufwändige Massenspektrometrie, um sie zu charakterisieren. Anfänglich war eine Fremdproduktion geplant, nun entschied Kilobaser, die Geräte selbst zu produzieren. Rund drei Millionen wurden investiert, rund zur Hälfte von internationalen Investoren und der FFG.

Alexander Murer: „Die DNA ist ja der Code des Lebens und unser Gerät funktioniert wie eine kleine Chemiefabrik.“ Man könne die Moleküle, aus denen jeder DNA-Strang aufgebaut ist, künstlich, also synthetisch, herstellen. Derartige Systeme zur Herstellung künstlicher DNA gäbe es klarerweise bereits, aber diese wären teuer und aufwändig im Betrieb. Und zum entscheidenden Vorteil der „DNA-Kapsel-Maschine“: „Für kleinere Labors sind die bisherigen Geräte kaum praktikabel, unseres aber schon. Es kostet nur rund 15.000 Euro und braucht kein eingeschultes Personal. Unser Gerät ist im Vergleich zu den bisher am Markt verfügbaren Geräten so leicht zu bedienen und kostengünstig, dass erstmals jeder Forscher selbst DNA herstellen kann.“

„Ich habe Molekularbiologie studiert und irgendwann wurde es ungemein theorielastig. Dann habe ich mit zwei Freunden begonnen, einfache Laborgeräte zu basteln“, kommt Geschäftsführer Alexander Murer im KLIPP-Gespräch auf die Vergangenheit zu sprechen. Das „Rebel.Bio“-Startup-Programm half dem Trio Martin Jost, Alexander Murer und Bernhard Tittelbach, die Idee der Firmengründung zu realisieren. Und alle drei sind auch heute noch an Bord.

Unter Sicherheitsvorkehrungen arbeitet das mittlerweile 9-köpfige Team an vier Werkbänken. „Auch in der aktuellen Situation kommen wir gut voran, es gibt weniger Ablenkungen“, so Murer. Und wie funktioniert die gefragte Innovation? „Mit dem erstellten gewünschten DNA-Plan wie eine Nespresso-Maschine. Statt lange zu brühen, wird einfach eine entsprechende Kartusche eingesetzt. Das Gerät gibt dann nach gut 60 Minuten einen Tropfen Flüssigkeit mit den gewünschten DNA-Molekülen ab.“

Der Name „Kilobaser“ hat übrigens keine spezielle Bedeutung. Mit „Kilobase“ bezeichnet man in den Biowissenschaften meist einen DNA Strang mit 1.000 Basen-Bausteinen.

Das Start-up kooperiert bei der Entwicklung der Serienelektronik für die Kilobaser-Maschine mit dem SBC-Mieter und Elektronikspezialisten MEDS. „Diese räumliche Nähe hier im SBC begünstigt die Zusammenarbeit klarerweise deutlich“, so Alexander Murer.