Am 24. März 2020 fand ein Pressestatement zu den Maßnahmen gegen die Krise im Bundeskanzleramt statt. Im Bild Bundeskanzler Sebastian Kurz (r.) und Vizekanzler Werner Kogler (l.).

Im Bild Bundeskanzler Sebastian Kurz (r.) und Vizekanzler Werner Kogler (l.). Foto: BKA/Andy Wenzel

Der türkisgrüne Lack ist ab

Donnerstag, 14. Mai 2020

Kommentar

Covid 19 war der Auslöser dafür. Unser Österreich ist auch heute ein anerkanntes Kulturland im Herzen Europas. Rund 180.000 Kulturschaffende – Künstler, Musiker, Tontechniker, also Menschen vor, auf und hinter der Bühne – sorgen dafür. Ohne ihr Wirken, ihre Kreativität wäre es öd um unser Land bestellt.

Der Kabarettist Lukas Resetarits brachte es mit seinem pointierten Video auf den Punkt. Die türkisgrüne Regierung kann Kultur nicht. Sie bringt kein Gespür, keine Empathie dafür auf. Sie schreckt über jeden Covid-19-Infizierten auf, nicht aber über die vielen verzweifelten, in ihrer Existenz bedrohten freien, nicht angestellten, selbstständigen Kulturschaffenden.

Ziemlich genau vor zwei Monaten verkündete Sebastian Kurz den Lockdown für die Republik. Bis heute schaffte es die Regierung nicht, auch ein Maßnahmenpaket für die in ihrer Existenz bedrohte freie Kulturszene des Landes zu präsentieren. Sie und ihre Beamten in den Ministerien, die pünktlich zu jedem Monatsersten ihr (oft großzügig bemessenes) Gehalt überwiesen bekommen, begreifen nicht, was es heißt, wenn Mitbürger nicht wissen, wie sie die Mittel für die lebensnotwendigen Ausgaben für die nächste Zeit beschaffen sollen, diese finanzieren können.

Wie und was die Politiker über die Kulturschaffenden denken, prägt die derzeitige Politik – sie können damit wenig anfangen. Es ist eine Schande, dass es im Kulturland Österreich im Vergleich zu früheren Zeiten keinen Kulturminister mehr in der Regierung gibt. Ein Staatssekretariat – als „Beiwagerl“ zur Regierung – ist das, was übrig geblieben ist. Die quasi in letzter Minute dazu bestellte Ulrike Lunacek – ah, ja, das müssen wir auch noch besetzen – ist der beste Beweis dafür.

Dort, wo die Kultur wirklich den gebührenden Stellenwert hat – das zeigen andere europäische Ländern, das beweist auch Wien: In der Kulturhauptstadt gibt es nach wie vor einen Kulturstadtrat – zur Zeit eine Kulturstadträtin, die sich ausschließlich und mit Leidenschaft und Kompetenz ihrer Agenda widmet.

Weil in diesen Wochen tagaus, tagein an das Ende des Zweiten Weltkrieges irgendwo gedacht wird: Obwohl damals unser Land zerstört, zerbombt war und die Infrastruktur kaputt, schafften es die Menschen, bereits innerhalb weniger Wochen nach Kriegsende kulturelles Leben zu organisieren – der vorherrschenden Not und dem Hunger zum Trotz. Nun drohen wir, kulturell vor vollen Töpfen zu verhungern.